Knorr-Bremse: Börsengang nimmt Gestalt an

Der weltweit führende Bremsspezialist für Nutz- und Schienenfahrzeuge geht in Kürze an die Börse. (Foto: Rawpixel.com / Shutterstock.com)

Das ist mutig: Der deutsche Aktienmarkt schwächelt, aber ein großes deutsches Unternehmen will dennoch den Sprung auf das Börsenparkett wagen. Lesen Sie jetzt im Schlussgong die Hintergründe.

Das 1905 gegründete Traditionsunternehmen Knorr-Bremse geht demnächst an die Börse. Es könnte sogar der größte deutsche Börsengang in diesem Jahr werden. Wenn die Aktien von Knorr-Bremse zum Höchstkurs platziert werden, könnte sich ein Emissionsvolumen ergeben, das knapp über dem von Siemens-Healthineers läge.

Nach Angaben der Investmentbank Morgan Stanley läuft der Börsengang gut an. Nur eine Stunde nach Öffnung der Orderbücher hätten Zeichnungsaufträge für mehr als 40 Mio. Aktien vorgelegen. Maximal sollen am 12. Oktober 48,4 Mio. Aktien platziert werden.

Mindestens das doppelte Ordervolumen muss für eine erfolgreiche Emission vorliegen. Die Preisspanne liegt zwischen 72 und 87 Euro je Aktie. Günstig sind die Knorr-Bremse-Aktien damit nicht. Gemessen am Nettogewinn des vergangenen Jahres läge das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) damit grob zwischen 20 und 24.

Bevor ich gleich auf weitere Details zum Börsengang eingehe und Ihnen eine kurze Einschätzung zur Knorr-Bremse-Aktie gebe, möchte ich Ihnen das Unternehmen kurz vorstellen. Denn ich gehe nicht davon aus, dass Sie alle im Detail wissen, was Knorr-Breme genau macht.

Knorr-Bremse: Weltweit führend bei Bremssystemen

Knorr-Bremse ist der weltweit führende Hersteller von Bremssystemen für Schienen- und Nutzfahrzeuge. Das Unternehmen ist an über 100 Standorten in 30 Ländern vertreten.

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Im Unternehmensbereich Systeme für Schienenfahrzeuge stattet Knorr-Bremse Fahrzeuge im Nahverkehr wie beispielsweise U-Bahnen und Straßenbahnen, aber auch Güterzüge, Lokomotiven sowie Personenverkehrs- und Hochgeschwindigkeitszüge aus.

Neben Bremssystemen stellt das Unternehmen auch intelligente Einstiegssysteme, Klimaanlagen, Energieversorgungssysteme, Steuerungskomponenten und Scheibenwischer, Bahnsteigtüren, Reibmaterial sowie Fahrerassistenzsysteme und Leittechnik her.

Die Unternehmensdivision Systeme für Nutzfahrzeuge bietet Bremssysteme für Lkw, Busse, Anhänger und Landmaschinen. Im Bereich Chassis-Systeme ist Knorr-Bremse sowohl bei der elektronischen Steuerung und bei Fahrerassistenzsystemen als auch bei der Luftaufbereitung tätig.

Weitere Details zum Börsengang

Die Kosten des Börsengangs betragen maximal 79 Mio. Euro. Das ist dem am vergangenen Freitag veröffentlichten 472 Seiten umfassenden Börsenprospekt zu entnehmen. 63 Mio. davon erhalten die Konsortialbanken (die Banken, die den Börsengang begleiten).

Ein möglicher Belastungsfaktor: Inmitten der Vorbereitungen des Börsengangs eskalierte ein Streit zwischen Knorr-Bremse und Bosch. Bosch will aus dem gemeinsamen Unternehmen für Nutzfahrzeugbremsen aussteigen, weil man Knorr-Bremse vorwirft, Bosch absprachewidrig Konkurrenz zu machen. Der Kooperationspartner bestreitet dies. Möglicherweise könnte der Streit, der nun vor einem Schiedsgericht geklärt werden soll, die Knorr-Bremse-Aktie direkt nach dem Börsengang belasten.

Nicht nur, aber auch deshalb, empfehle ich Ihnen auch dieses Mal, sich nicht an der Neuemission zu beteiligen und stattdessen abzuwarten, wie die ersten Quartalsberichte nach dem Börsengang ausfallen und zunächst einmal zu schauen, wie sich die Aktie nach dem Börsengang entwickelt.


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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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