Kostensenkungen bei Minen: Mehr geht wohl nicht

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Minen reagieren weltweit auf die niedrigen Preise mit deutlichen Kostensenkungen. Doch so langsam ist das Potenzial der Kostensenkungen ausgereizt. (Foto: Joe Belanger / Shutterstock.com)

Auch wenn es in diesen Tagen wieder etwas aufwärts geht bei den Edelmetallen: Bei mir bleibt hauptsächlich große Verwunderung über die niedrigen Preise dieser Anlageklasse. Gold steht noch immer unter 1.300 Dollar und Silber ist immerhin wieder der Sprung über die 17 Dollar-Marke gelungen.

Klar ist auf jeden Fall: Auf diesem Niveau bleiben die Minen unter großem Druck die Kosten weiter zu senken. Sicherlich haben zuletzt viele Minen große Erfolge bei der Senkung der Kosten gemeldet – doch ist auch nicht klar, ob diese Senkungen nachhaltig sind. Zudem ist das Potenzial für viele Minen hier auch schon erschöpft – vor allem wenn es um gängige Einsparungen geht. Darunter fällt der Personalabbau genauso wie das Drosseln von Investitionen. Hier haben die Krisenjahre zuletzt schon massive Folgen bei vielen Unternehmen hinterlassen.

Doch gerade bei Minen gibt es noch weitere Möglichkeiten, die Kosten in den Griff zu bekommen. Das Stichwort lautet hier High-Grading. Dies ist auf jeden Fall ein kurzfristiger Effekt, der aber langfristige Folgen für das Minenleben haben kann.

Mit High-Grading erzielen die Minen kurzfristige Erfolge – mehr aber nicht

Sie fragen sich sicherlich: Was steckt dahinter? Im Grunde ist es eine einfache Strategie, um die eigenen Produktionsergebnisse der Minen zu steigern. So konzentrieren sich die Firmen eben auf nachweislich hochgradige Teile des Vorkommens. Und dadurch sinken die Produktionskosten automatisch: Wenn eine Mine eben auf Sicht eines Quartals mit einem durchschnittlichen Goldgehalt von 2,5 gr/t anstatt 2,0 gr/t. betrieben werden kann, steigt die Produktionsmenge und damit sinken die Kosten pro geförderter Unze.

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Für den Kapitalmarkt sieht die Bilanz dann erst einmal besser aus. Doch wie lange kann eine solche Strategie erfolgreich fortgesetzt werden? Denn wenn das Blatt sich wendet, stehen die Minen vor einem großen Problem: Dann sinken der Goldgehalt und die Kosten pro Unze steigen.

Daher bringt dieser Ansatz kurzfristige Erfolge – aber eine nachhaltige Strategie für Rohstoff-Firmen sieht doch anders aus. Ich bin mir nicht sicher, ob viele Minen diesen Ansatz noch längere Zeit umsetzen können. Vielmehr lohnt es sich bei der Bilanzvorlage der Minen genau auf die Veränderung der Goldgehalte zu schauen. Das erfordert jedoch viel Detailarbeit – denn dazu muss man in der Bilanz schon auf die Ebene der einzelnen Minen, wie sich die Ergebnisse dort verändert haben.

Ich werde in den nächsten Tagen bei einigen Minen einmal genau hinschauen und Ihnen in der kommenden Woche das Ergebnis hier präsentieren.


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Heiko Böhmer
Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

Ob DAX-Titel, Rohstoff oder Emerging Marktes-Aktie: Heiko Böhmer bringt Ihnen in seinem täglichen Newsletter diese Themen näher. Neue Trends findet er dabei vor allem auf den vielen Reisen zu Finanzmessen im In- und Ausland, über die er in seinem Newsletter ausführlich berichtet.