Konjunkturprognosen: Wohin bewegt sich die Weltwirtschaft?

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Die Lage an den Märkten bleibt angespannt – und auch die Weltkonjunktur könnte unter den neuesten Spannungen leiden. (Foto: Avigator Thailand / shutterstock.com)

Wohin steuert die Weltwirtschaft im neuen Jahr?

Die ersten paar Tage des jungen Januar ließen nichts Gutes erahnen: Zu den bereits bestehenden Unsicherheiten rund um den Brexit sowie die von Washington ausgehenden Handelsstreitigkeiten mit mehreren Ländern, allen voran China, gesellt sich nun noch der wieder aufflammende Konflikt am Persischen Golf.

Signale der Entspannung

Zwar gab es zuletzt Signale der Entspannung: Irans Vergeltungsschlag auf die Tötung des hochrangigen Generals Suleimani durch die US-Streitkräfte Ende vergangener Woche fiel vergleichsweise moderat aus. Teheran ließ zwei Militärstützpunkte im Irak bombardieren, auf denen auch US-Soldaten stationiert waren. Da es aber offenbar vorab inoffizielle Warnungen gegeben hatte, wurden dabei keine Menschen getötet.

Dass bei dem Luftangriff keine US-Soldaten zu Schaden kamen, eröffnete dem Weißen Haus einen gewissen Handlungsspielraum – die Reaktion fiel zurückhaltend aus, man verzichte auf Militärschläge, werde aber weitere Wirtschaftssanktionen gegen den Iran verhängen. Auf diese Weise wahrten beide Seiten ihr Gesicht, ohne die Situation zu einem neuen Golfkrieg eskalieren zu lassen. Anfang der Woche hatte das Ganze noch deutlich dramatischer ausgesehen.

Wirtschaftliche Auswirkungen

Ökonomen zeigten sich denn auch besorgt darüber, welche Auswirkungen die neuerlichen Spannungen im Nahen und Mittleren Osten auf die Weltwirtschaft haben könnten. Wann immer es in der Region rumort, reagiert der Ölpreis empfindlich – und zahlreiche Branchen sind nach wie vor stark abhängig von dem Rohstoff.

Die deutsche Industrie wäre dennoch eher indirekt betroffen. Den Großteil seiner Öl- und Gasreserven bezieht Deutschland aus Russland. Zudem hat die Opec bereits darauf hingewiesen, etwaige Engpässe ausgleichen zu können: Die Organisation Öl exportierender Staaten hat seit einigen Jahren ihre Produktion künstlich gedrosselt, um den Ölpreis zu stabilisieren. Nicht genutzte Kapazitäten könnten also bei Bedarf wieder hochgefahren werden.

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Für die deutsche Exportwirtschaft ist zwar der Iran selbst weniger interessant, das Handelsvolumen ist vergleichsweise gering. Dennoch belasten Spannungen häufig die gesamte Region – und dorthin wurden etwa im Jahr 2018 deutsche Güter im Wert von gut 50 Milliarden Euro exportiert.

Weltbank senkt Konjunkturprognosen

Zudem leiden deutsche Exporte unter einer sich abschwächenden globalen Konjunktur, und auch in dieser Hinsicht sind die Aussichten derzeit alles andere als rosig: Die Weltbank hat ihre Prognosen für das Weltwirtschaftswachstum nach unten korrigiert, für 2019 von 2,6 auf 2,4 Prozent und für 2020 von 2,7 auf 2,5 Prozent.

Einen deutlicheren Zuwachs erwarten die Ökonomen der Weltbank vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern, wohingegen sich die Konjunktur in den Industrienationen erneut etwas abkühlen dürfte.

An den Märkten zeichnete sich die Nervosität gleich in mehrfacher Hinsicht ab: Aktienmärkte gerieten unter Druck, Öl wurde teurer und der Goldpreis erreichte Sphären, in denen er sich zuletzt vor sieben Jahren bewegt hatte.

Inzwischen hat sich die Lage zwar wieder etwas beruhigt. Insbesondere auf die eher deeskalierenden Reaktionen aus Teheran und Washington am gestrigen Tag reagierten die Märkte erleichtert. Doch die Verunsicherung bleibt, schließlich kann sich die Lage jederzeit wieder zuspitzen.

Ein ruhiger Start ins Jahr sieht anders aus.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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