KTG Agrar fährt die Ernte ein

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Drei Megatrends bestimmen die Zukunft der Landwirtschaft. Doch wie bewertet die Börse die Aktivitäten des deutschen Großbauern? (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Traditionell feiern die christlichen Kirchen Europas am ersten Sonntag im Monat Oktober zum Abschluss der Erntesaison das Erntedankfest. Die Felder sind abgeerntet, die Früchte der Felder eingelagert. Die Landwirtschaft kommt ein wenig zur Ruhe und kann eine erste, auch finanzielle, Bilanz ziehen.

Was für den ländlichen Bauernbetrieb in Familienbesitz gilt, machen sich auch die Großen der Branche, die Agrarunternehmen zu eigen. Auch sie ziehen eine erste Bilanz und schauen ins neue (Landwirtschafts-)Jahr. Und das sieht, vor allem für die Großbetriebe, vielversprechend aus. Denn die Landwirtschaft profitiert derzeit von drei Megatrends, die ihr einen neuen, gewaltigen Wachstumsschub geben könnten.

Trend Eins: Steigende Weltbevölkerung

Die Weltbevölkerung, vor allem in den sogenannten „emerging markets“ in Osteuropa, Asien und Lateinamerika wächst unaufhaltsam, die Einkommen der Bevölkerung steigen. Mit steigendem Wohlstand ändern sich auch die Ernährungsgewohnheiten in den einzelnen Ländern, die Nachfrage nach höherwertiger Nahrung (Fleisch statt Reis) steigt.

Da die Produktion von Fleisch den Anbau von Mais, Getreide oder Raps voraussetzt und die weltweite Nachfrage ankurbelt, steigt mittelfristige der Preis für Agrarrohstoffe. Und damit die Gewinne derjenigen, die diese anbauen und aufziehen.

Trend Zwei: Bioenergie

Technische Entwicklungen machen es möglich, in industriellem Maßstab Energie aus Biomasse zu erzeugen. Sei es Biogas aus Biogasreaktoren oder Ethanol-Benzin aus Zuckerrohr, Zucker-rüben oder Algen, die Forschung der vergangenen Jahrzehnte macht es möglich, dass die weltweite Abhängigkeit von Rohöl abnimmt und mehr und mehr Menschen mit alternativer Energie versorgt und so den gestiegenen und weiter steigenden Bedarf abdeckt.

Trend drei: Landwirtschaftliche Flächen

Wo die Nachfrage nach alternativer Energie und Nahrungsmitteln steigt, steigen auch die Werte für den Grund und Boden, auf dem sie erzeugt und angebaut werden können. Denn kultivierbares Land ist nicht beliebig vermehrbar, vor allem wenn es auf der geopolitischen Weltkarte zentral gelegen ist.

Die weltweite Preisentwicklung landwirtschaftliche Flächen in den letzten Jahren zeigt, eine Vervierfachung der Ackerpreise, wie in Ostdeutschland gesehen, ist eher die untere Grenze der bisherigen Wertsteigerungen.

Steigende Lebensmittelpreise als Ausdruck der steigenden Nachfrage

Wir Verbraucher bemerken den schleichenden Prozess der steigenden Preise bislang nur im Lebensmittelgeschäft. Fleisch, Mehl, Butter, Brot, Obst, Gemüse und Speiseöle werden Jahr für Jahr teurer, hier bestimmt die weltweite Nachfrage den Angebotspreis.

Einen Weg zurück, gar zurück zur Selbstversorgung, wird es nicht geben, der hauseigene Nutzgarten wurde inzwischen zur parkähnlichen Rasenlandschaft umgewidmet. Sofern man nicht gleich eine Stadtwohnung mit Balkon bewohnt.

Neue Geschäftsfelder tragen den Megatrends Rechnung

Die Megatrends für sich erkannt haben sehr früh die Spekulanten unter den Anlegern. Sie ziehen über entsprechende Warentermingeschäfte die Preise nach oben und lassen sie auch ebenso rasch wieder verfallen.

