KKR: Private Equity-Investor nutzt Krise für ausgedehnte Einkaufstour

ebay Logo RED_shutterstock_1097488577_JHVEPhoto

Beteiligungskonzern KKR im Kaufrausch: Finanzinvestor sieht Chancen in der Krise und baut Firmenimperium deutlich aus (Foto: JHVE / shutterstock.com)

Im Einkauf liegt der Gewinn. Die alte Kaufmannsweisheit hat an Aktualität nicht verloren und scheint eine der Leitmaximen des Private-Equity-Giganten KKR zu sein. Den Eindruck muss man zumindest gewinnen, wenn man sich den aktuellen Deal-Flow des US-Konzerns ansieht. Stärker als andere Finanzinvestoren erkennt KKR derzeit offenbar zahlreiche gute Gelegenheiten und kauft in der Krise kräftig zu. Die Beteiligungsgesellschaft hat in den vergangenen Monaten trotz Corona-Krise oder vielleicht sogar gerade deswegen mehrere Milliardendeals gestemmt.

Wer hinter KKR steckt

Der mehrfache Milliardär Henry Kravis gründete 1976 KKR und erfand ein neues Geschäftsmodell: Firmen übernehmen und mit Gewinn verkaufen. KKR sammelt Geld von großen Investoren ein, übernimmt damit Unternehmen, die in Problemen sind, baut diese um und steigt nach ein paar Jahren mit möglichst hohem Gewinn wieder aus.

Dabei werden riesige Summen bewegt: Zum Ende des ersten Quartals verwaltete KKR die unglaubliche Summe von 207 Milliarden Dollar (+3,5% zum Vorjahresquartal). Unter dem Strich fuhr der Konzern einen Quartalsgewinn von 1,26 Milliarden Dollar an „Management Fees“ ein, was einer Steigerung von 14% im Jahresvergleich entspricht.

Bei KKR geht es Schlag auf Schlag

KKR meldete zuletzt gleich reihenweise neue Transaktionen: Hierzulande hat der Konzern 60 % am Darmstädter Friseur-Pflegeproduktehersteller Wella für 3 Milliarden Dollar von Coty sowie 5 % an ProSieben übernommen und zugleich den Netzbetreiber Deutsche Glasfaser an den Rivalen EQT abgegeben. In Großbritannien hat KKR auf dem Höhepunkt der Krise das Recyclingunternehmen Viridor zu einer 4,2 Milliarden Pfund schweren Bewertung gekauft.

In Italien führt der Beteiligungsmanager unterdessen Gespräche mit der Telecom Italia, die momentan die Ausgliederung des eigenen Festnetzgeschäfts vorbereitet. Informationen zufolge könnte sich KKR mit einem Fonds zu 40 % daran beteiligen.

Beteiligungsmanager wittert Chancen in der Krise

An neuen Investmentideen scheint es dem Beteiligungsmanager also nicht zu mangeln. Als größter Aktionär von Springer unterstützt KKR nun auch eine bis zu 10 Milliarden Dollar schwere Offerte des Berliner Medienkonzerns für das Kleinanzeigengeschäft von Ebay. Formal tritt dabei Springer als Bieter auf, wird aber finanziell von KKR gesponsert.

Ebay-Kleinanzeigengeschäft im Visier

Allerdings dürfte der US-Konzern nicht der einzige Interessent sein. Neben der südafrikanischen E-Commerce-Holding Naspers werden von informierten Kreisen die norwegische Marketinggruppe Adevinta ebenso wie ein Konsortium aus Blackstone, Permira und Hellman & Friedman als Interessenten gehandelt. Permira besitzt eine Beteiligung an der polnischen Online-Auktionsseite Allegro. Hellman & Friedman steht hinter dem digitalen Automarkt Autoscout24. Zum Axel Springer-Konzern gehören die Immobilienbörse Immonet und das Jobportal Stepstone.

Mobile.de weckt Begehrlichkeiten

Neben den zahlreichen Marken wie Kijiji, 2dehands, 2emeain, Bilbasen und DBA dürften es die Interessenten vor allem auf die Autobörse Mobile.de abgesehen haben. Ebay finanziert die für den Nutzer kostenlosen Kleinanzeigen über Google-Adsense-Werbung und kostenpflichtige Zusatzangebote wie bessere Platzierungen und Hervorhebungen. Im Jahr 2019 sind so weltweit 1,06 Milliarden Dollar umgesetzt worden. Knapp die Hälfte davon soll aus Deutschland stammen. In der Branche werde der Kaufpreis für Ebay Classifieds auf rund 10 Milliarden Dollar geschätzt. Wer auch immer bei der Sparte zum Zug kommt, für KKR dürfte es nicht das letzte Gebot in diesem Jahr gewesen sein.

Paypal App RED – shutterstock_1020059872 BigTunaOnline

Bezahldienstleister: Diese Aktien sollten Anleger auf dem Zettel habenImmer neue Bezahldienstleister-Aktien gehen an die Börse. Mobiles Bezahlen hat Zukunft. Der Markt wird auch von etablierten Größen entdeckt. › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Tobias Schöneich. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz