Kroger-Aktie: Kursturbulenzen bei der größten Supermarktkette der USA

Krogers-Aktie: Größte Supermarktkette der USA im freien Fall. Fokus auf Online-Geschäft. Kooperation mit Alibaba soll Wachstum anschieben (Foto: Peter Beens)

Von wegen langweilig. Wer von Ihnen bei dem Gedanken an die Aktie eines traditionellen Einzelhändlers das Gähnen bekommt, sollte sich einmal die Aktie von Kroger ansehen. Denn die Kursausschläge sind immens. Nehmen Sie nur einmal die zurückliegenden 10 Monate: Von Oktober bis Ende Januar schossen die Papiere katapultartig von unter 20 Dollar um 55% nach oben. Dann brachte die folgende Korrektur die Aktie wieder bis auf 23 Dollar zurück, bevor die Aktie im Anschluss wieder bis auf über 32 Dollar nach oben kletterte.

Nach Vorlage der jüngsten Quartalszahlen kam die Aktie dann allerdings wieder unter Beschuss. Die Anleger ließen die Papiere fallen wie die sprichwörtlich heiße Kartoffel und schickten den Titel mit einem Tagesverlust von knapp 10% aus dem Rennen.

Kroger im Portrait

Kroger ist einer der größten Einzelhändler in den USA. Der Konzern ist ein führender Betreiber von Supermärkten und Convenience Stores sowie von Juweliergeschäften und Tankstellen. Das Unternehmen betreibt Supermärkte, die unter verschiedenen Namen wie Kroger, Food 4 Less, Smith’s oder King Soopers auf dem Markt auftreten.

Bei ungefähr der Hälfte der Läden findet sich eine angeschlossene Tankstelle. Des Weiteren besitzt Kroger Fabriken, vor allem Bäckereien und Molkereien, in denen unterschiedliche Produkte der eigenen Labels hergestellt werden. Knapp 50% der Supermärkte werden in firmeneigenen Immobilien betrieben.

Umsatzwachstum bleibt hinter den Erwartungen zurück

Im zurückliegenden Quartal steigerte Kroger die Umsätze um 1% auf 27,9 Milliarden Dollar. Unter dem Strich verbesserten sich die Umsätze auf vergleichbarer Fläche (eine wichtige Kennzahl zur Beurteilung von Einzelhandelsunternehmen) um 1,6%. Für Sie zum Vergleich: Die Analysten waren im Vorfeld von einem Zuwachs von 1,9% ausgegangen.

Beim Gewinn konnte Kroger 508 Millionen Dollar erreichen. Um Sondereffekte bereinigt entspricht das einem Gewinn je Anteilsschein von 41 Cent, was wiederum über den Schätzungen der Experten (38 Cent je Aktie) lag.

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Kooperation mit Alibaba soll Onlinegeschäft antreiben

Unterdessen versucht Krogers das Wachstum zu beschleunigen. Besonderes Augenmerk erfährt momentan der Bereich mit dem Onlineabsatz, der zuletzt um mehr als 50% zulegen konnte. Bereits vor rund einem Jahr hat der Konzern ein Pilot-Projekt mit dem chinesischen Technologie-Riesen Alibaba gestartet, um die eigenen Produkte im Reich der Mitte über das Internet zu verkaufen.

Sie müssen wissen: Im Rahmen der Transaktion wird Kroger seine Marke Simple Truth an chinesische Verbraucher auf dem Marktplatz Tmall von Alibaba verkaufen. Simple Truth ist eine Reihe von natürlichen und organischen Lebensmitteln, die im vergangenen Jahr einen Umsatz von 2 Milliarden Dollar erwirtschaftet haben. Die Reichweite von Alibaba mit rund 576 Millionen Verbraucher in ganz China ist gigantisch. In China besteht eine starke Nachfrage nach hochwertigen, biologischen Lebensmitteln, und Alibaba hofft, diese Nachfrage durch die Partnerschaft mit Kroger zu decken.

Damit handelt es sich um eine klassische Win-Win-Situation. Alibaba bekommt Zugang zu hochwertigen Lebensmitteln in großen Stückzahlen und Kroger macht einen großen Schritt gegenüber dem mächtigen Konkurrenten Amazon, der mit der Whole Foods Übernahme ebenfalls über ein starkes Standbein im Bereich der Bio-Lebensmittel verfügt.

Prognose enttäuscht die Anleger

Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen ein Umsatzwachstum auf vergleichbarer Fläche von 2% bis 2,5%. Parallel dazu soll der bereinigte Gewinn pro Aktie bei 2 bis 2,15 liegen. Die Analysten hatten bislang mit einem Gewinn je Anteilsschein von 2,12 Dollar gerechnet. Für Sie zum Vergleich: Im vergangenen Jahr lag der Gewinn je Aktie bei 2,04 Dollar.

Für den Moment zeigen sich die Anleger enttäuscht über die Gewinnprognose. Doch der Einzelhandelsriese unternimmt viel, um auch seine Profitabilität wieder zu verbessern. Mit der Initiative „Restock Kroger“ setzt der Konzern vor allem auf eine Verbesserung seiner Läden, einer Erhöhung des Eigenmarken-Anteils und mehr Service für den Kunden (mehr Liefer- und Abholoptionen). Ob die Maßnahmen bereits in den nächsten Quartalen greifen, wird sich erst noch zeigen müssen.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.