Kommt der Lufthansa-Kursrutsch wirklich überraschend?

Lufthansa Flugzeug RED – shutterstock_577658362 Dawid Lech

Gewinnziele runter – Kurs runter: Die Lufthansa-Notierung ist im Tiefflug – eine Landung ist indes noch nicht in Sicht! (Foto: Dawid Lech / Shutterstock.com)

Ich wünsche Ihnen, dass Sie heute kein Lufthansa-Aktionär sind: Die Notierung der Aktie der Fluggesellschaft stürzt heute nämlich in der Spitze um fast -13% ab. Was ist passiert?

Der DAX-Konzern meldete, dass die Tochtergesellschaft Eurowings wohl einen Verlust einfahren wird. Grund sei der große und – so das Lufthansa-Management – auch rigorose Wettbewerb:

So seien die Konkurrenten bereit, selbst kräftige Einbußen zu akzeptieren, wenn dadurch im Gegenzug die Aussicht auf den Zugewinn an Marktanteilen bestehe. Da dies unter anderem zu einem kräftigen Preisverfall bei den Flugtickets führt, kappt die Airline auch für sich selbst die Gewinnziele für das laufende Geschäftsjahr.

Doch kommt der Kursabsturz wirklich so überraschend für die Aktionäre und Analysten, wie Ihnen die einschlägigen Börsenmedien weismachen wollen? Wir schauen dazu auf die Charttechnik.

Was Sie über Angebot und Nachfrage wissen sollten

Aktienkurse bilden sich jederzeit aufgrund der Relation von Angebot und Nachfrage. Wollen mehr Aktionäre ihre Aktie verkaufen, dann kommt es zu einem Kursrückgang.

Umgekehrt steigt die Notierung, wenn plötzlich mehr Investoren eine Aktie kaufen wollen, als Aktionäre bereit sind, sich von ihren Titeln zu trennen. Denn dann müssen die Kaufwilligen beim Preis „eine Schippe drauflegen“.

Hält eines davon – ein Angebots- oder Nachfrageüberhang – über einen längeren Zeitraum an, dann wird daraus ein Trend. Und wie Sie wissen, werden diese Trends von Großinvestoren initiiert, befeuert und auch wieder beendet.

Lufthansa-Aktie schon lange im Tiefflug

Schauen wir uns unter diesen Prämissen nun einmal gemeinsam den Lufthansa-Chart an:

Lufthansa: Großinvestoren erzählen Ihnen die „wahre“ Geschichte

Sie sehen es auch, ohne dass ich eine Trendlinie eingezeichnet habe: Die Lufthansa-Aktie befindet sich schon seit dem Top im Dezember 2017 in einem Abwärtstrend. In jenem Jahr hatte die Airline übrigens noch einen Rekordgewinn verbuchen können.

Seit dem Sommer des vergangenen Jahres konnte sich die Notierung in einer breit angelegten Seitwärts-Bewegung etwas stabilisieren (pinkfarbene Linien). Allerdings zeigte Ihnen die Kursentwicklung hier nur die halbe Wahrheit:

Großinvestoren erzählen Ihnen die „wahre“ Geschichte

Der Blick auf das On-Balance-Volumen im unteren Chart-Teil erzählt Ihnen eine andere Geschichte. Dieser Indikator spiegelt, wie Sie wissen, das Verhalten der Großinvestoren wider.

Und hier ist ganz klar zu erkennen, dass sich das „Big Money“ schon seit dem Frühjahr 2018 von ihren Lufthansa-Positionen löst: Der Indikator zeigt bis Oktober des vergangenen Jahres steil nach unten.

Die sich anschließende Stabilisierung der Aktie endete spätestens mit der am 8. Mai 2019 gerissenen Abwärts-Kurslücke (blaues Rechteck): Dieses Kursmuster verrät Ihnen, dass es unvermittelt zu einem massiven Angebotsüberhang gekommen ist.

Das Fatale an dieser Konstellation: Eine Abwärts-Kurslücke signalisiert Ihnen fast immer, dass Sie weitere Kursrückschläge erwarten sollten. Genauso kam es  dann ja auch.

Hinzu kommt: Je größer die Kurslücke, umso heftiger fällt die daraus resultierende Kursentwicklung in aller Regel aus!

Und es wird noch schlimmer …

Sie haben es gewiss schon selbst erkannt: Die Kursentwicklung bei der Lufthansa-Aktie war alles andere als einladend.

Doch mit dem Verlauf am heutigen Vormittag hat sich die Charttechnik nochmals drastisch verschlechtert:

  • Kommt es am heutigen Montag nicht noch zu einer massiven Kurserholung, dann kann die entstandene Abwärts-Kurslücke nur als riesig bezeichnet werden. Das bedeutet nichts Gutes.
  • Die Seitwärts-Bewegung wurde nach unten verlassen – und das mit Schub (Umsatz) und Dynamik. Überdies wurde die Unterstützung bei 17,00 Euro durchschlagen.

Fazit

Wenn in den Börsenmedien von „überraschenden Kursveränderungen“ die Rede ist, muss ich immer innerlich schmunzeln: Die Charttechnik hat dies in aller Regel – oft schon weit früher – antizipiert.

Warum? Nun, weil Großinvestoren „nicht auf den Ohren laufen“: Diese Anlegergruppe hat fast immer ein feines Gespür dafür, wenn irgendwo etwas im Argen liegt.

Und mal ehrlich: Einem aufmerksamen Beobachter wird der Konkurrenzkampf der (Billig-) Airlines nicht verborgen geblieben sein. Das ist ja schließlich nichts, was erst seit letzter Woche stattfindet.

Und weil Großinvestoren auf solche Erkenntnisse knüppelhart reagieren, können Sie deren Verhalten – mit Hilfe des On-Balance-Volumens – im Chart ablesen.

Im Falle der Lufthansa zeichnete sich der Abwärtstrend der Aktie schon seit Dezember 2018 im Kursverlauf ab. Und die Bewegung im On-Balance-Volumen ließ daran auch keinen Zweifel.

Ich rate Ihnen daher dringend davon ab, den heutigen Kursverfall der Lufthansa-Aktie für einen „Schnäppcheneinstieg zu nutzen!

Lufthansa Flugzeug RED – shutterstock_577658362 Dawid Lech

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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