Große Anlagegesellschaften wie Goldman Sachs und auch deutsche Geldhäuser wie die Deutsche Bank wurden bereits für ihre ausufernden Geschäfte und Spekulationen mit Nahrungsmitteln an den öffentlichen Pranger gestellt und lernten im Erwachsenenalter, was schon Kleinkinder wissen: Mit Essen spielt man nicht.

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Doch, es liegt in der Natur von uns Anlegern, an solchen Megatrends partizipieren zu wollen. Aber bitte nach Möglichkeit politisch korrekt und ethisch unbedenklich. Und da bieten sich Investments, genauer Aktieninvestments, in Unternehmen geradezu an, die diese Megatrends erkannt und bereits besetzt haben.

In der vergangenen Woche habe ich deshalb bereits über die BayWa AG und auch über Südzucker berichtet, die beide in Teil-bereichen der Trends unternehmerisch tätig sind. Doch mit der deutsche KTG Agrar AG (WKN A0DN1J; Ticker 7KT) finden wir auf dem deutschen Kurszettel auch ein Unternehmen, das alle drei Bereiche vollständig abdeckt.

Obst-, Gemüse- und ökologischer Getreideanbau in Deutschland und Osteuropa (Litauen), Beteiligungen an Mastbetrieben in Russland und ein eigener Tiefkühlwarenanbieter in Deutschland sorgen dafür, dass vor allem Europa mit Nahrung versorgt wird.

Ein weiteres Standbein sind bestehende und noch zu errichtende Bioenergieanlagen, die schwerpunktmäßig in Deutschland betrieben werden. Um die landwirtschaftlichen Produktion aufrecht zu erhalten, werden mehr als 40.000 Hektar bewirtschaftet, drei Viertel der Flächen liegen in Deutschland, der Rest in Osteuropa und Russland.

Mit einem Viertel der Gesamtflächen im Eigenbesitz verfügt KTG  über ein beträchtliches Grundvermögen in Form von Ackerland, das entsprechendes Wertsteigerungs-potential bietet. Liest und hört sich doch prima an, sollte man meinen. Vor allem dann, wenn das Unternehmen wie vor einigen Tagen über einen kräftig gestiegenen Halbjahresumsatz und einen um +47% gekletterten Gewinn (12,0 Mio. Euro) berichtet.

Aber die Aktienanleger sind vorsichtig, sie schauen sich die jüngsten Zahlen zwar interessiert an, doch so richtig euphorisch werden sie nicht. Zwar kann sich der Aktienkurs nach einer ausgeprägten Seitwärtsbewegung zwischen 13,60 € und 16,60 € in der letzten Woche wieder zur oberen Kante absetzen, doch ein dynamischer Ausbruch lässt weiterhin auf sich warten.

KTG Agrar-Aktie-Chart 07-10-2013

(anklicken zum Vergrößern)

Vielleicht liegt es ja am aktuellen Point&Figure-Verkaufssignal (roter Kreis) dass der Ausbruch nicht gelingt. Und schaue ich mir den Chart genauer an, könnte es sich bei der jüngsten X-Säule durchaus um eine technische Reaktion handeln, die der guten Nachrichtenlage geschuldet ist.

Sinken die Kurse wieder Richtung 15,00 €, wird damit wieder das Kursziel von 12,80 € auf der Unterseite aktuell. Sind die Anleger und Investoren allerdings der Meinung, die Unternehmensstory sei für sie  interessant und intakt, bleibt abzuwarten, ob es ihnen gelingt, die Kurse wieder Richtung 16,80 € und damit zu einem neuen Point&Figure-Kaufsignal bewegen können.


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Von: René Neukirch. Über den Autor

René Neukirch, Jahrgang 1963, ist Händler. Parketthändler. Zumindest nannte man es damals, vor über 26 Jahre so. Mit nur 22 Jahren hatte er sich schon vom einfachen Bankkaufmann hochgearbeitet zum Parketthändler und ist seitdem der Leidenschaft Börse verfallen.