Kryptowährungen bleiben nur für Zocker attraktiv

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Kryptowährungen waren die größten Verlierer des vergangenen Jahres. Doch auch das gedrückte Kursniveau sollte nicht zum Einstieg verlocken (Foto: Wit Olszewski / shutterstock.com)

Vor gerade einmal einem Jahr mussten sich die soliden Aktien-Anleger unter ihnen sagen lassen, dass es viel einfachere Weg gäbe, an der Börse reich zu werden. Vor gerade einmal einem Jahr hat praktisch alles an Wert zugelegt, was nur im Entferntesten mit Kryptowährungen zu tun hatte.

Einbruch auf breiter Front

Doch wieder einmal hat sich eine Bauernweisheit bewahrheitet, die an der Börse erstaunlich häufig zutrifft: Wer zuletzt lacht, lacht am besten. So auch bei den gehypten Kryptowährungen wie Bitcoin, Ether und Ripple. Denn nach der fulminanten Entwicklung sämtlicher Kryptowährungskurse war 2018 ein für Krypto-Anleger desaströses Jahr: Selbst eine vermeintlich solide Kryptowährung wie Bitcoin ist im vergangenen Jahr in der Spitze um mehr als 80% eingebrochen. Bei Ripple und Ether lagen die Kursrückgänge sogar jenseits der 90%-Marke.

Ausnahmen von dem Kollaps gab es nicht. Laut dem Internetdienstleister Coinmarketcap summierten sich die Marktkapitalisierungen der derzeit 2.070 notierten Kryptowährungen zum Jahresende 2018 auf 120 Mrd. US-Dollar. Zu Jahresbeginn lag der Marktwert aller Kryptowährungen noch bei über 800 Mrd. US-Dollar: Eine Kapitalvernichtung ohne Ende.

Weder die Wal-Theorie …

Nun wird verzweifelt nach dem oder den Schuldigen für die Misere gesucht. Nicht wenige Bitcoin-Jünger glauben, dass sich ein sogenannter Wal von tausenden Bitcoins getrennt hat. Unter einem Wal verstehen Insider einen Bitcoin-Hersteller, der selbst große Mengen an Token gemint, also hergestellt, hat.

Diese Verschwörungstheorie wird jedoch von den serösen Krypto-Analysehäusern als wenig glaubwürdig eingestuft. Nicht nur, weil bislang die wenigsten Wale auch als Händler aufgetreten sind, sondern auch, weil eine derart große Menge an Bitcoins kaum über offizielle Handelsplattformen verkauft werden würde, sondern außerhalb der Börsen, auf sogenannten Over-the-Counter-Plattformen.

… noch die Fork-Theorie sind glaubwürdig

Als weiterer Grund für den Kursverfall wird vielfach die Aufspaltung von Kryptowährungen genannt, das sogenannte „Fork“. So wurde der klassische Bitcoin bereits dreimal aufgespalten, in Bitcoin Cash (August 2017), Bitcoin Gold (Oktober 2017) und in Bitcoin SV (November 2018). Durch den Fork haben es Krypto-Jünger schwer zu argumentieren, dass der Kurs für Bitcoins langfristig steigen „müsse“, weil ein begrenztes Angebot an Bitcoins auf eine tendenziell steigende Nachfrage stoße. Der Fork erschüttert damit die Glaubwürdigkeit von Bitcoins in ihren Grundfesten.

Der wahre Grund

Nein, der wahre Grund für den Kurs-Kollaps ist ein anderer, ein banaler: Im Gegensatz zu Aktien oder Immobilien haben Kryptowährungen keinen inneren Wert. Ein Anleger, der mit Kryptos Geld verdienen will, kann damit nur versuchen vorherzusagen, ob das Angebot gerade die Nachfrage übersteigt oder nicht. Dies ist jedoch unmöglich, wie zahllose Anleger in den vergangenen zwölf Monaten feststellen mussten

Wenn aber eine systematische Bewertung von Bitcoins & Co. nicht möglich ist, fehlt auch die Möglichkeit, langfristig Kryptos profitabel zu handeln. Das unterscheidet Kryptowährungen von Aktien. Diese lassen sich sehr wohl analysieren und bewerten. Zum langfristigen Vorteil des Anlegers.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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