KSB: Pumpen-Hersteller peilt nach Restrukturierung Gewinn-Verdopplung an

Bislang fristet die KSB-Aktie ein absolutes Schattendasein.

Dabei handelt es sich bei dem mehr als 600 Mio. € schweren Familien-Unternehmen um einen der führenden Konzerne in der weltweiten Pumpen-Industrie.

Dem Aktienkurs hat die starke Marktstellung in den vergangenen Jahren nicht wirklich geholfen; zu stark war der Gegenwind durch die Nachfrage-Schwäche in den Abnehmer-Märkten.

Aber jetzt hat die Konzernführung ein tiefgreifendes Restrukturierungs-Konzept aufgelegt, mit dem sich der Gewinn in den kommenden Jahren mehr als verdoppeln könnte.

Familien-Unternehmen weltweit in Pole-Position

Die 1871 gegründete KSB ist bereits seit 1895 börsennotiert. Das Unternehmen ist einer der weltweit führenden Hersteller von Pumpen und Armaturen zum Flüssigkeits-Transport.

Dabei ist der Mittelständler international aufgestellt. Das Unternehmen fertigt in 19 und vertreibt seine Produkte in über 100 Länder.

Die größten außereuropäischen Fertigungsstätten betreibt das Unternehmen in

  • Brasilien,
  • China,
  • Indien
  • und den USA.

Starke Marktstellung in fragmentierten Märkten

KSB ist mit einem geschätzten Marktanteil von rund 5% an der weltweiten Pumpen-Industrie bereits einer der großen Anbieter in einer fragmentierten Branche.

Zugleich ist der Konzern Weltmarktführer bei Pumpen für die Energie- und die Verfahrens-Technik. Im umsatzstärkste Bereich für Industrie-Anwendungen ist KSB weltweit die Nr. 2.

Mit Ausnahme von Nordamerika und Japan verfügt das Unternehmen weltweit über starke Marktpositionen. Die für KSB relevanten Märkte wachsen im Durchschnitt um 2 – 3% pro Jahr.

Bedeutende Wettbewerber sind die japanische Ebara, die US-Gesellschaften Ingersoll Rand und ITT Corp. sowie das Schweizer Unternehmen Sulzer.

Gegenwind durch schwachen Öl- und Energiemarkt

Kunden von KSB sind Stromkonzerne, Minenbetreiber und Ölraffinerien, deren Spezialpumpen höchsten Temperaturen oder aggressivsten Materialen standhalten müssen.

Solche Großprojekte stehen für rund die Hälfte des Umsatzes. Weitere 50% stammen aus dem Geschäft mit Standardpumpen. Und hierin liegt auch das Problem:

Da in Europa Wind- und Sonnen-Energie hoch im Kurs sind, werden immer weniger Kühlpumpen benötigt.

Zusätzlich sank die Nachfrage bei Bergbaufirmen sowie Gas- oder Ölförderer, die wegen niedriger Rohstoffpreise derzeit kaum investieren.

Die ausbleibenden Aufträge führen zu immer stärkerem Preisdruck, da jetzt auch frühere Ölausrüster auf den Markt für Kraftwerke oder Industrieanlagen drängen.

Schwächste Margen in der Branche

Aber das ist nicht der einzige Bremsklotz…

Die Profitabilität leidet seit Jahren: Lag die operative Marge 2008 noch bei 10,5%, fiel die Gewinnspanne bis zum vergangenen Jahr auf nur noch 4,4%.

Ein Grund liegt auch in der komplexen Firmen-Struktur mit über 110 Tochtergesellschaften und einer Vielzahl an Produktionsstätten.

Hinzu kommt eine riesige Produktp-Palette mit über 1000 Modellreihen.

Obwohl KSB einer der Weltmarktführer ist, sind die Pumpenbauer in Sachen Marge das absolute Schlusslicht der Branche.

Restrukturierungs-Programm könnte Abhilfe schaffen

Jetzt greift die Konzernführung hart durch. Firmenchef Stegmüller peilt eine Umsatzrendite von 6 – 8% an.

Dabei setzt KSB auf ein ganzes Bündel an Maßnahmen:

  • weniger Tochtergesellschaften,
  • die Zusammenfassung von Fertigungsstätten
  • und ein um 1/3 zusammengekürztes Sortiment.

Hiermit sollen Einsparungen von 200 Mio. € erreicht werden.

KSB unter Umständen vor Neubewertung

Zugegeben: Die aktuelle Lage könnte besser sein. Der Aufschwung im Markt für Pumpen und Armaturen lässt weiter auf sich warten.

Zugleich hat KSB seinen Ausblick für den 2016er Auftrags-Eingang erst kürzlich gesenkt, da 2 Großaufträge (einer für China, einer für Indien) verschoben wurden.

Mittelfristig könnte sich das Blatt aber wenden. Analysten gehen davon aus, dass sich der Gewinn nach geschätzten 12 € je Aktie in diesem Jahr bis 2018 wieder auf 40 € verbessern könnte.

Zugleich sitzt das Familien-Unternehmen auf hohen Barmitteln (ca. 200 Mio. €), einem immensen Immobilien-Vermögen und einer extrem werthaltigen Aktienbeteiligung an einem indischen Tochterunternehmen.

Sollten also die Maßnahmen greifen und sich der Markt erholen, dürfte die Aktie wieder deutlich an Attraktivität gewinnen.

6. Dezember 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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