Korrektur oder Trendbruch bei Nordex?

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Der Windradbauer zählt zu den Highflyern des Jahres, doch nun stürzt der Kurs binnen Tagen um 12% ab. (Foto: Lukassek / shutterstock.com)

Nicht nur an Nord- und Ostsee gehören sie mittlerweile zum Landschaftsbild, nein auch im Binnenland zeichnen sich mehr und mehr Windkraftanlagen am Horizont ab und prägen oder verschandeln, je nach persönlicher ideologischer Anschauung, die Gegend.

Den Herstellern der liebevoll auch „Windmühlen“ oder nur „Mühlen“  genannten Windkraftanlagen sind Ideologien gleichgültig, für sie zählen alleine die Erfolge, sprich die Absatzzahlen.

Denn hieran wird die Unternehmensleistung gemessen, das Betriebsergebnis errechnet und damit der Unternehmenserfolg, vor allem an der Börse, bestimmt.

Führend im Bau von Windanlagen sind in Europa das dänische Unternehmen Vestas und, erfreulich, zwei deutsche Unternehmen.

Der Anlagenbauer Enercon, mit einem Marktanteil von knapp 60% in Deutschland der größte Anbieter, firmiert als GmbH und ist nicht börsennotiert.

Zweiter im Lande ist die Nordex SE aus Hamburg, die seit 2001 börsennotiert ist und seitdem schwere Zeiten auf dem Parkett durchlebt hat.

Gegen Ende der Internet-Blase noch an der Börse platziert, konnten die Aktien von ihrem Ausgabepreis bei 9,00 € zunächst kräftig steigen und bereiteten den Aktionären viel Freude.

Doch mit dem Ende des Hyps wurde auch Nordex von der Realität eingeholt. Bis Mitte 2003 verfiel der Kurs und notierte zwischenzeitlich bei nur noch knapp 1,00 €.

Schlankheitskurs für den Windkraftbauer schlägt an

Die Ursachen sind wie immer die Gleichen, Überkapazitäten im Markt, damit einhergehender Preisdruck und, im Falle der regenerativen Energien, die Abhängigkeit des Geschäfts vom politischen Willen der Windkraft-Förderung.

Eine politische Wende zumindest vollzog sich mit dem Atomreaktorunglück 2011 in Fukushima. Was für die Menschen und die Umwelt in Japan bis heute als Drama zu bezeichnen ist, sorgte für ein Umdenken in den Köpfen der Politiker weltweit.

Weg von der Atomkraft, hin zu mehr regenerativen Energien, so der neue politische Tenor.

Plötzlicher Nutznießer waren all die Unternehmen die im vergangen Jahrzehnt mehr oder weniger ihr Dasein gefristet hatten.

Darunter auch die deutsche Nordex SE, die nach mehreren Verlustjahren und diversen Kapitalmaßnahmen Branchenpioniere wie die hessische Fuhrländer AG überlebten.

Doch trotz des neuen Willens, zum Selbstläufer wurden die Geschäfte durch die geänderten politischen Rahmenbedingungen nicht, energisches Handeln zum Überleben war weiterhin angesagt.

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Nordex-Aktie mit weiterem PotenzialFür die Nordex-Aktie sieht es gerade sehr gut aus. 60 % konnte die Aktie in von zwei Monaten zulegen und notiert aktuell bei 16,80 Euro. › mehr lesen

Und so verordnete sich das Unternehmen zuletzt eine Schlankheitskur, schloss den Produktionsstandort in den USA komplett und zog sich aus China, dem vermeintlichen Wachstumsmarkt Nr. 1, teilweise zurück.

Die Kur schlug an, nach zwei deutlichen Verlustjahren konnte die Unternehmensleitung um Konzernchef Jürgen Zeschky  vor knapp 2 Wochen erstmals wieder schwarze Zahlen melden.

Ist der Turnaround vollzogen?

„Der Turnaorund ist geschafft“  titelten gleich die bekannten Börsenblätter und jagten damit die Anleger scharenweise in die Aktie und damit den Kurs nach oben. Kursziele von 15,00 € und mehr machten die Runde, die Euphorie kannte keine Grenzen.

Doch nun plötzlich, ohne erkennbare Gründe der Absturz an der Börse. Die Nordex-Aktie, in der Vorwoche noch unter den Gewinnern der Woche zu finden, übernimmt die rote Laterne und fällt um 12%.

Gibt es keine fundamentalen Gründe, wie im Falle Nordex, sprechen wir Börsianer gerne einmal vom „Kasse machen“ der Investoren. Doch handelt es sich wirklich nur um die Realisierung von aufgelaufenen Kursgewinnen oder steckt mehr dahinter?

Wissen kann man es nicht, fundamental ist bei Nordex alles beim Alten. Also sollte man vielleicht einmal einen Blick auf den Nordex-Chart werfen.

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(anklicken zum Vergrößern)

Sie sehen es selbst anhand der eingezeichneten Linien, der Kurs ist nach mehreren Point&Figure-Kaufsignalen (grüne Kreise) nun in einer Art Dreieck gefangen. Nach unten findet sich eine Unterstützung bei etwa 7,20 €, nach oben bremste die 9,30 €.

Fällt die untere Begrenzung, geht es mächtig tiefer für die Aktie, die nächsten Kursziele nach Point&Figure lauten dann auf 6,60 €, 5,80 € und 5,10 €.

Doch auch ein Ausbruch auf der Oberseite, und damit die Fortsetzung des Aufwärtstrends, ist nicht auszuschließen und bietet dann deutliches Kurspotential. Hier lauten die möglichen Ziele auf 9,30 €, 11,20 € und danach auf 13,60 €.

Aber noch ist unklar, wohin die Kurse ziehen. Oben oder unten raus aus dem Dreieck ist klar. Nur, wer sich jetzt bereits für die eine oder andere Seite entscheidet und in die Nordex-Aktie einsteigt, spielt Roulett. Rot oder Schwarz, so seine Entscheidungsvarianten zum jetzigen Zeitpunkt.

Als Roulettspieler sind wir Point&Figure-Investoren aber nicht bekannt, sondern als nüchterne, sachliche Chartleser. Und so tun wir im Falle Nordex dass, was wir häufiger tun, wir lauern auf die passende Einstiegschance.


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Von: René Neukirch. Über den Autor

René Neukirch, Jahrgang 1963, ist Händler. Parketthändler. Zumindest nannte man es damals, vor über 26 Jahre so. Mit nur 22 Jahren hatte er sich schon vom einfachen Bankkaufmann hochgearbeitet zum Parketthändler und ist seitdem der Leidenschaft Börse verfallen.