Kraft Heinz und Unilever: Deal-Abbruch, bevor es ernst werden konnte

Das Übernahme-Geschäft bleibt in aller Munde.

Jüngstes Top-Thema: der US-Nahrungsmittel-Hersteller Kraft Heinz, der den britisch-niederländischen Konkurrenten Unilever schlucken wollte.

Preisvorstellung des Interessenten: 143 Mrd. Dollar.

Um Ihnen das zu verdeutlichen:

Die Summe ist so gewaltig, dass sie die Marktkapitalisierung der 7 MDAX-Schwergewichte RTL, Steinhoff, Innogy, Hannover Rück, Covestro, Evonik und Airbus abdeckt.

Dies zeigt, dass selbst Groß-Konzerne, die über 100 Mrd. Dollar wert sind, als Übernahme-Kandidat in Frage kommen können.

Käme es zu einem Deal, wäre es die drittgrößte Übernahme aller Zeiten – doch leider ruderten die beiden Konzerne gestern Abend zurück.

Geheim-Verhandlungen hätten größere Erfolgs-Chance gehabt

Aus der „Super-Ehe“, die Marken wie Miracoli, Miracle Whip, Heinz, Weightwatschers, Axe, Dove und Knorr unter einem Dach vereint hätte, wird (vorerst) nichts.

Offenbar wurde befürchtet, dass die britische Politik sich in die Übernahme-Verhandlungen einmischt.

Und das war dem Interessenten –  zusammen mit der Zurückweisung der 143 Mrd. Dollar-Offerte durch das Uniliever-Management – dann zu viel.

Wären die Übernahme-Verhandlungen nicht durchgesickert, hätte es durchaus etwas werden können mit einem Rekord-Deal.

Doch nachdem der Blog Financial Times Alphaville über den möglichen Zusammenschluss berichtet hatte und die Gerüchte den Unilever-Kurs bewegt hatten, musste der Übernahme-Kandidat laut britischem Recht an die Öffentlichkeit treten.

Damit wurde der Druck dann auch zeitlich sehr groß.

Trotz Übernahme-Aus: Aktie des Übernahme-Kandidaten bleibt deutlich im Plus

Die Unilever-Aktie legte im Zuge der Gerüchte eine Achterbahnfahrt hin: Die Marktkapitalisierung schwankte aufgrund der Gerüchte um über 25 Mrd. Dollar.

Dabei zeigten sich die üblichen Reaktionen bei zunächst heißen Übernahme-Gerüchten und dann kalten Fakten.

Zunächst der steile Kurs-Anstieg mit einem Plus von über 14% – dann der tiefe Fall von 6%.

Unter dem Strich hat sich das Gerücht für Unilever allerdings gelohnt.

Denn es bleibt bei einem Wochen-Plus von 7,7%, was bei einem Über 100 Mrd. Dollar schweren Konzern nicht unerheblich ist.

Auch die Kraft-Heinz-Aktie reagierte zunächst mit einem kräftigen Kurssprung.

Die Investoren vertrauten auf die Expertise des Großaktionärs Warren Buffett, der seine „Elefantenbüchse“ offenbar durchgeladen hat.

Etwa alle 2 Jahre tätigt Buffett einen spektakulären Deal – Unilever hätte dieses Prädikat zweifelsohne verdient gehabt.

Schaut sich Kraft Heinz jetzt einen anderen Übernahme-Kandidaten an?

Nicht nur die beteiligten Unternehmen, sondern auch Branchen-Kollegen wurden durch die Meldung im Aktienkurs stark beeinflusst:

Die potenziellen Übernahme-Ziele Mondelez, Campbell Soup und General Mills gerieten unter Druck.

Denn wenn Kraft Heinz Unilever schluckt, dann bekommt auch die Übernahme-Story bei den anderen Branchen-Spielern Kratzer.

Heute ist die US-Börse geschlossen; die Aktien der 3 Unternehmen konnten die Neuigkeiten also noch nicht einpreisen.

Morgen, wenn der Handel wieder aufgenommen wird, ist es dann aber nicht unwahrscheinlich, dass eine Gegenbewegung einsetzt.

Denn wenn Plan A = Unilever nicht umgesetzt wird, könnte ein Plan B mit einem der 3 verbliebenen Konzerne aus der Schublade geholt werden…

20. Februar 2017

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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