Klassischer Fehlstart bei Hornbach

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Im Land der Blinden ist der Einäugige König. Dies zeigt Hornbach stets aufs Neue. Dennoch dürf-te die Aktie fürs erste unter Druck bleiben. (Foto: bilciu / shutterstock.com)

Die Hornbach Holding-Gruppe, bekannt für die gleichnamige Baumarkt-Tochter, hat im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2018/19 zwar 2,7 % mehr umgesetzt als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum, ergebnisseitig war die Entwicklung jedoch unbefriedigend. So brach das Betriebsergebnis von 93 Mio. Euro auf 79 Mio. Euro ein. Die EBIT-Marge verschlechterte sich auf 6,5%, nachdem sie im Vorjahr noch bei 7,8% gelegen hatte.

Wachstum vor allem im Ausland

Ursächlich für diese Entwicklung war der winterliche März, und auch im Mai waren die Bedingungen für Umbau- und Renovierungsarbeiten nicht immer ideal gewesen, heißt es im Zwischenbericht, der am vergangenen Freitag veröffentlicht worden war. Überdies belasteten deutlich höhere Filialkosten, etwa für den Betrieb der Bau- und Gartenmärkte oder des Online-Shops, die Ertragsentwicklung. Ungeachtet dessen zeigte sich der Hornbach-Vorstand zufrieden mit dem Abschneiden im Auftaktquartal.

Im größten operativen Teilkonzern, der ebenfalls börsennotierten Hornbach Baumarkt AG, verbesserten sich die Erlöse im ersten Quartal um 2,8 % auf 1,2 Mrd. Euro. Verantwortlich hierfür waren zum einen zwei neu eröffnete Bau- und Gartenmärkte. Dass es auch ohne deren Berücksichtigung zu einem flächenbereinigtem Umsatzwachstum von 2,3 % kam, ist vor allem auf die erfreuliche Dynamik außerhalb Deutschlands zurückzuführen.

Während nämlich im Inland der Umsatz der Baumärkte stagnierte, legten die Erlöse im übrigen Europa um 6,3 % zu. Damit werden inzwischen rund 47,3 % der Erlöse des Hornbach-Teilkonzerns in den 60 ausländischen DIY-Filialen erwirtschaftet, die Hornbach in acht Ländern betreibt.

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Hammerharter Wettbewerb

Hierzulande stehen Baumarktbetreiber schon seit Jahren in starkem Wettbewerb zueinander – in dem mit harten Bandagen um Marktanteile gekämpft wird. Auch Hornbach, aktuell die Nummer 3 unter den deutschen Baumarktbetreibern hinter Obi und Bauhaus, blieb davon nicht verschont. Entspannung ist nicht in Sicht, im Gegenteil: Hat man sich schon untereinander nichts geschenkt, treten nun auch noch aggressive Newcomer wie Sonderpreis Baumarkt, der in den vergangenen Jahren mehrere Dutzend Standorte eröffnet hat, in den gesättigten deutschen Markt ein.

In welchem die Kunden alles andere als treu sind: Im Allgemeinen, das verdeutlichen Umfragen stets aufs Neue, wählen sie ihren Baumarkt nämlich nach der Nähe aus. Erst mit deutlichem Abstand spielen Sortimentsauswahl und Preis eine Rolle bei der Entscheidung für einen bestimmten Baumarkt. Ungeachtet dessen beklagt fast jeder zweite Baumarktkunde eine mangelhafte Beratungsqualität.

Besser als andere

Was wiederum eine Chance für Hornbach und dessen hohen Qualitätsanspruch bei Produkten und Beratung darstellt. Sie sind der Grund, warum Hornbach den vergangenen Jahren eine deutlich besseren organische Entwicklung als die meisten Wettbewerber aufweisen und so den Abstand zu den beiden führenden Unternehmen sukzessive verkürzen konnte.

Dennoch ist die Hornbach-Aktie von den intensiven Preiskämpfen nicht verschont geblieben. Mit aktuell 62 Euro ist die im SDAX notierte Aktie auf dem besten Weg, sich wieder den Kursniveaus der Jahre 2011 bis 2013 anzunähern. Auch wenn der Vorstand die Gesamtjahreserwartungen bestätigt hat, besteht daher aktuell keine Notwendigkeit, in die fallenden Kurse hinein zu kaufen.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.