Konjunkturdaten überraschen weltweit negativ

Die US-Aktienindizes markieren beinahe täglich neue Rekorde. Gleichzeitig kommen aus der US-Realwirtschaft wenig erbauliche Daten: (Foto: aphotostory / Shutterstock.com)

Die US-Aktienmärkte notieren immer noch auf schwindelerregenden Höhen.

Da müssten doch eigentlich die Wirtschaftsdaten aus den USA auch ausgezeichnet sein, oder? –Weit gefehlt!

Jüngst erreichten uns von der US-Konjunkturfront alles andere als optimistisch stimmende Nachrichten:

Massiver Gegenwind für den Einzelhandel

Die Nachrichten-Agentur Reuters meldet, dass der US-Einzelhandel im Monat August mit starkem Gegenwind zu kämpfen hatte.

Volkswirtschaftlich ist das schon extrem bedeutsam, da der private Konsum fast 2/3 der US-Wirtschaftskraft darstellt.

Tatsache ist jedenfalls, dass die US-Einzelhandels-Umsätze gegenüber dem Vormonat um 0,2% schrumpften. Dies war der größte Rückgang seit 6 Monaten.

Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Zuwachs von 0,1% gerechnet, nachdem es im Juli ein nach unten revidiertes Plus von 0,3% gegeben hatte.

Besonders schlecht verlief der Auto-Absatz: Hier vermeldeten die Händler ein Umsatz-Minus von 1,6%.

Aktuell tröstet man sich mit der Hoffnung, dass in den kommenden Monaten die Geschäfte wieder besser laufen könnten.

Es müssten ja viele von den Naturkatastrophen der vergangenen Wochen und Monate zerstörten Fahrzeuge wieder ersetzt werden.

US-Industrie-Produktion fällt stark

Gleichzeitig wurde bekannt, dass die US-Industrie-Produktion ebenfalls gewaltig Federn lassen musste.

Sie war im August so schwach wie seit dem Jahr 2009 nicht mehr und fiel gegenüber dem Juli 2017 um 0,9%. Im Konsens wurde ein Produktions-Wachstum um 0,1% erwartet.

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Die Federal Reserve (Fed) teilte auch mit, dass die Kapazitäts-Auslastung auf 76,1% sank. Erwartet wurde hier ein Anstieg auf 76,9%.

Der Hurrikan “Harvey”, der in Texas und Louisiana auf das Festland traf, sei nach Angaben der Fed hauptverantwortlich für Ausfälle bei:

  • der Ölförderung,
  • der Raffinierung
  • und anderen industriellen Aktivitäten, wie etwa Schiffsverkehr.

Die Fed schätzte, dass “Harvey” die Industrie-Produktion um rund 3/4 eines Prozentpunktes verringert hat.

Schwache Daten aus China

Fakt ist aber auch, dass aus dem aktuell eher weniger von Naturkatastrophen geplagten China relativ schwache Konjunkturdaten kommen:

Reuters schreibt, dass es mittlerweile Zweifel an der Stärke des Aufschwungs in China gebe.

Die Investitionen wuchsen von Januar bis August mit 7,8% im Vergleich zum Vorjahres-Zeitraum so langsam wie seit Ende 1999 nicht mehr.

Die Industrie-Produktion legte im August mit 6,0% so langsam zu wie seit 9 Monaten nicht mehr. Der Einzelhandel wies mit 10,1% die geringste Umsatz-Steigerung seit 1/2 Jahr aus.

Ja, liebe Leser, die Rekordstände an den Aktienmärkten werden nicht durch die realwirtschaftliche Lage untermauert.

Es ist nur eine Frage der Zeit, ehe die Investoren das realisieren und die Bewertungen an die reale Lage angepasst werden.

Seien Sie also auf der Hut!


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Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.