Küchen-Spezialist Alno: Insolvenz-Antrag schockt Aktionäre

Der traditionsreiche Küchen-Hersteller Alno schockt seine Aktionäre mit einer Insolvenz-Ankündigung. Hier die Details und Hintergründe: (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Der mittelständische deutsche Küchen-Hersteller Alno, der seit Jahren schon mit Problemen zu kämpfen hat, ist zahlungsunfähig.

Und so wird er in Eigenregie einen Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenz-Verfahrens beim zuständigen Amtsgericht im baden-württembergischen Hechingen stellen.

Dies teilte das Unternehmen gestern Abend nach Börsenschluss mit.

Nachdem die Verhandlungen mit potenziellen Investoren und bestehenden Gläubigern zuletzt zu keiner Einigung geführt hatten, entschloss sich der Vorstand der Alno AG dazu diesen Schritt zu gehen.

Bevor ich gleich weiter auf die Details der Insolvenz von Alno eingehe, möchte ich Ihnen einen kurzen Überblick über die Geschichte des Konzerns geben.

Die Geschichte der Alno AG

Die Wurzeln der heutigen Alno AG reichen zurück bis ins Jahr 1927.

Damals gründete der zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 21 Jahre alte Albert Nothdurft in Wangen bei Göppingen eine Schreiner-Werkstatt.

Im Jahr 1958 erfolgte die Verlagerung der Produktionsstätte nach Pfullendorf. Im selben Jahr folgte die Umfirmierung in Alno Möbelwerke GmbH.

Der Name Alno setzt sich aus den ersten beiden Buchstaben des Vor- und Zunamens des Firmengründers Albert Nothdurft zusammen.

Im Jahr 1995 erfolgte die erneute Umfirmierung in Alno AG und der Börsengang des Unternehmens.

Der Ausgabekurs der Aktie betrug 59 DM. Mit einem Anteil von 60,2% des Aktien-Kapitals blieb die Mehrheit der Aktien im Besitz der Familie Nothdurft.

Seit dem Jahr 2000 hat die Firma immer wieder mit Problemen zu kämpfen (anfangs wegen massiver Überkapazitäten).

In Folge dessen musste sie schließlich diverse Restrukturierungs-Programme durchführen.

Sanierungskurs soll fortgesetzt werden

Nun zurück zur aktuellen Situation der Alno AG:

Der Sanierungskurs, den Alno Anfang des Jahres eingeschlagen hat, soll nun innerhalb eines Insolvenz-Verfahrens in Eigenverantwortung und unter Führung des bisherigen Vorstands fortgesetzt werden, teilte Alno mit.

Die beiden Tochtergesellschaften Gustav Wellmann GmbH & Co. KG und Alno Logistik & Service GmbH würden ebenfalls in den Insolvenz-Antrag einbezogen.

Alle übrigen in- und ausländischen Tochtergesellschaften einschließlich der Pino Küchen GmbH sollen nicht von der Insolvenz betroffen sein.

Der Geschäftsbetrieb soll insgesamt unverändert weiterlaufen.

Insolvenz kommt nicht ganz unerwartet

Alno hatte erst Ende Juni die Veröffentlichung des Jahres-Abschlusses für das Geschäftsjahr 2016 und die Hauptversammlung deutlich nach hinten verschoben.

Und so kommt die Insolvenz jetzt nicht gänzlich unerwartet.

Darüber hinaus teilte das Unternehmen mit, dass der Umsatz in den ersten 6 Monaten des laufenden Geschäftsjahres im Vergleich zum Vorjahr um 6,8% gefallen ist.

Darüber hinaus teilte Alno mit, im 1. Halbjahr 2017 vor Steuern einen Verlust in Höhe von 28,5 Mio. € erwirtschaftet zu haben.

Die Alno-Aktie stürzte heute nach der Insolvenz-Ankündigung um über 50% ab. Allerdings notierte die Alno-Aktie schon vor der heutigen Meldung im Centbereich.

Das Beispiel Alno zeigt Ihnen: Auch im deutschen Mittelstand gibt es Verlierer. Die aktive Aktien-Auswahl ist im Nebenwerte-Segment fast noch wichtiger als bei den großen DAX-Standard-Aktien.

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Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.