Konjunkturentwicklung 2020: Aufwärts oder abwärts?

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Die Stimmung bei den Unternehmen trübt sich ein, doch die Bundesregierung ist zuversichtlich. Wie geht es weiter mit der Konjunktur? (Foto: Raihana Asral / Shutterstock.com)

Die Bundesregierung ist optimistisch. Laut Jahreswirtschaftsbericht rechnet sie für das neue Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent und somit 0,1 Prozent mehr als noch bei ihrer letzten Prognose im Herbst. Im Vergleich zum relativ schwachen Wachstum von 0,6 Prozent im vergangenen Jahr wäre das eine deutliche Erholung.

Brexit – alles klar?

Zur Begründung heißt es unter anderem, die Unsicherheiten rund um den Brexit hätten abgenommen. Die Pattsituation im britischen Parlament, die 2019 mehrfach zu einer Verschiebung des angepeilten Austrittstermins geführt hatte, wurde durch die vorgezogenen Neuwahlen im Dezember aufgelöst.

Seither verfügen die konservativen Tories rund um Premier Boris Johnson über eine Mehrheit und lassen keinen Zweifel daran, den Brexit zum 31. Januar – also Ende dieser Woche – vollziehen zu wollen. Basis des Austritts soll demnach der Vertrag sein, dessen Konditionen Johnson im Herbst mit EU-Vertretern in Brüssel ausgehandelt hatte. Zahlreiche Fragen sind jedoch noch ungeklärt, sodass abgesehen vom Austrittsdatum aus Sicht der Unternehmen bislang wenig gesichert ist.

Halbherzige Entspannung im Handelsstreit

Ein weiterer Aspekt, der die Bundesregierung zu mehr Optimismus in Sachen Wirtschaftsentwicklung veranlasst, ist die zuletzt etwas entspanntere Konstellation im Handelsstreit zwischen den USA und China. Mit der Unterzeichnung eines Phase-1-Abkommens haben sich Washington und Peking angenähert und zumindest neue Strafzölle vorerst ausgeschlossen. Dennoch ist das Abkommen mit Vorsicht zu genießen, denn US-Präsident Donald Trump ist bekannt für seine Unberechenbarkeit – womöglich gerade in Zeiten des Wahlkampfs und während des laufenden, wenn auch wenig aussichtsreichen Amtsenthebungsverfahrens gegen ihn.

Zudem hat der US-Präsident nicht nur China im Visier, sondern auch die Europäische Union. Die angedrohten Strafzölle etwa gegen deutsche Automobilexporte sind ebenso wenig vom Tisch wie die Diskussion mit Frankreich wegen dessen geplanter Digitalsteuer. Für Entwarnung in Sachen US-Handelsstreitigkeiten ist es daher womöglich noch etwas zu früh.

Unternehmen skeptisch – Ifo-Index sinkt

So erklärt sich auch, dass deutsche Unternehmen weniger zuversichtlich in die Zukunft blicken als die Bundesregierung. Der Ifo-Geschäftsklimaindex ging im Januar von 2,0 auf 0,9 Punkte zurück. Demnach wirkt sich die Entspannung im Handelsstreit noch nicht auf die Auftragsbücher deutscher Exporteure aus. Zahlreiche Branchen, darunter die Pharma- und Automobilindustrie, rechnen mit schwächeren Exporten. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag prognostiziert sogar einen Rückgang deutscher Exporte um 0,5 Prozent für 2020 – erstmals seit der globalen Finanzkrise vor gut zehn Jahren.

Eingetrübt hat sich die Stimmung auch im deutschen Mittelstand, wie das auf einer Unternehmensbefragung basierende Mittelstandsbarometer der Beratungsgesellschaft EY verdeutlicht. Insbesondere in der Automobilindustrie und im Maschinenbau herrscht demnach Skepsis hinsichtlich der Konjunkturentwicklung. Mit Neuinvestitionen wollen sich daher viele Firmen erst einmal zurückhalten.

Wer am Ende Recht behält – die optimistische Bundesregierung oder die skeptischen Wirtschaftsvertreter – wird sich zeigen, und vermutlich, wie jedes Jahr, beeinflusst von äußeren Faktoren, die zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vorhersehbar sind.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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