Krisenherd Iberische Halbinsel: Spanien und Portugal bluten aus

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Nicht nur in Griechenland brodelt es: Spanien und Portugal entwickeln sich zu Krisenherden. Es hemmen Arbeitslosigkeit und geringes Wachstum (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Das große Thema zur Euro-Krise ist in diesen Tagen wieder einmal Griechenland.

Aber lassen Sie sich davon nicht blenden. Auch in den anderen Krisenländern gehen die Probleme weiter. Und die Lage verschlechtert sich eher als das sie sich verbessert.

Ein Beispiel ist Spanien: So hat heute die EU-Kommission das Land ermahnt. Dabei geht es um die Einhaltung der aktuellen Sparziele. Laut der aktuellen Vorgaben will die spanische Regierung im kommenden Jahr wieder die Maastricht-Kriterien erfüllen und somit die Neuverschuldung auf unter 3% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) drücken.

Die Mahnung aus Brüssel durch die EU-Kommission kommt zum richtigen Zeitpunkt. So muss die spanische Regierung in den kommenden Wochen den Haushaltsentwurf für das laufende Jahr vorlegen. Für 2012 sehen die eigenen Vorgaben eine Absenkung des Haushaltsdefizits auf nur noch 4,4% vor.

Das ist ohne Frage ein ambitioniertes Ziel. 2011 brachte es Spanien hier noch auf einen Wert von 8,5%. Und dieser Wert lag deutlich über der Zielvorgabe von 6%. Insofern darf doch bezweifelt werden, ob Spanien in diesem Jahr diese deutliche Verbesserung gelingt.

Arbeitslosigkeit: Katastrophale Werte

Zwei Dinge machen mich hier skeptisch: So wird die spanische Wirtschaft im laufenden Jahr wohl schrumpfen. Laut vieler Experten muss in Spanien mit einer sinkenden Wirtschaftsleistung von knapp 1% gerechnet werden.

Gleichzeitig rangiert Spanien in der europäischen Arbeitslosenstatistik an der ersten Stelle. Landesweit waren im Januar 2012 mehr als 5 Millionen Menschen ohne Job. Dies waren deutlich mehr als in Deutschland.

Der große Unterschied wird deutlich beim Blick auf die Quote: Spanien bringt es hier auf knapp 23%, während in Deutschland die Quote auf einem Mehrjahrestief von weniger als 7% notiert.

Noch sehr viel dramatischer ist die Lage bei den jungen Spaniern: Hier liegt die Arbeitslosenquote sogar bei mehr als 40%. Eine Folge dieser Entwicklung ist ein Exodus junger Spanier ins Ausland, um dort Jobs zu bekommen.

Die gleiche Entwicklung gibt es auch in Portugal. Keine Frage: Die iberische Halbinsel blutet aus. Das ist eine dramatische Entwicklung und wird vor allem mittel- bis langfristige negative Folgen für die Länder haben.

Sparprogramm greift zu kurz

Doch zurück zu den harten Fakten: In Spanien läuft aktuell ein massives Sparprogramm, mit dem eben die Neuverschuldung so drastisch gesenkt werden soll.

So hat die konservative Regierung unter Ministerpräsident Mariano Rajoy schon Haushaltskürzungen von knapp 9 Mrd. Euro beschlossen. Demgegenüber stehen Steuererhöhungen von 6,3 Mrd. Euro. Und dann gibt es noch einen großen Posten von rund 8 Mrd. Euro, der über Maßnahmen gegen Steuerbetrug hereinkommen soll.

Ob diese Maßnahmen bei der schwachen Konjunktur in Spanien ausreichen, möchte ich doch bezweifeln. Doch sollte es in Spanien tatsächlich zu größeren Problemen kommen, ist eins sicher: Dann reichen die aktuellen Rettungsschirme in der Euro-Zone auf jeden Fall nicht aus.


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Günter Hannich
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.

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