Konjunktur: Unternehmen optimistischer, Finanz-Experten nicht

Während die Unternehmen im Euro-Raum im August optimistischer sind als im Vormonat, sinkt der Optimismus bei den Finanz-Experten. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Gestern wurde der aktuelle Konjunktur-Indikator des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) veröffentlicht.

Er fiel um 7,5 Punkte auf 10,0 Zähler.

Konzerne und Finanz-Experten bzgl. Konjunktur uneins

Das bedeutet: Die Konjunktur-Erwartungen deutscher Finanz-Experten haben sich im August überraschend deutlich eingetrübt.

Völlig anders ist die Stimmung derzeit in den Konzernen im Euro-Raum: Diese hat sich im August nach 2 Rückgängen in Folge wieder verbessert.

Das Institut IHS Markit in London teilte heute nach einer 2. Schätzung Folgendes mit:

Der erhobene Einkaufsmanager-Index lag bei 55,8 Punkten – und damit um 0,1 Zähler über dem Wert aus dem vorherigen Monat.

(Werte von mehr als 50% signalisieren Wachstum.)

Beim ZEW-Index wurde ein niedrigerer Rückgang als der tatsächliche erwartet.

Bei dem Index des Instituts IHS Markit erwartete man dagegen einen Rückgang gegenüber der tatsächlichen Steigerung.

Viel spannender ist aber die Frage, wie diese unterschiedlichen Sichtweisen zustande kommen und was beide Indikatoren für Sie als Anleger bedeuten.

Zahlen und Fakten vs. Befürchtungen

Zunächst möchte ich noch einmal hierauf hinweisen:

Bei dem ZEW-Indikator werden Finanz-Experten befragt und bei dem Indikator des Instituts IHS Markit Einkaufsmanager.

Insofern hat der ZEW-Index für mich ganz generell eine geringere Bedeutung.

Denn warum sollten Finanz-Experten die Lage der Wirtschaft besser beurteilen können als Manager aus der Wirtschaft?!

Bei den Angaben, die die Einkaufsmanager gemacht haben, spielen nur Zahlen und Fakten eine Rolle.

Es wird angegeben, wie sich die Neuaufträge zuletzt entwickelt haben.

Das Institut befragt dazu 800 Unternehmen aus dem Euro-Raum, das ZEW befragt im Gegensatz dazu Finanz-Experten.

Dass sich die Stimmung bei diesen eingetrübt hat, soll u. a. an dem neuerlichen Skandal (Anmerkung: welcher neuerliche Skandal?) um die deutsche Automobil-Branche liegen.

ZEW-Präsident Achim Wambach kommentierte die Daten wie folgt:

„Der sehr deutliche Rückgang der Konjunktur-Erwartungen spiegelt die Nervosität über den weiteren Verlauf des Wachstums in Deutschland wider“.

Und weiter: „V. a. das schwächer als erwartete Exportwachstum sowie die sich ausweitende Affäre in der Automobilbranche tragen dazu bei.“

Sie sehen: Hier geht es v. a. um Ängste und Befürchtungen, nicht aber um Zahlen und Fakten, welche die Stimmungs-Eintrübung rechtfertigen würden.

Daher beachte ich, wie schon geschrieben, lieber Indikatoren, welche die Stimmungslage in den Firmen widerspiegeln.

Denn mich als Anleger interessiert mehr, wie es den Unternehmen geht, als was Finanz-Experten denken.

Zudem begrüße ich es, wenn die Stimmung unter den Finanz-Experten bzw. Börsianern nicht zu positiv ist.

Denn Euphorie unter Anlegern ist der ideale Nährboden für einen Crash.

Wenn hingegen der Optimismus sinkt, spricht das eher für steigende denn für fallende Kurse, da in einem solchen Szenario viele Anleger eher unterinvestiert sind.

Fazit

Kurz gesagt: Es gibt also keinen größeren Grund zur Sorge!

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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