Krisenland Italien rutscht in Rezession ab

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Der Aufschwung in Europa ist wohl schneller als erwartet zu Ende gegangen. Das Krisenland Italien ist wieder in der Rezession. (Foto: esfera / Shutterstock.com)

Im vergangenen Jahr 2018 sprachen die Verantwortlichen der Euro-Notenbank noch von einem robusten und nachhaltigen Aufschwung in Europa. Dieser sei breit angelegt und werde über Jahre hinweg anhalten. Das war der Tenor damals. Vergangene Woche veröffentlichten die Statistiker von Eurostat jedoch ernüchternde Wachstumszahlen.

Italien rutscht in Rezession ab

Alles in allem ist die Wirtschaft in der Eurozone im Schlussquartal 2018 nur noch marginal gewachsen. Unter dem Strich lag das Plus nur noch bei 0,2 Prozent. Seit mehr als vier Jahren hat es eine derartige konjunkturelle Delle nicht mehr gegeben. Deutschland dürfte nur hauchdünn nicht in eine technische Rezession gefallen sein.

Das große Krisenland im Süden, Italien, ist nun auch offiziell in die Rezession zurückgefallen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) verringerte sich laut dem italienischen Statistikamt Istat zwischen Oktober und Dezember 2018 zum Vorquartal um 0,2 Prozent. Das BIP war ja bereits im Sommerquartal rückläufig. Zwei Quartale in Folge ist nun die italienische Volkswirtschaft geschrumpft.

Fraglich ist, ob die neue Regierung in Rom, sprich die Koalition von Fünf-Sterne-Bewegung und Lega Nord, im Jahr 2019 das Ruder herumreißen kann. Das Wahlversprechen der beiden Koalitionspartner war ja, mittels Steuersenkungen und höheren Sozialausgaben die seit Jahren dahinsiechende Wirtschaft wieder flott zu machen. In dem Kontext legte sich die Regierung um den parteilosen Ministerpräsidenten Conte wegen höherer Haushaltsdefizite sogar mit der EU-Kommission in Brüssel an.

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Ursachenforschung im Fokus

Höchst interessant ist jedenfalls, dass der gelernte Ökonom Conte laut Reuters externe Faktoren für die italienische Malaise verantwortlich machte. Der Abschwung in China und Deutschland habe den italienischen Exporten geschadet. Herr Conte erwähnte indes nicht, dass die Binnennachfrage in Italien selbst rückläufig war.

Wie auch immer, die Italiener stecken weiter in der Krise, ja Dauer-Malaise. Und ein Ende derselben ist ganz und gar nicht in Sicht. Im Gegenteil. Die Lage kann wahrlich als desolat bezeichnet werden. Fakt ist, dass die Industrieproduktion Italiens immer noch deutlich unter dem Vorkrisenniveau von 2007 liegt. Erschwerend hinzu kommt, dass sich die Verschuldung des italienischen Staats gleichzeitig kontinuierlich verschlechtert hat.

Aktuell liegen wir bei gut 2,3 Billionen Euro bzw. fast 132 Prozent des BIP. Nur die Griechen sind in der Euro-Zone mit knapp 180 Prozent noch schlechter dran als die Italiener. Damit aber nicht genug. Nach wie vor ist die Lage der italienischen Banken extrem angespannt. Diese leiden ja nun schon seit vielen Jahren unter chronischer Ertragsschwäche; noch immer schlummern Hunderte Milliarden Euro an faulen Krediten in den Büchern.

Ja, liebe Leser, leider ist und bleibt auch die Arbeitslosigkeit, insbesondere die Jugendarbeitslosigkeit in Italien exorbitant hoch. Das Land wird wohl bis auf weiteres in der Dauerkrise bleiben. Ausgang und Ende völlig ungewiss.


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Günter Hannich
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.