Kredit-Krise: Deutschland leiht sich Geld für Negativ-Anleihe-Zinsen

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Kreditklemme im Interbanken-Handel: so erkennen Sie die Zeichen (Foto: Watchara Ritjan / Shutterstock.com)

Negativzinsen: das spektakuläre Ereignis vom Montag entgeistert den Markt.

Investoren leihen der Bundesbank/dem Staat Geld für -0,01% Rendite. Nur:

Wir berichteten darüber – auch über die möglichen Gründe für dieses Verhalten. Dahinter stehe angeblich die Hoffnung auf einen stärkeren Euro. Dahinter zeigt sich aber vor allem eines: Die Kreditkrise. Beispielhaft an diesem Fall für Sie ein Blick auf die Kennzahlen, die Ihnen das Geheimnis von Kreditkrisen verdeutlichen sollen.

Ihr Vorteil: Sofern Sie Kreditkrisen erkennen, können Sie die Dauerhaftigkeit niedriger Zinsen besser einschätzen als die meisten Analysten. Denn: endet die Krise, wird es schnell wieder steigende Zinsen geben.

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Kredit-Krise = Kreditklemme

Eine solche Kredit-Krise heißt übersetzt gesagt, dass Banken kein Geld mehr an Unternehmen oder Konsumenten ausleihen. Diese Kreditklemme betrifft auch das Verhältnis von Banken untereinander.

Eine Kredit-Krise liegt aktuell vor. Dies sind die Anzeichen:

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  • Die Nachfrage nach Bundesanleihen (mit kurzen Laufzeiten) steigt sprunghaft an. Grund dafür ist das relative Vertrauen, das Investoren den staatseigenen Schuldpapieren entgegenbringen. Umgekehrt heißt dies auch:
  • Investoren misstrauen den Angeboten Anderer – auch dem Angebot von Banken. Misstrauen bedeutet, dass die Rückzahlungsfähigkeit der Banken bezweifelt wird. Dies wiederum drückt die Rendite:
  • Die Rendite bezeichnet den Zins der Anleihe bezogen auf den Kurs. Je höher der Kurs, weil die Nachfrage steigt, desto höher auch die Rendite.
  • Der Euribor steigt in einer ausgeprägten Kreditkrise Dies ist der Zinssatz, zu dem Banken sich gegenseitig das Geld leihen. Vorsicht: aktuell ist der Euribor noch relativ niedrig bei 1,5% – trotzdem leihen sich die Banken kein Geld.
  • Der “Spread”: dies ist der Unterschied zwischen den Renditen von Bundesanleihen kurzer Laufzeit sowie dem Euribor. Je höher dieser Spread, desto größer das Misstrauen rechnerisch am Markt.
  • “Commercials”: Dies sind Anleihen, die Banken herausgeben – bis hin zu “Overnight”-Papieren mit kurzer Laufzeit über Nacht -, um den kurzfristigen Geldbedarf zu decken. Je teurer die Commercials für Banken, desto ausgeprägter eine Kredit-Krise.
  • Hochverzinsliche Anleihen (High-Yield-Bonds): Je geringer die Nachfrage nach diesen Schuldtiteln, desto niedriger deren Kurs. Damit steigt rechnerisch die Rendite (Zins/Kurs). Für neue Marktteilnehmer, die High-Yield-Bonds herausgeben, wird das Geldleihen noch teurer.

GeVestor meint: Diese Anzeichen zeigen auch aktuell in Deutschland, dass die Kredit-Krise lebt. Eine Kreditklemme zwischen den Banken und gegenüber Unternehmen führt dazu, dass die Zinsen bei Staatsanleihen in den Keller rauschen können.

Wir meinen: attraktiv sind die Staatsanleihen trotz der scheinbaren Sicherheit nicht. Nach Zins und Inflation bleibt selbst bei Anleihen mit positiver Rendite nur ein Verlust übrig. Eine Alternative bleibt der Genussschein von Bertelsmann mit der Rendite von etwa sieben %.


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Jan Aalto
Von: Jan Aalto. Über den Autor

Jan Aalto ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage.