Klöckner profitiert von Strafzöllen

Anders als die meisten Unternehmen, profitiert der Stahlhändler Klöckner von den durch Trump verhängten Strafzöllen. (Foto: Mr. Kosal / shutterstock.com)

Die von Trump verhängten Strafzölle sieht der Großteil der Unternehmen hierzulande eher skeptisch.

Anders jedoch ist das beim Stahlhändler Klöckner. Durch die für den US-Markt verhängten Schutzzölle auf Stahl und Aluminium steigen dort die Preise – was den Gewinn von Klöckner beflügelt. Die Entwicklung in den USA war sehr gut. Das operative Ergebnis stieg im 2. Quartal um 30% auf 82 Mio. €. Für den Umsatz ging es um 9% auf rund 1,8 Mrd. € nach oben. Gut vorangekommen ist der Stahlhändler auch bei der Umsetzung seiner Strategie „Klöckner & Co 2020“. So wurde der über digitale Kanäle generierte Umsatzanteil auf 21% gesteigert.

Weiter ausgebaut wurde das Digitalgeschäft in Österreich und den Niederlanden mit neuen Onlineshops. Erweitert wurde auch das Geschäft mit höherwertigen Produkten und Dienstleistungen.

ArcelorMittal profitiert von höherer Nachfrage

Das Stahlgeschäft verbesserte sich im 1. Halbjahr dank höherer Preise und niedrigerer Kosten. So hat der weltgrößte Stahlkonzern ArcelorMittal inmitten der internationalen Handelsstreitigkeiten im 2. Quartal mehr verdient als erwartet. Der Konzern profitierte von einer stärkeren Nachfrage nach Stahl und Eisenerz. Der Umsatz stieg um 16% auf rund 20 Mrd. $, das operative Ergebnis (EBITDA) von 2,51 auf 3,07 Mrd. $.

Zudem kam der Konzern mit dem Schuldenabbau voran. Für die weitere Entwicklung zeigte sich ArcelorMittal, die in einigen Bereichen mit thyssenkrupp konkurrieren, zuversichtlich. Das Marktumfeld ist freundlich, und die derzeitige Nachfrage ist positiv. Unterstützung bekam der Stahlriese von den Großabnehmern. So ist die Nachfrage aus der Auto- und Bauindustrie hoch.

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Der Stahlhersteller ist optimistisch, was die weitere Erholung der Stahlnachfrage in Europa und Deutschland betrifft. Euphorie wäre verfrüht, schließlich gibt es immer noch Überkapazitäten am Markt.

thyssenkrupp und seine Probleme

In den vergangenen Jahren schien es, als hätte thyssenkrupp ein Stahlproblem. Nach langem Hin und Her wurden die Stahlwerke in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Konkurrenten Tata abgespalten, um den Schwankungen und Zöllen auf dem Weltmarkt besser zu begegnen. thyssenkrupp will sich stattdessen auf sein Geschäft mit Aufzügen, Autoteilen und Anlagen konzentrieren.

Doch kaum ist die Ausgliederung der Stahlsparte besiegelt, tauchen größere Probleme auf: Vorstandschef Heinrich Hiesinger und Aufsichtsratschef Ulrich Lehner sind zurückgetreten, weil sie den Rückhalt großer Aktionäre vermissten. Und die Anlagen- und Schiffbausparte häuft Millionenverluste an. Die Sparte leidet darunter, dass sie weniger Großaufträge erhält. Zudem verteuern sich laufende Projekte, etwa ein Marineauftrag in der Türkei, der Bau einer Zementanlage in Saudi-Arabien und eines Kraftwerks in Australien.

Der neue Konzernchef Guido Kerkhoff will die Kosten der Sparte mit knapp 20.000 Beschäftigten senken und künftig auf kleinere Projekte setzen. Aus Sicht des Großinvestors Cevian ist der Mischkonzern zu komplex. „Jetzt hat das Unternehmen die Chance, die richtige Struktur zu finden“, sagt Cevian-Gründer Lars Förberg, „um seine Einheiten wettbewerbsfähiger, wachstumsstärker und erfolgreicher aufzustellen“.


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.