Kleine Hebelkunde: Zum Unterschied zwischen theoretischem und Omega-Hebel

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Wenn bei meinem Kollegen Rolf Morrien in der Redaktion das Telefon klingelt, dann dauert das Gespräch manchmal länger. Rolf Morrien ist Chefredakteur des Börsenbriefes "Depot-Optimierer", und er gibt den Trader "GBT-Eilmitteilungen" heraus - Ein ausgewiesener Fachmann für Optionsscheine. Vor ein paar Tagen machte ein Leser seinem Unmut über einen bestimmten Optionsschein Luft. Eine kleine Hebel-Lektion klärte die Sache auf. (Foto: eyeofpaul/AdobeStock)

Wenn bei meinem Kollegen Rolf Morrien in der Redaktion das Telefon klingelt, dann dauert das Gespräch manchmal länger. Rolf Morrien ist Chefredakteur des Börsenbriefes “Depot-Optimierer”, und er gibt den Trader “GBT-Eilmitteilungen” heraus – Ein ausgewiesener Fachmann für Optionsscheine. Vor ein paar Tagen machte ein Leser seinem Unmut über einen bestimmten Optionsschein Luft. Eine kleine Hebel-Lektion klärte die Sache auf.

Hebel ist nicht gleich Hebel

Ein Leser rief kürzlich bei Börsenprofi Rolf Morrien an – Er war über einen von ihm selbst ausgesuchten Optionsschein unzufrieden. Die zugrunde liegende Aktie hatte positive Quartalszahlen bekannt gegeben, der Aktienkurs stieg. Über den vermeintlichen Hebel sollte auch der Optionsschein 30 bis 40% gewinnen. Doch der Kurs des Optionsscheins veränderte sich nur marginal. Woran konnte das liegen?

Die Analyse des Experten hat ergeben: Der Leser berücksichtigte nur den theoretischen Hebel und nicht den Omega-Hebel. Der theoretische Hebel lag bei 11, der viel wichtigere Omega-Hebel dagegen nur bei knapp 3. So hatte sich der Optionsschein nur um den Faktor 3 verändert und nicht wie erhofft um den Faktor 11.

Der theoretische Hebel

Der theoretische Hebel gibt an, um wie viel Mal mehr der Optionsschein bei einem konstanten Aufgeld steigt oder fällt, wenn der Basiswert um 1% steigt. Allerdings bleibt das Aufgeld fast nie konstant. Der theoretische Hebel kann daher irreführend sein. Aus diesem Grund berücksichtigt Rolf Morrien grundsätzlich den aussagekräftigeren Omega-Hebel.

Omega und Delta

Das Omega gibt an, um welchen Prozentsatz sich der Kurs des Optionsscheins bei einer Kursbewegung des Basiswerts um 1% verändert. Hier wird das “Delta” berücksichtigt, was zu einem genaueren Ergebnis führt.

Die Kennzahl Delta zeigt an, wie sich der Preis des Optionsscheins entwickelt, wenn sich der aktuelle Kurs des Basiswerts um eine Einheit ändert. Je höher das Delta, desto eher die Wahrscheinlichkeit, dass der Kurs des Basiswerts am Ende der Laufzeit über dem Basispreis liegt. Bei Kauf-Optionsscheinen (Call) bewegt sich das Delta zwischen 0 und +1, bei Verkaufs-Optionsscheinen (Put) zwischen -1 und 0.

Mit der Kennzahl Delta lassen sich nun die beiden Hebel-Varianten verbinden. Das Omega berechnet sich wie folgt:

Omega-Hebel = Delta x theoretischer Hebel

Ein Omega-Hebel von 3,0 bedeutet, dass der Optionsschein um 12% steigt, wenn der Basiswert um 4% zulegt. Ein Beispiel:

Omega und Delta: Ein Praxisbeispiel

Aktien-Kurs: 50,00 €

Optionsscheinkurs: 0,50 €

Bezugsverhältnis: 0,1 (1:10)

Delta 0,30

Theoretischer Hebel = (Aktien-Kurs x Bezugsverhältnis) / OS-Kurs

(50 x 0,1) / 0,50 = 10

Omega-Hebel = Delta x theoretischer Hebel

0,30 x 10 = 3,0

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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