Kommt der DAX bald wieder in die Spur?

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Die Ursache für das Auseinanderklaffen der Tendenz an der Wall Street und im DAX ist fundamentaler Natur. (Foto: imagentle / shutterstock.com)

Die Entwicklung der Aktienmärkte in den USA und in Deutschland klafft in diesem Jahr ungewöhnlich stark auseinander:

Der S&P 500 hat seit Anfang 2018 immerhin +8,7% zugelegt (Stand: 14. September). Währungsbereinigt sind es sogar +12,1%, da der Euro gegenüber dem US-Dollar im selben Zeitraum -3,1% eingebüßt hat.

Der DAX produzierte hingegen einen bis dato recht herben Verlust von -6,1%.

Wir schauen heute einmal gemeinsam auf die Hintergründe dieser Entwicklung. Und wir machen eine aktuelle charttechnische Bestandsaufnahme für den DAX.

Kleiner Exkurs zum Thema Quartalsbericht

Deutsche Aktiengesellschaften brauchen immer etwas länger, um eine Bilanz ihres Geschäftsverlaufes innerhalb eines Jahresviertels zu ziehen. Das geht in den USA signifikant schneller. Der Grund dafür ist mir bis heute schleierhaft.

Und in noch einem wichtigen Punkt unterscheiden sich beide: An der Wall Street sind alle börsennotierten Unternehmen nicht nur ihren Aktionären gegenüber verpflichtet, 4x im Jahr einen Quartalsbericht zu liefern, sondern auch der US-Börsenaufsicht SEC (Security Exchange Commission).

In Deutschland besteht eine vierteljährliche Informationspflicht NUR gegenüber den eigenen Aktionären. Eine darüber hinaus gehende – wie Sie gleich sehen werden, eingeschränkte – Offenlegungspflicht besteht nur dann, wenn von der Aktiengesellschaft die Aufnahme in einen der sogenannten „Standards“ gewünscht ist:

Zur Verbesserung der Transparenz verlangt die Deutsche Börse als Voraussetzung für die Aufnahme in den General Standard eine Zwischenberichterstattung zum 1. und 3. Quartal in deutscher und englischer Sprache.

Börsennotierte Unternehmen, die eine Zulassung in den qualitativ höherwertigen Prime Standard wünschen, müssen – neben anderen Kriterien – zum 1. und 3. Jahresviertel eine „ausführliche“ Zwischenberichterstattung veröffentlichen.

Noch Fragen?

DAS ist die wahre Ursache für die abweichende Tendenz

Klar: Diese Differenzierung bezüglich der Quartalsberichtserstattung ist nicht der Grund für das Auseinanderklaffen der Tendenzen an der Wall Street und im DAX. Wohl jedoch die insgesamt von den Aktiengesellschaften berichteten Ergebnisse:

Die DAX-Konzerne haben im 2. Quartal 2018 im Durchschnitt knapp -4% weniger verdient. Die 500 im S&P 500 gelisteten Gesellschaften verbuchten hingegen im Mittel ein Gewinnwachstum von +25,5%!

Für das in 13 Tagen zu Ende gehende 3. Jahresviertel erwarten die Marktexperten eine durchschnittliche Gewinnsteigerung um „nur“ +18,5%. Allerdings lagen die Analysten auch vor Ablauf des 2. Quartals mit ihren Schätzungen viel zu niedrig:

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Ende Juni 2018 war ein Gewinnwachstum von durchschnittlich +19,0% prognostiziert worden …

Charttechnik: Viel Negatives, nur ein positiver Indikator

Schauen wir also nun auf die Charttechnik, um zu sehen, ob der DAX in absehbarer Zeit wenigstens tendenziell wieder mit der Wall Street mithalten kann:

DAX: Nur das On-Balance-Volumen macht derzeit Hoffnung auf Besserung

Beginnen wir mit dem linken Wochen-Chart. Der gelbe Kreis dokumentiert: Der DAX hat seinen im Februar 2016 begonnenen Aufwärtstrend nach unten verlassen. Das ist natürlich ausgesprochen unschön.

Hinzu kommen 2 weitere negative Punkte, die aus dem rechten Tages-Chart ersichtlich werden:

  1. Der DAX bildete seit Mai ein absteigendes Dreieck aus, das in der Charttechnik eine negative Prognose-Kraft besitzt. Gegenwärtig schaut es so aus, als habe der Leitindex nach dem Ausbruch auf der Unterseite den üblichen Pull-Back (Rücksetzer) vollzogen. Demnach sollte es nun kräftiger bergab gehen.
  2. Der mittel- und der langfristige Trend weisen abwärts. Das belegen Ihnen die 50-Tagelinie (mittelfristig) und die 200-Tagelinie (langfristig).

Fazit

Sie sehen: Fundamental betrachtet ist das Auseinanderklaffen der Entwicklung der Aktienmärkte völlig nachvollziehbar. Und die Perspektiven bleiben für die Wall Street gut, weil auch im 3. Jahresviertel die US-Unternehmen bessere Ergebnisdaten abliefern werden, als derzeit noch angenommen.

Der Blick auf die DAX-Charttechnik verheißt ebenfalls nichts Gutes: Der Aufwärtstrend seit 2016 ist durchbrochen, die mittel- und langfristigen Tendenzen zeigen abwärts und obendrein hat sich seit Mai auch noch das Kursmuster eines absteigenden Dreiecks ausgebildet.

Derzeit gibt es nur einen Indikator, der meiner Ansicht nach, diese negativen Perspektiven ins Gegenteil verkehren kann: Das On-Balance-Volumen (OBV)!

Das OBV verknüpft die börsentäglichen Kursänderungen mit den Umsätzen. Auf diese Weise lässt sich das Verhalten der Großinvestoren nachvollziehen.

Diese Anlegergruppe hat als einzige die Macht, Trends zu initiieren, zu verstärken und zu beenden. Und wie Sie im Chart oben unschwer ablesen können, spiegelt das OBV bis dato KEINEN Ausverkauf der Großinvestoren wider.

Ich gehe daher davon aus, dass der DAX auch weiterhin hinter der Wall Street zurückbleiben wird. Aber es besteht auch durchaus Hoffnung, dass der deutsche Leitindex im Fahrwasser des S&P 500 – dank der Großinvestoren – zumindest mal wieder aufwärts tendieren kann.


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.