Kräftige Gewitterwolken am deutschen Konjunkturhimmel

In der vergangenen Woche kamen aus der deutschen Wirtschaft reihenweise Prognosesenkungen und Gewinnwarnungen. (Foto: 360b / shutterstock.com)

Die Schönwetterphase in der deutschen Wirtschaft ist endgültig vorbei. Das wurde spätestens in der vergangenen Woche klar. Von diversen Instituten und Unternehmen kamen schlechte Nachrichten.

Institute senken BIP-Prognosen

So haben das Münchner Ifo Institut und das Essener RWI ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum in Deutschland deutlich gesenkt. Die Wirtschaft habe sich in den ersten Monaten des Jahres deutlich schlechter entwickelt als gedacht, so die Aussage des Konjunkturchefs des Ifo Instituts. Herr Wollmershäuser gab ferner bekannt, dass man für 2018 nur noch ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,8 Prozent erwarten würde.

Im Frühjahr hatte das Institut noch ein Wachstum in Höhe von 2,6 Prozent vorhergesagt. Hinzu kommt, dass die Prognose für 2019 nach unten revidiert wurde. Auch das in Essen ansässige Wirtschaftsforschungsinstitut RWI senkte seine Prognosen für das Wirtschaftswachstum stark. Für das Jahr 2018 wurde die Prognose von 2,4 auf 1,8 Prozent reduziert und für 2019 von 1,9 auf jetzt 1,5 Prozent.

Kräftige Gewitterwolken am Konjunkturhimmel

Herr Wollmershäuser sagte wörtlich, dass sich am deutschen Konjunkturhimmel derzeit kräftige Gewitterwolken zusammenbrauen würden. Ein Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung sei die Handelspolitik der USA. So erheben die USA seit Juni Zölle auf Aluminium und Stahl auch gegen die EU. Die EU und China haben Gegenmaßnahmen angekündigt. Eine weitere Ausweitung von Handelsbarrieren sei dadurch zu einem nicht mehr vernachlässigbaren Risiko geworden.

Elektroauto-Prämie – eine enttäuschende ZwischenbilanzEine erste Zwischenbilanz zum Umweltbonus zur Förderung der Elektromobilität (Elektroauto-Prämie) fällt mehr als enttäuschend aus: Die aktuellen Zahlen Gerade einmal 9.000 Anträge sind bis Anfang 2017 beim Bundesamt für Wirtschaft… › mehr lesen

Ferner könne der Iran-Konflikt zu einem weiter steigenden Ölpreis führen. Herr Dührn vom RWI fügte hinzu, dass das außenwirtschaftliche Klima rauer geworden sei. Selbst wenn nur kleine Teile des deutschen Exports von den durch die USA verhängten Zöllen betroffen seien, dürfte das Aufkeimen des Protektionismus negativ auf das Exportklima wirken und Unternehmen vorsichtiger agieren lassen. Auch die durch den Brexit verursachte unklare Zukunft der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU würden die Wirtschaft belasten.

Gewinnwarnung von Daimler

Das rauere Handelsklima belastet den deutschen Autoriesen Daimler schon jetzt. Vergangene Woche hat der schwäbische Autokonzern wegen des US-chinesischen Handelsstreits eine Gewinnwarnung für das laufende Geschäftsjahr herausgegeben. Die höheren chinesischen Zölle für in den USA hergestellte Autos könnten nicht vollständig an die Kunden weitergegeben werden, erklärte Daimler in einer Pflichtmitteilung.

Zudem werde man wegen der Abgaben wohl weniger Geländewagen in der Volksrepublik als erwartet verkaufen. Als weitere Gründe nannte der Autobauer neue Standards für Abgastests, den Rückruf von Dieselautos und eine schwächere Nachfrage nach Bussen in Lateinamerika. Der Betriebsgewinn des Konzerns werde wegen dieser Entwicklungen voraussichtlich unter dem Vorjahresniveau liegen. Als Folge der Gewinnwarnung ging die Daimler-Aktie weiter auf Talfahrt. Und ein Ende des Sinkflugs ist nicht in Sicht…


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.