Knorr-Bremse bestätigt Jahresprognose

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Trotz unerwarteter Sonderbelastungen aus dem Verkauf einer defizitären Beteiligung hat Knorr-Bremse die Jahresprognose bestätigt. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Zyklische Unternehmen aus der Automobilindustrie haben es zurzeit nicht leicht. Haufenweise hagelt es Gewinnwarnungen. Da mutet es schon fast skurril an, dass Knorr-Bremse die Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr bestätigt hat, obwohl das MDAX-Unternehmen mit unerwarteten Sonderbelastungen in Höhe von 80 Millionen Euro konfrontiert worden ist.

Negativer Kaufpreis

Entstanden sind diese aus dem Verkauf des defizitären Geschäftsbereichs PowerTech. Mit mehr als 500 qualifizierten Mitarbeitern an fünf Standorten auf vier Kontinenten ist das Berliner Unternehmen auf elektrische Energieversorgungsysteme sowohl für den Schienenverkehr als auch für industrielle Anwendungen spezialisiert. Vor fünf Jahren übernommen ist es Knorr-Bremse jedoch nicht gelungen, PowerTech in die Gewinnzone zu überführen. Stattdessen erwirtschaftete PowerTech im vergangenen Geschäftsjahr 2018 bei Umsätzen von rund 90 Millionen Euro unverändert operative Verluste in Höhe von 19 Millionen Euro.

Diese wollte Knorr-Bremse allerdings nicht länger hinnehmen. Um jedoch einen Käufer dazu zu bewegen, die defizitäre PowerTech zu übernehmen, musste der Weltmarktführer für Schienen- und Nutzfahrzeugbremsen erhebliche Zugeständnisse beim Verkaufspreis machen. Dieser war, wie es in der Meldung heißt, sogar negativ. Beziffert wurde der Betrag mit 80 Millionen Euro, der auf eine erforderliche Kapitalausstattung, Entkonsolidierungseffekte und weitere transaktionsbezogene Einmalaufwendungen zurückzuführen ist.

Verkauf an erfahrenen Sanierungsexperten

An der Mitgift erfreuen darf sich die Münchner Beteiligungsgesellschaft Radial Capital Partners (RCP), die das von Sanierungsexperten wie Aurelius bekannte Konzept verfolgt, sich an Gesellschaften zu beteiligen, die Restrukturierungs- bzw. Sanierungsbedarf aufweisen. Nach erfolgtem Turnaround werden die Beteiligungen wieder an strategische Investoren verkauft.

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Dass ein Geschäftsbereich die Erwartungen nicht erfüllt, kommt in den besten Unternehmen vor. Auch dass Unternehmen, das zeigt sich immer wieder, mit der Sanierung defizitärer Tochtergesellschaften überfordert sind. Denn die Sanierung und Restrukturierung verlustreicher Töchter erfordert Spezialkenntnisse, die sich ein Manager nicht im Alltagsgeschäft aneignen kann. Insofern ist es kein Zeichen von Schwäche, wenn der Vorstand von Knorr-Bremse erkennt, dass weit weniger Synergien zwischen dem Geschäftsbereich und den übrigen Aktivitäten von Knorr-Bremse zu erzielen sind als ursprünglich erwartet worden war. Und jetzt die Reißleine zieht.

Entlastung erst ab 2020

Mit der Unterzeichnung des Kaufvertrags am Montag wurde nach Unternehmensangaben die Trennung unmittelbar wirksam. Für Knorr-Bremse fallen nach der Maßnahme künftige Verluste aus dem Bereich weg. Die operative Umsatzrendite des fortgeführten Geschäfts wird mit dem Verkauf „um 50 Basispunkte“ gestärkt, ließ sich Finanzvorstand Ralph Heuwing zitieren. „Dies werden wir bereits 2020 sehen.“

Auch wenn Knorr-Bremse nach eigenen Angaben die sich abkühlende Konjunktur zu spüren bekommt: Mit dem Verkauf von PowerTech hat man sich zumindest eines lösbaren Problems entledigt.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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