Knüppel-Demokratie: Die spanische Zentralregierung schlägt zu

Katalonien kann nicht auf Hilfe aus Brüssel oder Berlin hoffen, denn die EU und die Bundeskanzlerin stehen zur Madrider Zentralregierung. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Das Katalonien-Referendum hat gezeigt, was die spanische Zentralregierung und die anderen EU-Staatenlenker von Demokratie halten:

Wähler und Demonstranten wurden von der Polizei regelrecht niedergeknüppelt. Offiziell gab es 900 Verletzte, die Dunkelziffer ist bei Weitem höher.

Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy verteidigte diese Gewalt-Orgie auch noch mit den Worten, die Regierung hätte nur seine Pflicht erfüllt und hätte das Gesetz befolgt.

Allerdings ist das noch längst nicht alles…

Rajoy droht dem eigenen Volk

Die Zentralregierung prügelt das eigene Volk zusammen und erklärt dies auch noch für rechtens.

Doch dabei beließ es der Regierungs-Chef nicht, sondern drohte dem eigenen Volk auch noch:

Der spanische Staat habe bewiesen, dass er mit allen ihm zur Verfügung stehenden Rechtsmitteln auf jedwede Provokation reagieren könne. Alles klar?

Hilferuf nach der EU und Angela Merkel

Eine ältere Demonstrantin, die sich inmitten des Gewalt-Exzesses befand, fragte:

„Warum hilft uns keiner? Wo ist Europa? Wir sind friedlich. Wir wollen doch nur abstimmen.“

Und an die Adresse von Deutschland richtete sie die Frage: „Hilft uns nicht einmal Angela Merkel?“

Merkel steht fest hinter Madrid

Nein, auch die Bundeskanzlerin half und hilft den Katalanen nicht – ganz im Gegenteil.

Denn nur 1 Tag vor dem Zusammenprügeln der friedlichen Wähler führte sie ein Telefonat mit ihrem Amtskollegen Rajoy.

Dabei sicherte sie der spanischen Zentralregierung ihre volle Unterstützung zu.

Und sie drückte ihr Vertrauen sowie ihren Beistand in Bezug auf die existierende konstitutionelle Ordnung und die Achtung des Gesetzes aus.

Die Europäer verschließen die Augen

Die ganze EU macht vor diesem Verbrechen die Augen zu.

Denn auch andere europäische Staats-Chefs sicherten Madrid ihre volle Unterstützung (gegen die Katalanen) zu – ganz egal, dass etwa 90% derjenigen, die wählen konnten, sich für eine Loslösung von Spanien ausgesprochen haben.

Und wissen Sie auch, warum?

Weil die Madrider Zentralregierung mehr oder weniger der verlängerte Arm von Brüssel ist, das sämtliche separatistische Bestrebungen im Keim ersticken will – wie es ja auch geschehen ist.

Denn sollte es Schule machen, dass sich einzelne Regionen mitten in Europa abspalten, dann ist diese zentralistische EU am Ende.

Das wissen Merkel & Co. ganz genau. Die „Verbrüsselung“ darf nicht gefährdet werden.

Selbstherrliche Nationalstaaten müssen ausgemerzt werden

Das lässt einen kurzen historischen Blick in die Zeit des Karolingers Karls des Großen (747/748 – 814) zu.

Damals war der gallo-romanische und der germanische Reichsteil (übertragen auf heute: Frankreich und Deutschland) zum Sacrum Imperium Romanum Nationis Germanicæ vereinigt; zum übernationalen Gebilde des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation.

Auch wenn dies freilich kein Nationalstaat nach heutigen Maßstäben war, sondern aus selbstherrlichen Kleinstaaten bestand, verlief die politische Gewichtung ähnlich.

Der Schriftsteller, Dichter und Denker der französischen Aufklärung Voltaire alias Francois Marie Arouet (1694 – 1778), sagte dazu:

„Dieses Korpus, das sich immer noch Heiliges Römisches Reich nennt, ist in keiner Weise heilig noch römisch noch ein Reich.“

Diese Worte treffen auch heute auf die EU zu, die kein vereinigtes Reich ist.

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Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.

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