Konflikt im Persischen Golf: Was macht der Ölpreis?

Erdöl Symbolbild Aufbewahrung_shutterstock_727266628_Avigator Thailand

Verlängerung der Ölförder-Drosselung, Eskalation im Nahen Osten: Doch der Ölpreis will nicht klettern. Die Hintergründe. (Foto: Avigator Thailand / shutterstock.com)

Anfang Juli trafen sich die OPEC (Vereinigung Erdöl exportierender Länder) sowie 10 weitere Erdöl exportierende Staaten, die nicht dem OPEC-Kartell angehören. Die Versammlung einigte sich darauf, die im Dezember 2018 beschlossene und Ende Juni ausgelaufene Ölförder-Drosselung zu verlängern.

Üblicherweise ist das eine Nachricht, die Ölpreis-Bullen gerne hören: Denn trifft ein verknapptes Angebot auf eine unveränderte Nachfrage, dann sorgt dies stets für steigende Notierungen.

Dem Ölpreis hat diese Maßnahme indes nicht wirklich geholfen: Er notierte gestern sogar knapp 1 USD unter dem Schlusskurs vom 1. Juli.

Wir schauen einmal auf die Gründe dafür. Sorgt nun möglicherweise die Eskalation des Konflikts im Persischen Golf für einen Ölpreisanstieg? Mal sehen, was uns die Charttechnik über die potenzielle Entwicklung beim schwarzen Gold verrät.

Ölpreis: Stimmt die Angebots-Nachfrage-Relation nicht mehr?

Verknapptes Angebot und kein Preisanstieg? Wo liegen die Ursachen?

Die am nächsten liegende Vermutung ist natürlich, dass die Nachfrage sich auch vermindert hat oder zumindest die Aussicht darauf: Schließlich handeln die Börsen ja die Zukunft.

Bekanntlich geistert seit einiger Zeit das Thema einer sich abschwächenden Weltkonjunktur durch die Medien. Das wäre eine Erklärung für den fehlenden Antrieb des Ölpreises.

Tatsächlich jedoch hat sich das Angebot ja gar nicht weiter verknappt: Die Drosselung der Ölförderung war auch schon im 1. Halbjahr 2018 aktiv und wurde nun lediglich verlängert.

Worum geht es in der Straße von Hormus?

Ist denn dann der Konflikt im Nahen Osten geeignet, dem Ölpreis den erhofften Schub zu verleihen? Worum geht es da überhaupt?

Begonnen hat eigentlich alles mit der Präsidentschaft von Donald Trump: Er kündigte das von seinem Amts-Vorgänger Obama im Schulterschluss mit den Vereinten Nationen ausgehandelte Ende des Iran-Embargos auf.

Nach jahrelangem Wirtschafts-Boykott hatten die UN-Vetomächte (United Nations = Vereinte Nationen) im Juli 2015 eine schrittweise Aufhebung der Sanktionen ab Anfang 2016 beschlossen. Der Iran hatte sich im Gegenzug dazu bereit erklärt, die ihm auferlegten Verpflichtungen zur Reduzierung seiner Atom-Kapazitäten zu erfüllen.

Trump traut(e) dem Iran nicht und wird nicht müde, via Twitter den Persern Wortbruch und Ähnliches vorzuwerfen. Zudem verhängte der US-Präsident stattdessen weitere Handels- und Finanzsanktionen gegen den Golfstaat. Nun droht die Situation zu eskalieren:

Washington macht die iranischen Revolutionsgarden verantwortlich für Angriffe auf einen Öltanker. Der Iran droht seinerseits mit einer Schließung der Straße von Hormus:

Diese nur 55 km breite Meerenge verbindet den Persischen Golf im Westen mit dem Golf von Oman, dem Arabischen Meer und dem Indischen Ozean im Osten.

Damit ist die Straße von Hormus eine Art Nadelöhr für den Ölexport der in der Region ansässigen OPEC-Staaten nach Japan, in die USA und Westeuropa: Nahezu ein Fünftel der globalen Erdölversorgung erfolgt durch diese Meerenge.

Was sagt die Charttechnik zum Ölpreis?

Schauen wir nun einmal gemeinsam auf den folgenden Chart der Ölsorte Brent-Crude:

Ölpreis: Beschleunigter Abwärtstrend im Momentum wurde verlassen

In der zweiten Julihälfte konnte sich der Ölpreis innerhalb seiner aktuellen Unterstützungs- / Widerstands-Zone (pinkfarbene Linien) aufwärts bewegen. Allerdings waren dies gerade einmal 4 USD oder knapp +7%.

Immerhin hat sich die Wahrscheinlichkeit für einen Preisanstieg des Rohstoffs zuletzt leicht erhöht: Das 50-Tage-Momentum konnte den beschleunigten Abwärtstrend (gestrichelte rote Linie) nach oben verlassen (gelber Kreis).

Um jedoch ein klares Kaufsignal zu generieren, ist ein Bruch des darüber liegenden, seit Anfang März 2019 gültigen Abwärtstrends im Schwung-Indikator notwendig. Das wäre dann gleichbedeutend mit einem Momentum oberhalb der Nulllinie: Es würde mithin positive Kurs-Dynamik aufgebaut.

Fazit

Der Beschluss des erweiterten OPEC-Kreises Anfang Juli, die seit Jahresanfang umgesetzte Drosselung der Ölförderung zu verlängern, hatte auf den Preis des schwarzen Goldes nicht den erhofften Effekt.

Das ist indes auch nicht wirklich verwunderlich, da das Angebot durch diese Entscheidung ja nicht zusätzlich verknappt, sondern einfach nur aufrecht erhalten wurde. Zudem drücken die weltweiten Konjunktursorgen auf die Nachfrage-Perspektive.

Ich finde es indes bemerkenswert, dass der Ölpreis auf die jüngste Eskalation im Nahen Osten kaum reagiert hat: Das war in früheren Zeiten anders.

Vermutlich ist den meisten Investoren aber auch die Drohung eines möglichen neuen Golfkrieges schlichtweg (noch) nicht konkret genug.

Im Chart zeichnet sich zumindest eine Entspannung der seit März laufenden Abwärtsbewegung ab: Der Schwung-Indikator, das 50-Tage-Momentum, konnte sich aus dem beschleunigten Abwärtstrend zuletzt befreien.

Für ein Kaufsignal fehlt indes noch ein wenig zusätzliche und vor allem positive Kursdynamik.

Erdöl Symbolbild Aufbewahrung_shutterstock_727266628_Avigator Thailand

Ölpreis-Update: Weitere Korrektur möglichDie Lage am Ölmarkt hat sich nach dem Preiseinbruch wieder beruhigt. Dennoch kann es immer mal wieder deutlich nach unten gehen mit dem Preis.  › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Andreas Sommer. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz