Kredite: Lassen Sie die Finger davon

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Kredite bieten Ihnen auf den ersten Blick eine größere finanzielle Freiheit – doch in Krisenzeiten könne sie sich schnell als Bumerang erweisen und werden gefährlich. (Foto: macgyverhh/Shutterstock)

Ich kann Sie von dem Eingehen von Schulden nur warnen. Gerade angesichts sehr niedriger Kreditzinsen verfallen viele Menschen der Verlockung, sich zu verschulden. Die von den Medien geschürte Inflationsangst verstärkt diesen Effekt noch zusätzlich. Gerade in Deutschland löst das Wort „Inflation“ geradezu einen pawlowschen Reflex aus und viele Anleger suchen ihr Heil in der Aufnahme von Hypotheken, um ihr Vermögen durch den Kauf von Immobilien vor der Geldentwertung zu schützen.

Die Hoffnung dahinter ist, dass die Inflation den Kredit entwerten werde und die vermeintlich „cleveren“ Anleger dann eine Immobilie bekommen, ohne dafür real etwas tun zu müssen, weil sie dann den inflationär entwerteten Kredit mit wenig Kapital abzahlen können.

Doch diese Logik ist meiner Ansicht nach zu einfach, als dass sie aufgehen könnte. Die Zinsen sind heute gerade deshalb so niedrig, weil wir kaum eine Inflation haben und auch die Märkte in Wirklichkeit keine befürchten. Würde eine Inflation drohen, dann müssten dies die Banken sofort in den Zins als Inflationszuschlag einpreisen – drohende Inflationen gehen deshalb stets mit deutlich steigenden Kreditzinsen einher. Keine Bank ist so dumm und verleiht heute billig Geld, das sie in Zukunft nur noch entwertet zurückerhält.

Es bleibt dabei: Deflation ist die große Gefahr

Ich erwarte deshalb genau das Gegenteil: eine Deflation. Gerade in einem Crash werden Kredite zurückgefordert. Dann fließt immer mehr Geld in den Schuldendienst und fehlt für den Konsum. Deshalb erzeugt jede Depression eine deflationäre Tendenz. Das beste Beispiel dafür ist der Crash von 1929 und die darauffolgende Deflation in der Weltwirtschaftskrise.

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Und genau dann sieht es für die vermeintlich „cleveren“ Schuldenmacher ganz fatal aus. In einer Deflation werden Kredite real aufgewertet, da der Kaufwert des Geldes steigt. Es müssen also immer mehr Finanzmittel generiert werden, um den Schuldendienst sicherstellen zu können. Ist ihm das nicht mehr möglich, schreitet die Bank sehr schnell zur Zwangsvollstreckung des Pfandguts.

Doch selbst wenn der Schuldendienst noch geleistet werden kann, reicht es für Banken oftmals aus, wenn sich die Lebensumstände des Kreditnehmers ändern, um den Kreditvertrag zu kündigen. Wird z. B. jemand arbeitslos, ist das für die Bank oft ein Grund, auf die Zwangsversteigerung einer von ihr finanzierten Immobilie zu drängen.

Eine andere Gefahr kommt von der Preisentwicklung des Pfandguts her. Fällt in einer Deflation der Immobilienwert und sichert damit nicht mehr den Kredit ab, dann kann ebenfalls zwangsversteigert werden. Verzichten Sie deshalb auf Schulden, oder zahlen Sie diese so schnell wie möglich zurück!

Schulden sind mit einer Krisenvorsorge nicht vereinbar. Noch nie ist jemand bankrottgegangen, weil er keine Schulden machte – sehr viele aber wurden dadurch völlig ruiniert.


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Günter Hannich
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.