K+S bremst die hohen Erwartungen

K+S hat zu viel versprochen und muss nun zurückrudern. Die Aktie bricht ein, doch der Imageverlust könnte die Aktie dauerhaft belasten. (Foto: hyebrink / shutterstock.com)

Auf die Veröffentlichung der Halbjahreszahlen wollte man bei K+S nicht warten, zu groß war offenbar die Diskrepanz zwischen den Markterwartungen und dem, was der Düngemittel- und Salzproduzent beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) tatsächlich zu erreichen glaubt.

Daher teilte das Unternehmen am vergangenen Freitag in einer Vorabmeldung mit, dass die Erwartungen, die Investoren und Analysten an das operative Ergebnis haben würden, die intern geschätzte Zielspanne deutlich übertreffen würden. Der Kurs der MDAX-Aktie brach daraufhin ein und notierte zeitweise unter der psychologisch wichtigen 20-Euro-Marke.

Markterwartungen deutlich verfehlt

Dabei kann von einer „Gewinnwarnung“ nicht die Rede sein. Schließlich geht das Unternehmen aus dem nordhessischen Kassel von einem EBITDA in einer Bandbreite von 660 bis 740 Mio. Euro aus. Dies ist, verglichen mit gegenüber dem Jahr 2017, als ein EBITDA von 577 Mio. Euro erwirtschaftet worden war, zweifellos eine beachtliche Steigerung.

Eine Aktie kommt unter Druck, obwohl sich die Ertragslage deutlich verbessert? Sie werden sich fragen, wie es dazu kommen konnte. Die Antwort ist freilich naheliegend: Der Vorstand selbst war es, der vor einigen Monaten die optimistischen Erwartungen angefacht hatte – die dann auch von einem deutlichen Kursanstieg begleitet wurden.

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Bei der Vorlage der Jahreszahlen 2017 war nämlich die Rede davon, dass der Produktionsanlauf des neuen kanadischen Werks Bethune und der Wegfall abwasserbedingter Unterbrechungen im Werk Werra zu einer „spürbaren Ergebnissteigerung“ führen sollten. Die Analysten schraubten daraufhin ihre EBITDA-Prognosen auf durchschnittlich 797 Mio. Euro hoch.

Erste Zweifel am Leuchtturmprojekt

Kaum hatten die Analysten die Ankündigungen des Vorstands in ihre Modelle eingearbeitet, kamen Zweifel auf, dass im Geschäftsbereich Kali- und Magnesiumprodukte tatsächlich alles rund läuft. Plötzlich wurde von Problemen in der neuen Kali-Mine Bethune gesprochen, die das Ergebnis im zweiten Quartal belasten würden.

Sie müssen wissen: Bethune ist mehr als ein neuer Produktionsstandort. Mit Bethune will sich K+S neu aufstellen. Niedrigere Kosten, höhere Margen, der Eintritt in neue Märkte. Wenn sich nun die Startprobleme als schwerwiegender und langwieriger herausstellen sollten, wäre der Vertrauensverlust erheblich.

Die ich rief, die Geister, werd‘ ich nun nicht los

Insofern geht es dem K+S-Vorstand wie Goethes Zauberlehrling, der mittels eines aufgeschnappten Zauberspruchs einen Besen in einen Knecht verwandelt und schnell merkt, der Situation nicht mehr gewachsen zu sein. Weniger zu versprechen und mehr zu liefern, gehört zu den Kernelementen guter Kapitalmarktkommunikation. Bei K+S haben die Marktakteure in der vergangenen Woche Verbesserungspotenziale ausgemacht. Ob sich die Aktie schnell erholt, darf bezweifelt werden.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.