Können 7,2% Dividende lügen?

Wer ein preiswertes Auto sucht, schaut sich traditionell bei Herstellern wie Ford um. Anschaffung, Betrieb, Wartung und Reparatur sind beim US-Autobauer mit Niederlassung in Köln seit jeher günstig.

Selbst beim Komfort hat der für Velours und Plastik verschriene Hersteller zugelegt. Inzwischen gibt es sogar eine Premium-Linie.

Dennoch ist es mit Autos so eine Sache: Auch Sie kennen womöglich Menschen, die seit Jahren einer Marke anhängen und keine Lust auf Neues haben.

Unabhängig von ihrer persönlichen Auto-Leidenschaft – die Aktie von Ford ist nicht uninteressant. Zumindest dann, wenn man die Dividendenrendite von 7,2% sieht.

Rückruf-Aktionen verhageln die Zahlen

Ford ist einer der ältesten Autobauer der Welt.

Der amerikanische Automobil-Hersteller produziert neben PKW auch Landmaschinen, LKW und Geländewagen und bietet ergänzende Produkte und Dienstleistungen rund um das Auto an.

Die Markenpalette umfasst Ford, Lincoln, Mercury und Mazda. Die Luxusmarken Jaguar und Land Rover sowie Volvo wurden verkauft.

Ford hat in den ersten 9 Monaten mehr umgesetzt, aber weniger verdient. Der Absatz stieg um 1,7% auf 4,94 Mio. Fahrzeuge.

Im 3. Quartal ging es allerdings auf breiter Front bergab: Der Umsatz ging um 5,8% auf 35,9 Mrd. $ zurück und der Gewinn sogar um mehr als die Hälfte auf 957 Mio. $.

Der Fahrzeug-Absatz schrumpfte ebenfalls um 4,1% auf 1,53 Mio.

Verantwortlich für den Gewinn-Einbruch waren teure Rückruf-Aktionen in Nordamerika; der Konzern musste 2,4 Mio. Fahrzeuge u. a. wegen defekter Türen in die Werkstätten zurückbeordern.

Große Visionen, hohe Dividende, schwacher Ausblick

Zudem ist das US-Geschäft ins Stocken geraten. Ford musste verstärkt Rabatte gewähren. Insbesondere der bisherige Kassenschlager F-150 ist nicht mehr so beliebt.

Hinzu kamen höhere Verluste in Südamerika und Nahost/Afrika. Besser lief es in Europa und Asien dank China, wo die Luxusmarke Lincoln stark gefragt ist.

Dennoch wird der Gewinn in diesem Jahr geringer ausfallen. Wir erwarten 7 Mrd. $. Auch der Fahrzeug-Absatz wird zurückgehen. Ford erhöht jetzt die Investitionen in alternative Antriebs-Technologien.

Aktuell hat der Konzern erst sechs Elektromodelle im Angebot. Bis 2020 sollen 13 hinzukommen. 4,5 Mrd. $ will Ford in die Elektro-Offensive investieren.

Auch dies ist ein Grund für den erwarteten Gewinn-Rückgang. Zudem will Ford bis 2021 ein selbst fahrendes Auto entwickeln, zunächst aber nur für Mobilitätsdienste, wie sie Uber anbietet.

Das Management ist jedoch davon überzeugt, dass autonomes Fahren langfristig ein Massengeschäft wird.

Die jüngsten Quartalszahlen haben enttäuscht. Besserung ist nicht in Sicht. Lassen Sie sich von der Dividende nicht blenden!

15. Dezember 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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