Kochboxversender HelloFresh hebt Gesamtjahresprognosen an

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Der Kochboxversender HelloFresh hebt seine Gesamtjahresprognosen an. Günstig bewertet ist die Aktie damit trotzdem nicht. (Foto: FOOTAGE VECTOR PHOTO / shutterstock.com)

Liebe Leser,

bei HelloFresh scheint es derzeit richtig zu brummen. Das geht aus mehreren Ad-hoc- und Unternehmensmeldungen hervor, die der Kochboxversender in der vergangenen Woche veröffentlicht hat. Nach Vorlage der vorläufigen Daten für das erste Halbjahr erhöht der Vorstand die Prognosen für das laufende Geschäftsjahr.

Das Geschäftsmodell einer Kochbox

Das 2011 in Berlin gegründete Unternehmen ist in Deutschland, nach eigenen Angaben auch weltweit, der größte Lieferdienst für Lebensmittel nach Rezept. Hierfür entwickelt das Unternehmen – auch in Zusammenarbeit mit renommierten Spitzenköchen wie Jamie Oliver – eigene Kochrezepte und stellt die dazu passenden Lebensmittel zusammen, mit denen sich die Rezepte zu Hause nachkochen lassen. Diese Pakete nennt das Unternehmen Kochbox.

Verbraucher können die Kochbox in unterschiedlicher Größe abonnieren und zusenden lassen. In Deutschland kann ein Abonnent derzeit zwischen drei Kochbox-Varianten wählen: einer Classic Box, einer Veggie Box mit vegetarischen Rezepten und einer Obst Box.

Anhebung der Umsatz- und Gewinnerwartungen

Dass es derzeit so gut läuft bei HelloFresh ist nicht zuletzt auf die Einschränkungen durch die Covid-19-Pandemie zurückzuführen. Wenn Home-Office, Ausgangssperren und Restaurantschließungen das „neue Normal“ sind, suchen Menschen nach Alternativen für eine bequeme Zubereitung ihrer Mittag- und Abendessen. Denn Online-Besteller reduzieren ihr Ansteckungsrisiko, da sie zu Hause bleiben können.

Angehoben werden die Prognosen für den Umsatz und der untere Zielwert für die operative Marge. Beim währungsbereinigten Umsatzwachstum rechnet der Vorstand nunmehr mit einer Bandbreite zwischen 55 % und 70 % statt wie bislang von einer Spanne zwischen 40 % und 55 % auszugehen. Umgerechnet heißt dies, dass HelloFresh Jahreserlöse zwischen 2,8 Milliarden und 3,1 Milliarden Euro anvisiert. Im vergangenen Geschäftsjahr waren es noch 1,8 Milliarden Euro.

Beim um Einmaleffekte bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, dem von HelloFresh bezeichneten AEBITDA, rechnet der Vorstand nun mit einer Bandbreite zwischen 8 % bis 10 % des Umsatzes. Hier wurde bislang eine Spanne zwischen 6 % und 10 % in Aussicht gestellt.

Nachwirkungen der Pandemie

Auslöser der Anpassung der Jahresprognosen war ein starkes zweites Quartal, das deutlich über den Erwartungen lag. So habe man in der Corona-Zeit eine „sehr starke Kundennachfrage“ verzeichnen können, die sich auch im dritten Quartal fortzusetzen scheint. Angabe gemäß sind die Umsätze im zweiten Quartal auf 965 Millionen bis 975 Millionen Euro gestiegen – deutlich mehr, als die das Unternehmen begleitenden Analysten prognostiziert hatten. Diese waren, den Konsensschätzungen zufolge, bislang von einem Mittelwert der Schätzungen von 789 Millionen Euro ausgegangen.

4,2 Millionen aktive Kunden schätzt das Unternehmen derzeit, rund 2,0 Millionen davon sind aus den USA, die übrigen 2,2 Millionen Kunden verteilen sich auf 13 Länder, darunter auch Deutschland. Damit konnte die Kundenzahl im zweiten Quartal zwar nicht nennenswert gesteigert werden, doch ist der durchschnittliche Bestellwert und die Anzahl der Bestellungen pro Kunde deutlich höher als im Jahresauftaktquartal.

An der Börse hoch bewertet

Nach Veröffentlichung der Eckdaten für das zweite Quartal ist die Aktie erst mal auf Tauchstation gegangen. 15% hat die Aktie seither verloren – in einem insgesamt steigenden Gesamtmarkt. Aktuell wird HelloFresh an der Börse mit einer Marktkapitalisierung von knapp 7,0 Milliarden Euro gehandelt. Die klassischen Bewertungskennziffern, EV/Umsatz, EV/EBITDA und KGV, liegen auf Basis der Gewinnschätzungen des Jahres 2021e bei 1,9, 20,0 und 31,2. Ein Schnäppchen ist die Aktie damit trotz des Kursrückgangs nicht. Hinzu kommt: Eine weitere Lockerung der Infektionsschutz-Maßnahmen und die Bereitstellung eines Impfstoffs oder therapeutischen Medikaments könnten den Boom des Zuhause-Kochens schneller als erwartet beenden.

Damit wünsche ich Ihnen weiterhin eine gute Börsenwoche, Ihr

Peter Thilo Hasler

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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