Konjunktureinbruch: Neueste Zahlen zeichnen düsteres Bild

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Kurzarbeit auf Rekordniveau, Verbraucherstimmung im freien Fall, schlimmste Rezession der Nachkriegszeit – die Zahlen sind düster. (Foto: Thanakorn.P/Shutterstock)

Die Zahlen sprechen für sich – und sie verheißen nichts Gutes: Die in den vergangenen Tagen vorgelegten Ergebnisse, Hochrechnungen und Prognosen zur wirtschaftlichen Lage und Entwicklung in Deutschland fallen gelinde gesagt verheerend aus.

Für insgesamt 10 Millionen Beschäftigte wurden bereits Anträge auf Kurzarbeit gestellt. Das ist ein – mit einigem Abstand – trauriger Rekord, aufgestellt binnen weniger Wochen. Zum Vergleich: 2009, als die globale Wirtschafts- und Finanzkrise durchzuschlagen begann, wurden im gesamten Jahr 3,3 Millionen Anträge auf Kurzarbeit gestellt.

Beispielloser Run aufs Kurzarbeitergeld

Zwar teilte die Bundesagentur für Arbeit einschränkend dazu mit, dass längst nicht alle, für die Kurzarbeit angemeldet werde, letztlich auch in Kurzarbeit gehen müssten. Es handele sich dabei vielmehr um eine Maximalzahl aus Gründen der Abrechenbarkeit für die Unternehmen. Doch wenn man sich vor Augen führt, wie heftig die aktuellen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie auf etliche Wirtschaftsbereiche durchschlagen, fällt es nicht schwer, sich vorzustellen, dass auch die realen Kurzarbeitszahlen in schwindelerregende Höhen schnellen dürften.

Die Kurzarbeit ist ein staatliches Instrument, mit dem Betriebe finanziell unterstützt werden, um während der Dauer der Krise Arbeitsplätze abzusichern und Entlassungen zu vermeiden. Die Beschäftigten erhalten bei reduzierter Arbeitszeit zunächst 60 beziehungsweise 67 Prozent ihrer üblichen Bezüge. Zuletzt wurden die Zahlungen auf bis zu 87 Prozent ausgeweitet – je nach Dauer der Kurzarbeitsmaßnahme.

Konsumklima im Keller

Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass auch die Verbraucherstimmung immer weiter in den Keller abrutscht. Wer mit einem Bruchteil des Normalgehalts auskommen muss oder sogar um seinen Job fürchtet, scheut größere oder verschiebbare Investitionen und fokussiert sich auf das Nötigste.

Für Mai rechnen die Konsumforscher der GfK mit einem Einbruch ihres Barometers zur Messung des Verbrauchervertrauens um 25,7 Punkte auf minus 23,4 Zähler. Ähnlich verheerend fallen die Ergebnisse mit Blick auf die Einkommenserwartung aus: Hier rauschte der Index im April um 47,1 Punkte in die Tiefe auf minus 19,3 Punkte und verzeichnete damit den stärksten Rückgang in seiner 30jährigen Geschichte.

Schlimmste Rezession der Nachkriegszeit erwartet

Einen historischen Negativwert erwartet auch die Bundesregierung hinsichtlich der Wirtschaftsentwicklung in Deutschland. Laut Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier rechnet man in Berlin mit der schwersten Rezession in der Nachkriegsgeschichte.

Laut der Frühjahrsprognose geht die Regierung von einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 6,3 Prozent für das laufende Jahr 2020 aus. Besonders schlecht werde demnach das aktuelle zweite Quartal ausfallen, da zurzeit die beschränkenden Maßnahmen in vollem Umfang durchschlagen und die Wirtschaft weitgehend zum Erliegen bringen.

Für das zweite Halbjahr rechnen die Experten mit einer leichten Erholung durch allmähliche Lockerungen – doch ob es wirklich so kommt, bleibt ungewiss. Noch lässt sich kaum vorhersagen, ob, wann und in welchem Ausmaß welche Beschränkungen in welchen Branchen wieder gelockert werden können oder eben nicht.

Fest steht nur: 2020 wird ein rabenschwarzes Jahr für die Wirtschaft, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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