Knorr-Bremse: Aktuelle Zahlen überraschen positiv

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Der Weltmarktführer für Schienen- und Nutzfahrzeug-Bremssysteme, Knorr-Bremse, hat überraschend gute Quartalszahlen vorgelegt. Die Aktie erreicht Rekordniveau. (Foto: Best Backgrounds / shutterstock.com)

Vielleicht haben Sie es schon mitbekommen: Die ersten Aktiengesellschaften haben ihre Quartalszahlen für das vom Corona-Lockdown geprägte 2. Quartal 2020 veröffentlicht. Ich werde Ihnen daher in den nächsten Wochen einige Mittelständler und deren aktuelle Quartalszahlen präsentieren.

Beginnen möchte ich mit dem im MDax gelisteten Münchener Traditionsunternehmen Knorr-Bremse AG. Der Weltmarktführer für Schienen- und Nutzfahrzeug-Bremssysteme wurde 1905 in Berlin gegründet. Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Unternehmen enteignet und später in das VEB Berliner Bremsenwerk umgewandelt.

Die Produktion in Westdeutschland wurde durch die Süddeutsche Bremsen-AG in München fortgeführt, die wiederum 1985 auf die neu gegründete Knorr-Bremse AG fusioniert wurde. Seit den 1990er-Jahren wurde Knorr-Bremse durch zahlreiche Übernahmen zum weltweit führenden Anbieter von Bremssystemen sowohl für Schienenfahrzeuge als auch für Nutzfahrzeuge.

Im vergangenen Jahr erwirtschafteten die gut 28.900 Mitarbeiter der Knorr-Bremse AG einen Umsatz von 6,93 Mrd. Euro. Der Vorsteuergewinn (EBT) belief sich in 2019 auf 909,61 Mio. Euro. Doch nun möchte ich Ihnen die neuesten Zahlen der Knorr-Bremse AG näher erläutern.

Jüngste Zahlen besser als erwartet

Dass auch Knorr-Bremse unter dem Lockdown der Corona-Krise zu leiden hatte, ist unumstritten. Daher waren die Einschätzungen bezüglich der aktuellen Quartalszahlen im Vorfeld der Veröffentlichung auch eher pessimistisch: Analysten gingen noch vor einem Monat von einem Umsatz von lediglich 1,2 Mrd. Euro sowie einer operativen EBITDA-Marge von nur 9% aus.

Doch die vorläufigen Zahlen zum 2. Quartal, die das Unternehmen vor wenigen Tagen veröffentlichte, fielen deutlich besser aus, als die Analysten prognostiziert hatten: Im 2. Quartal 2020 konnte Knorr-Bremse einen Umsatz von 1,4 Mrd. Euro und eine EBITDA-Marge von rund 17% erzielen.

Eine schnelle Reaktion auf die sich im März 2020 abzeichnende weltweite Ausdehnung der Covid-19-Pandemie half, die negativen Auswirkungen auf die Geschäftsentwicklung von Knorr-Bremse einzudämmen, so Knorr-Bremse-Chef Bernd Eulitz. Trotz temporärer Schließungen von Kunden- und Lieferantenwerken ist es uns gelungen, mit konsequenten Kosten- und Effizienzmaßnahmen schnell gegenzusteuern.

Konkret war im abgelaufenen Quartal bei den Kunden der Knorr-Bremse ein Vorziehen der Bevorratung von Ersatzteilen zu beobachten, was sich positiv auf Umsatz und Ergebnis des 2. Quartals auswirkte. Gleichzeitig konnten die Kosten durch schnell durchgeführte Kurzarbeitsmaßnahmen gesenkt werden.

Verhalten-optimistische Prognosen für 2020

Knorr-Bremse geht davon aus, dass sich die Erholung im 2. Halbjahr weiter fortsetzen wird, wenn auch nicht so deutlich wie im jüngsten Quartal. Für das Gesamtjahr rechnet das Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 5,8 bis 6,2 Mrd. Euro (Vorjahr: 6,937 Mrd. Euro) und eine operative EBITDA-Marge zwischen 16,0 und 17,5% (Vorjahr: 18,8%).

Aktie erreicht Rekordwert

Dass ein Unternehmen wie Knorr-Bremse durch den Lockdown nur moderate Rücksetzer zu verzeichnen hat, ist durchaus positiv einzuschätzen. Diese Nachricht wurde auch von den Investoren honoriert. Der Kurs der Knorr-Bremse-Aktie stieg nach Bekanntgabe der aktuellen Zahlen auf ein neues Rekordhoch von 103,80 Euro.

Die Knorr-Aktie ist aus meiner Sicht ein solides Papier, das aber aktuell nicht besonders günstig bewertet ist. Sie können die Aktie aus meiner Sicht auf Ihre Beobachtungsliste setzen und bei Rücksetzern erwägen, das Papier zu kaufen.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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