Kreuzfahrten in Coronazeiten: Nur für Liebhaber

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Eine Rundfahrt über die Nordsee, ohne Landgänge, Gesangsshows oder Discobesuche an Bord – die startende Kreuzfahrtsaison wird ungewöhnlich. (Foto: Denis Belitsky / shutterstock.com)

Sie galten in den vergangenen Jahren als eine der am stärksten aufstrebenden Formen des Reisens und erfreuten sich trotz katastrophaler Umweltbilanz großer und wachsender Beliebtheit: Die Rede ist von Kreuzfahrten.

Schwimmende Hotels, mit Shoppingmöglichkeiten, Freizeitangeboten, Poolbereichen, Restaurants und Shows an Bord, mit Platz für tausende Gäste, die Tag für Tag in einer anderen Stadt an Land gehen und Sehenswürdigkeiten bewundern konnten – der Reiz der Kreuzfahrt erschließt sich aus Touristensicht schnell, doch mit dem Glamour ist es nun erst einmal vorbei.

Der Glamour ist vorbei

Zu Beginn der Corona-Pandemie waren es mehrfach ebensolche Riesenkreuzer, die als Hotspots in die Schlagzeilen gerieten: Es brauchten sich nur einzelne Gäste oder Angestellte mit dem Virus zu infizieren, schon grassierte die gefährliche Lungenkrankheit schnell auf dem gesamten Schiff. Ganze Kreuzfahrtschiffe wurden unter Quarantäne gestellt, manche erhielten keine Anlegeerlaubnis mehr und schipperten tagelang auf offener See umher.

Mit den Sommermonaten und den allmählich gelockerten Einschränkungen, die auch touristische Aktivitäten im Ausland wieder zulassen, zeigen sich nun die Auswirkungen, die das Coronavirus – zumindest vorläufig – auf die Kreuzfahrtbranche hat.

Fiebermessen statt Landgang

Dieser Tage starten die ersten Schiffe ab Hamburg, doch die Corona-Maßnahmen sind nicht zu übersehen. Die Kreuzer dürfen nur maximal 60 Prozent der Gästekapazitäten auslasten, Speisen werden nach Voranmeldung am Tisch serviert, opulente Gesangsshows finden nicht statt, auch der Sauna- und Discobereich muss geschlossen bleiben.

Stattdessen: Täglich Fiebermessen, Verfügbarkeit von Corona-Schnelltests an Bord sowie ein zusätzlicher, für ein potenzielles Infektionsgeschehen verantwortlicher Officer, wie die Hamburger Morgenpost berichtet.

Einmal im Kreis über die Nordsee

Auch die Schiffstour an sich ist nun eher etwas für Liebhaber der Schiffsreise als für Sightseeing-Interessierte: Es finden keine Landgänge statt, Touristen dürfen das Schiff nicht verlassen, sondern machen eine mehrtägige Rundreise durch die Nord- oder Ostsee, einziger Zwischenstopp zu Tankzwecken.

Im Grunde ähnelt das Konzept einer Rundfahrt durch den Hamburger Hafen, nur mit größerem Schiff und längerer Route – und zu deutlich höheren Preisen. Um die 500 Euro zahlen Passagiere für eine solche Kreisfahrt.

Zukunft fraglich

Wie das Angebot von den Kunden angenommen wird, bleibt abzuwarten. Kreuzfahrtanbieter wie Tui Cruises oder Aida hoffen auf etwas Geld in den Kassen, doch eine Nordseerundfahrt ist nun einmal weit weniger spektakulär als City-Hopping entlang der Mittelmeerküste.

Bis die Branche zu altem Glanz zurückfindet, wird wohl noch einige Zeit vergehen. Für dieses Jahr ist das Geschäft gelaufen, soviel zeichnet sich bereits ab. Ob der Boom aus Vor-Corona-Zeiten sich ab 2021 oder 2022 fortsetzen lässt, ist jedoch fraglich – ebenso wie der dauerhafte Fortbestand der Anbieter, die angesichts der Einnahmeeinbrüche vor den gleichen existenziellen Bedrohungen stehen wie etliche andere Unternehmen auch.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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