Konjunktur-Sorgen wegen sinkendem Ölpreis?

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Der Ölpreis fällt und mit ihm die Börsenkurse: Heute Vormittag sank der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent Chart auf den tiefsten Stand seit Februar 2009. (Foto: Christopher Halloran / shutterstock.com)

Der Ölpreis fällt – und mit ihm die Börsenkurse:

Heute Vormittag sank der Preis für ein Barrel (159 l) der Nordsee-Sorte Brent Chart auf den tiefsten Stand seit Februar 2009.

Der deutsche Leitindex DAX fiel gleichzeitig um über 1,5%.

Interessant: Geradezu reflexartig brachten manche Analysten und andere Marktbeobachter beides in einen Zusammenhang;

Die Börse schwächele, weil der fallende Ölpreis ein Indiz für weltweite Konjunktur-Sorgen sei.

Doch stimmt das? Wird weniger Öl nachgefragt, was tatsächlich auf eine wirtschaftliche Schwäche-Phase schließen ließe? – Nein! Das Gegenteil ist der Fall:

Zu Jahresbeginn gingen Experten davon aus, dass die Nachfrage um rund 1 Mio. Barrel pro Tag steigen würde. Nun zeigt es sich aber, dass die Öl-Nachfrage 2015 wohl um gut 1,8 Mio. Barrel pro Tag zugelegt hat.

Fördermenge auf dem höchsten Stand seit 2012

Der Ölpreis sinkt nicht, weil zu wenig nachgefragt wird, sondern zu viel produziert wird. So gab die OPEC, die Organisation erdölexportierender Länder, gestern bekannt, dass ihre Fördermenge den höchsten Stand seit April 2012 erreicht habe.

Laut dem aktuellen Monatsbericht förderten allein die OPEC-Mitgliedstaaten im vergangenen November pro Tag im Schnitt rund 31,7 Mio. Barrel. Insgesamt habe die Fördermenge um 230.000 Barrel pro Tag zugelegt.

Was sagt uns das? Mit vermeintlichen Begründungen für eine Börsen-Bewegung sind Analysten schnell zur Stelle – leider sind sie oft nicht ganz ausgewogen.

An der Börse spielt Psychologie die Hauptrolle, doch den größten Erfolg haben die Anleger, wenn sie Daten und Fakten richtig analysieren.

Toyota profitiert von breiter Aufstellung

Toyota reagierte vorgestern auf den sinkenden Ölpreis:

Weil Benzin billiger geworden ist, kalkuliert der japanische Autobauer für das 2016 auf den Markt kommende Prius-Modell mit Hybrid-Antrieb nur noch mit einem Jahresabsatz von 300.000 bis 350.000 Fahrzeugen.

Für das Vorgänger-Modell hatte Toyota mit 300.000 bis 400.000 angepeilten Verkäufen die Latte etwas höher gelegt.

Doch sollte man deswegen die Toyota-Aktie außer Acht lassen? Das wäre fahrlässig, denn die Stärke der Japaner ist ihre breite Aufstellung. Den fehlenden Absatz von Hybrid-Fahrzeugen werden sie mit konventionellen Benzinern locker auffangen.

Zudem erschließt sich Toyota wie kein anderer Wettbewerber neue Geschäftsfelder. Kürzlich gründete Toyota ein eigenes Forschungs-Institut, um sich der Entwicklung künstlicher Intelligenz zu widmen.

Die Investitions-Kosten belaufen sich für die kommenden 5 Jahre auf 1 Mrd. US-Dollar.

Mega-Trend „Autonomes Fahren“

Instituts-Leiter wird Gill Pratt, einer der führenden Forscher in der Entwicklung von Robotern und künstlicher Intelligenz. Selbstverständlich spielt der Mega-Trend „Autonomes Fahren“ eine wichtige Rolle.

Doch Pratt unterstreicht auch, dass die Ambitionen von Toyota weit über die Auto-Industrie hinausgehen. Dazu zählen beispielsweise Themen wie Verkehrs-Lenkung, Produktions-Management, Vernetzung oder die Entwicklung von Materialien.

Toyota treibt auch an vielen anderen Fronten Innovationen voran und verschafft sich so einen technologischen Vorsprung, den der Wettbewerb nur schwerlich aufholen kann. Und spätestens dann verliert auch ein schwächelnder Ölpreis an Bedeutung.

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Philipp Ley
Von: Philipp Ley. Über den Autor

Philipp Ley ist ausgebildeter Wirtschaftsjournalist mit Stationen u. a. bei n-tv, Financial Times Deutschland, Rheinischen Post und der Aktien-Analyse. In den vergangenen zwölf Jahren hat er zudem als Kommunikations- und Investor-Relations-Berater zahlreiche Geschäftsberichte erstellt: für kleinere aufstrebende Unternehmen ebenso wie für Börsenschwergewichte.