Krones-Aktie: Familienunternehmen mit Übernahme in den USA

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Krones-Aktie: Familienunternehmen mit Übernahme in den USA. Skepsis der Anleger überwiegt. Herausfordernde zweite Jahreshälfte steht bevor (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Seit Jahresanfang liegt die Aktie des Spezialisten für Getränkeabfüllmaschinen Krones beinahe 22% im Minus. Nach den jüngsten Kursrückgängen notieren die Papiere wieder auf dem Niveau von Anfang 2017. Der Grund für die schwächeren Kurs lag vor allem in enttäuschenden Halbjahreszahlen. Bei einem minimalem Umsatzwachstum musste Krones nämlich einen Gewinnrückgang um 6,9% verkraften.

Auch wenn die Konzernführung weiter an den Jahreszielen festhält (6% Umsatzwachstum; Vorsteuergewinnmarge: 7%), scheinen die Anleger dem Braten nicht recht zu trauen und gehen vorerst an die Seitenlinie.

Krones – Ein lupenreines Familien-Unternehmen

Bei Krones handelt es sich um einen reinen Familienkonzern, der sich immer noch zu 51,7% in den Händen der Kronseder-Familie befindet. Krones ist ein Hersteller von Anlagen und Maschinen für die Herstellung, Abfüllung und Verpackung von Getränken und flüssigen Nahrungsmittel in PET- und Glasflaschen sowie Getränkedosen mit Hauptsitz im bayrischen Neutraubling. Die mehr als 15.000 Mitarbeiter erwirtschafteten im Jahr 2017 einen Umsatz von 3,7 Milliarden Euro. Dabei erwirtschaftet der Konzern rund 90% der Umsätze außerhalb Deutschlands.

Dabei ist das Geschäft mit Abfüll-Anlagen, überwiegend für Getränke, mit ca. 83% des Konzern-Umsatzes und 97% des operativen Ergebnisses der mit Abstand wichtigste Bereich. Das Anlagen-Geschäft der Prozeßtechnik erzielt rund 13% des Firmen-Umsatzes.

……mit weltweit markführender Position

Als Nischen-Player hat sich Krones eine herausragende Marktposition erarbeitet:

Mit einem Anteil von rund 23% bei Getränke-Abfüllmaschinen ist die Firma klarer Weltmarktführer vor der zu Tetra Laval gehörenden Sidel (11%) und der zu Salzgitter gehörenden KHS (9%). Als Wachstumstreiber für die Branche gelten v. a. die zunehmende Weltbevölkerung und der steigende Wohlstand, insbesondere in den Entwicklungsländern.

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In den vergangenen Jahren profitierte der Zweig zudem stark von der wachsenden Nachfrage nach PET-Anlagen, die alternative Verpackungen, wie Glas, Dosen und Karton ersetzen.

Anhaltend hoher Wettbewerb sorgt für Preisdruck

Trotz der starken Marktposition spürt der Familienkonzern den unverändert hohen Preisdruck durch den anhaltenden Wettbewerb. Dem Margendruck will die Konzernführung mit neuen Produkten und weiteren Kosten-Senkungen begegnen. Bislang verlief das erste Halbjahr jedoch enttäuschend: Der Umsatz verbesserte sich nur um 1 % auf gut 1,8 Milliarden Euro. Gleichzeitig verringerte sich die Vorsteuergewinnmarge von 6,8 % auf 6,3 %.

Krones schluckt weitere Firma in den USA

Unterdessen setzt der Familienkonzern nicht nur auf organisches Wachstum. Auch Zukäufe werden gezielt eingesetzt, um die Marktposition zu verbessern. In diese Kategorie fällt auch die Übernahme der W.M. Sprinkman Corporation aus den USA, die am vergangenen Donnerstag bekanntgegeben wurde. Sprinkman wurde bereits im Jahr 1929 gegründet und liefert Anlagen zur Getränke- und Nahrungsmittelherstellung, insbesondere Prozesstechniklösungen für Molkereien und die Brauindustrie.

Mit seinen rund 125 Mitarbeitern bedient Sprinkman die komplette Bandbreite an Kunden – von Start-up-Mikrobrauereien bis hin zu großen multinationalen Lebensmittel- und Getränkeproduzenten. Der Jahresumsatz lag zuletzt bei rund 35 Millionen US-Dollar. Der Hintergrund des Deals liegt auf der Hand: Nach dem Kauf kann Krones in den USA die komplette Wertschöpfungskette anbieten – von der Prozesstechnik über die Abfüll- und Verpackungstechnik bis hin zur Intralogistik, IT-Lösungen, Kunststoffrecycling und dem kompletten lebenslangen Service.

Fazit: Die Latte für die Gesamtjahresziele scheint nach der schwachen ersten Jahreshälfte ausgesprochen hoch. Die Umsätze müssten um 13% und die Vorsteuergewinne in der zweiten Jahreshälfte um satte 22% zulegen, damit die Prognose noch erreicht wird. Trotz des hohen Auftragsbestands von 1,5 Milliarden Euro, der für eine extrem gute Auslastung spricht, überwiegt aber die Skepsis der Anleger. Im Moment sehen die Investoren das Glas eher halbleer anstatt halbvoll. Ob sich dies vor den nächsten Quartalszahlen bereits ändert, darf stark bezweifelt werden.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.