Künstliche Intelligenz (KI): Intel übernimmt israelisches KI-Start-Up Habana Labs

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Der Chip-Hersteller Intel hat wieder in Israel zugeschlagen. Für stolze 2 Mrd. US-Dollar hat der Konzern aus dem Silicon Valley das KI-Start-Up Habana Labs übernommen. (Foto: KYTan / Shutterstock.com)

Der US-Prozessor-Hersteller Intel Corporation hat wieder zugeschlagen: Gestern gab der Konzern bekannt, dass er mit den Habana Labs aus Tel Aviv ein weiteres Unternehmen aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz übernommen hat. Der Chip-Hersteller aus dem Silicon Valley legt für den KI-Prozessor-Hersteller stolze 2 Mrd. USD auf den Tisch.

Wachstumsmarkt KI

Da die Umsätze auf dem PC-Markt seit einiger Zeit stagnieren setzt Intel zunehmend auf den Verkauf von KI-Prozessoren an Rechenzentren. Dass ist auch meiner Meinung nach die richtige Strategie, denn im KI-Sektor konnte Intel laut eigenen Angaben seine Umsätze im Vergleich zum Vorjahr um +20% auf mehr als 3,5 Mrd. USD steigern.

Der KI-Bereich soll sich auch in den nächsten Jahren sehr positiv weiter entwickeln: Der Konzern aus Santa Clara/Kalifornien erwartet, dass der schnell wachsende KI-Chipmarkt bis 2024 sogar die 25 Milliarden-Dollar-Grenze überschreiten wird.

Intel setzt auf Künstliche Intelligenz

“Diese Akquisition treibt unsere KI-Strategie voran, die darauf abzielt, unseren Kunden Lösungen für alle Anforderungen anzubieten – vom High-End-Gerät bis zum Rechenzentrum”, sagt Navin Shenoy, Vize-Präsident und General Manager der Data Platforms Group bei Intel.

“Genauer gesagt, Habana wertet unsere KI-Angebote für das Rechenzentrum mit einer leistungsstarken Schulungsprozessorfamilie und einer standardisierten Programmierumgebung auf, um den sich ändernden KI-Workloads gerecht zu werden.”

Kaum Auswirkungen am Aktienmarkt

Die Nachricht über den Kauf von Habana wurde an den Börsen wohlwollend zur Kenntnis genommen, hatte aber keine größeren Auswirkungen auf den Kurs des Chip-Riesen aus dem Silicon Valley. Die Intel-Aktie legte im vorbörslichen Handel um +0,9% zu und stieg auf 58,30 USD.

Habana Labs im Portrait

Habana ist ein israelisches KI-Prozessorunternehmen, das erst im Jahr 2016 gegründet wurde. Das Start-Up hat Niederlassungen in Tel Aviv, San Jose, Peking und Danzig, Polen. Das Unternehmen stellt leistungsstarke KI-Prozessoren – darunter den noch in der Testphase befindlichen Schulungsprozessor Gaudi und den bereits im Handel erhältlichen Inferenzprozessor Goya – her.

Das Start-Up-Unternehmen hat in mehreren Finanzierungsrunden bisher 120 Mio. USD eingeworben. Eine dieser Runden wurde Intel Capital geführt und brachte im vergangen Jahr 75 Mio. USD ein.

Mehrere Übernahmen im KI-Bereich

Intel hat in den letzten Jahren bereits diverse KI-bezogenen Akquisitionen getätigt. So übernahm Intel im März 2017 den israelischen Hersteller von Fahrerassistenzsystemen Mobileye für satte 15,3 Mrd. USD. Im September 2016 erwarb Intel den kalifornischen KI-Chip-Entwickler Movidius.

Einen Monat vorher hatte Intel bereits die in San Diego ansässige Nervana Systems, einen KI-Software-Entwickler, für 408 Mio. USD gekauft. Bereits 2015 übernahm Intel die Altera Corporation, einen Hersteller von programmierbaren Logikbauteilen (PLDs) aus San Jose/Kalifornien, für 16,7 Mrd. USD.

Im März 2019 verlor Intel einen Bieterwettstreit um den israelischen Chiphersteller Mellanox. Der Grafikprozessoren-Entwickler Nvidia gewann das Wettbieten und konnte die Israelis für stolze 6,9 Mrd. USD übernehmen.

Wie es weitergeht

Habana bleibt auch nach der Übernahme eine eigenständige Geschäftseinheit des Intel-Konzerns und wird auch in Zukunft vom derzeitigen Managementteam geleitet werden. Das Start-Up bleibt in Israel ansässig, wo Intel bereits mit fünf Produktionsstätten vertreten ist.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.