Künftige EZB-Chefin verspricht ultra-lockere Geldpolitik

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Anfang November wird die Französin Christine Lagarde ja den Italiener Mario Draghi an der Spitze der EZB ablösen. Eine geldpolitische Trendwende ist aber nicht in Sicht. (Foto: Alexandros Michailidis / shutterstock.com)

Noch vor einigen Monaten war die Hoffnung der arg gebeutelten deutschen Sparer relativ groß, dass im Verlauf des Jahres 2019 zumindest eine kleine Trendwende in der Geldpolitik der EZB einsetzt. Wir haben an der Stelle ja in den vergangenen Wochen mehrmals darauf hingewiesen, dass diese Hoffnung faktisch begraben werden muss.

Mario Draghi geht in die Geschichtsbücher ein

Der Italiener Mario Draghi wird ja als der Notenbanker in die Geschichtsbücher eingehen, der im Verlauf seiner achtjährigen Amtszeit kein einziges Mal die Zinsen angehoben hat. Das spricht schon für sich. Gut möglich, dass er noch vor dem Ende seiner Amtszeit weitere unorthodoxe Maßnahmen verkünden wird.

Insidern zufolge könnte die Draghi-EZB schon in dieser Woche ein neues Maßnahmenbündel beschließen. Reuters zufolezbge seien eine weitere Absenkung des Einlagensatzes einhergehend mit Erleichterungen für Banken sowie eine erneute Änderung des Zinsausblicks Teil des Pakets. Ferner seien neue Anleihenkäufe im Gespräch.

Lagarde verspricht Fortsetzung der Draghi-Politik

Ab November wird ja die Französin Christine Lagarde das Zepter von Draghi übernehmen. Bei ihrem jüngsten Auftritt vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des EU-Parlaments sprach sie sich eindeutig für eine Fortsetzung der Tiefzinspolitik von Notenbankpräsident Mario Draghi aus. Die Wirtschaft in der Euro-Zone sei laut Lagarde auf kurze Sicht mit einigen Risiken konfrontiert. Die Inflation im Währungsraum sei anhaltend zu niedrig und liege unter der Zielmarke. Sie stimme daher mit der EZB überein, dass eine hochgradig konjunkturstützende Geldpolitik für eine längere Zeit gerechtfertigt sei.

Widerstand aus der Bankenwelt

Interessant ist nun, dass es vermehrt ablehnende Stimmen aus der Bankenwelt gibt. Reuters schreibt sogar, dass die Banken gegen diese Geldpolitik Sturm laufen würden. Der Vorstandschef der Commerzbank, Martin Zielke, kritisierte, dass diese Politik weder nachhaltig noch verantwortungsvoll sei. Selbst der Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, Larry Fink, betonte, dass die negativen Zinsen der großen Mehrheit der Verbraucher, die ihr Geld auf Bankkonten liegen haben, schaden würden. Und last but not least sprach der Chef der angeschlagenen Deutschen Bank, Christian Sewing, davon, dass diese Niedrigzinsen langfristig das Finanzsystem ruinieren würden.

Ja, liebe Leser, bei vielen deutschen EU-Abgeordneten kam indes der Auftritt von Lagarde mit der Aussicht auf den Dauer-Nullzins hervorragend an. Lagarde wolle die Niedrigzinspolitik der EZB weiterführen. Das sei ein positives Zeichen. Das war laut Reuters die Aussage des SPD-Europaabgeordneten Joachim Schuster. Solange viele EU-Staats- und Regierungschefs keine deutlich größere Verantwortung für die Konjunktur und die Stabilität des Euro übernehmen würden, können wir Schuster zufolge froh sein, wenn zumindest die EZB Kurs halten werde.

Ja, die EZB wird mit breiter unausgesprochener Unterstützung aus der Politik diesen geldpolitischen Kurs fortsetzen. Bis auf weiteres. Stellen Sie sich darauf ein!

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Günter Hannich
Von: Günter Hannich. Über den Autor

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