Klöckner mit Zukauf in den USA

Der Stahlhändler Klöckner gab gestern Abend die Übernahme des amerikanischen Stahlverarbeiters American Fabricators bekannt. Der Zukauf ist zwar klein - aber strategisch vollkommen richtig. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Der Stahlhändler Klöckner hat gestern Abend die Übernahme des amerikanischen Stahlverarbeiters American Fabricators bekannt gegeben. Über die Höhe des Kaufpreises wurde Stillschweigen vereinbart.

Klöckner teilte lediglich mit, dass der Übernahme-Kandidat einen Jahresumsatz von rund 30 Mio. Dollar vorweist und „hochprofitabel“ sei. Die Übernahme reicht für eine positive Pressemitteilung – wird aber nicht die Klöckner-Probleme lösen.

Klöckner mit Verlust zur Jahresmitte

Der Duisburger Stahlhändler Klöckner steckt in der Krise – und zwar nicht das erste Mal. Immer wieder muss das Unternehmen hohe Verluste hinnehmen. Nennenswerte Gewinne konnte Klöckner zuletzt 2010 erzielen.

Im vergangenen Jahr reichte es immerhin nach 2 sehr schwierigen Jahren für ein kleines Plus. Doch in diesem Jahr sieht es erneut düster aus. Zur Jahresmitte steht ein Verlust von 75 Mio. Euro und die Gesamtjahresprognose wurde wieder einmal gekappt.

Der schwache Euro sorgte zwar Umsatzseitig für Rückenwind, doch angesichts eines erneuten Sparprogramms reichte es nicht für einen Gewinn.

Stahlmarkt in der Dauerkrise

Man möchte nicht mit dem Klöckner-Chef Gisbert Rühl tauschen. „Krise“ so scheint es, ist immer. Seit Jahren machen Überkapazitäten und Preisverfall das Geschäft für die Deutschen extrem schwierig.

Zukäufe könnten da ein Ausweg sein, doch der jetzige Schritt ist nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. So lange chinesische Anbieter zu Schleuderpreisen die Überproduktion im Ausland anbieten, so lange bleibt das Geschäft schwierig.

Bei Übernahme-Kandidaten auch auf die fundamentale Bewertung achten

Klöckner wurde aufgrund der schwierigen Marktvoraussetzungen lange Zeit selbst als Übernahme-Kandidat gehandelt.

Wer auf eine Spekulation aus Sorge vor den schwierigen Stahlmarkt-Bedingungen verzichtete, dem ist auf Jahressicht ein Verlust erspart geblieben. Eine Nullrunde trotz stark steigender Börsen müssen Investoren hinnehmen, die 3 Jahre investiert sind.

Einmal mehr zeigt sich, dass bei Übernahme-Kandidaten auch auf die fundamentale Bewertung geachtet werden muss, bevor man investiert.

Zukäufe im Bereich Spezialstahl könnten ein Ausweg sein

Wenn Sie einmal die unbedeutende Größe vergessen und nur die strategische Entscheidung berücksichtigen, dann ist die Übernahme sehr zu begrüßen. Klöckner muss weg vom Massenstahl und hin zum Spezialstahl, wo der Druck geringer und die Margen höher sind.

Das bringt die Übernahme mit sich und fördert zugleich die Marktdurchdringung in den USA. Wenn Klöckner sich regional breiter aufstellt und tiefer in das Geschäft mit Spezialstahl eindringen kann, dann klappt auch die Rückkehr in die Gewinnzone und vielleicht auch die für 2017 angepeilten 5% Umsatzrendite.

Der Zukauf ist also nach Ansicht des Übernahme-Sensors durchaus positiv.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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