Kuka-Aktie: Roboter-Konzern schaltet nach jahrelanger Kursrally einen Gang runter

Liebe Leser,

irgendwann ist auch die schönste Party mal zu Ende. Nach den saftigen Kursanstiegen der vergangenen Jahre scheint das auch beim deutschen Robotik-Konzern Kuka der Fall zu sein. Seit dem Sommer 2009 explodierten die Papiere regelrecht um über 700% und erreichten im Dezember 2015 mit 85 Euro ihren vorläufigen Höhepunkt.

Doch mit den Neunmonatszahlen begann sich das Blatt zu wenden. Die organische Wachstumsdynamik verliert offenbar an Schwung. Die Reaktion der Anleger fiel deutlich aus. In einem ohnehin turbulenten Marktumfeld gaben die Papiere spürbar nach. Mittlerweile notiert die Kuka-Aktie knapp 20% unter ihrem Allzeithoch.

Experten sehen weiter deutliches Marktwachstum

Der Absatz von Industrierobotern erlebt derzeit weltweit ein heftiges Wachstum. Die International Federation of Robotics (IFR) rechnet nach dem Rekordjahr 2014 mit anhaltend robusten Zuwächsen.

Bis 2018 soll der Absatz von Industrierobotern weltweit jedes Jahr im Schnitt um 15 % zulegen. Dabei entfallen 70 % des Absatzvolumens auf die fünf größten Märkte: China, Japan, USA, Südkorea und Deutschland.

Der wichtigste Treiber ist der zunehmende Wettbewerb in der industriellen Fertigung. Nehmen Sie die sprunghaft ansteigende Automatisierung in China. Der Druck für die Firmen ist hoch, da die Lohkosten in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert sind. Dementsprechend setzen die Konzerne zunehmend auf Roboter. In 2014 stieg der Absatz von Industrierobotern im Reich der Mitte immerhin um 56%.

Kuka mit durchwachsenen Auftragseingängen

Das organische Auftragseingangswachstum für den Kuka-Konzern lag nach neuen Monaten nur bei einem Plus von etwas über 2%. Das liegt allerdings nicht am Robotik-Bereich, mit dem Kuka rund 40% der Erlöse erzielt. Denn hier ging es bei den Auftragseingängen um 9% nach oben.

Der Grund für die schwache Entwicklung lag im zweiten Geschäftsbereich der Augsburger. Im Geschäftsfeld „Segment Systems“ (Auftragseingang -2%) bietet Kuka automatisierte Produktions- und Montagelösungen an.

Swisslog-Übernahme noch hinter den Erwartungen

In den vergangenen Jahren war Kuka stark von der Automobilindustrie abhängig. Immerhin erzielte der Maschinenbauer hier 70% seiner Umsätze. Aus diesem Grund ging die Firma im Herbst 2014 auf Einkaufstour und übernahm den schweizerischen Roboterhersteller Swisslog. Das ließen sich die Augsburger stolze 280 Millionen Euro kosten.

Die Technologiefirma aus der Schweiz entwickelt unter anderem Automatisierungslösungen für Krankenhäuser. Auch wenn der Preis nicht gerade günstig war (das 14,3-Fache des operativen Ergebnisses) so kam Kuka seinem doch Ziel näher. Durch den Zukauf werden mittleweile 50% der Erlöse außerhalb der Automobilindustrie erwirtschaftet.

Laut der Konzernführung verläuft die Integration zwar nach Plan, das Volumen der Neuaufträge liegt jedoch noch unter den Erwartungen.

Management peilt sportliche Ziele an

Trotz der Durststrecke bei den Auftragseingängen zeigt sich der Konzern auf lange Sicht optimistisch. Bis 2020 will Kuka die Erlöse auf 4 bis 4,5 Milliarden Euro steigern und zwar ohne Übernahmen. Für Sie zum Vergleich – in 2014 wurden „gerade“ einmal 2,09 Milliarden Euro eingenommen.

Die Prognose könnte sich aber als etwas optimistisch erweisen. Denn damit müsste der Maschinenbauer ähnlich hohe organische Zuwachsraten wie seit 2012 erreichen. Damals trieben aber neben steigenden Automobilinvestitionen auch ein regelrechter Boom in China und der schwächelnde Euro die Geschäfte an.

Analysten mit verhaltener Einschätzung

Bei den Analysten zeigt sich unterdessen ein ziemlich durchwachsenes Bild. Der Großteil der Experten rät zum Halten oder Verkaufen der Aktie. Lediglich zwei von 24 Analysten sehen auf derzeitigem Niveau Kaufkurse. Trotz des Kursrückgangs wird die Aktie immer noch mit dem 21-Fachen der erwarteten Gewinne für 2016 bewertet.

Das ist vielen ein Dorn im Auge. Stören scheint dies aber offenbar nicht die strategischen Investoren. Mit Midea ist im letzten August ein chinesischer Klimaanlagenhersteller bei Kuka eingestiegen und ist mittlerweile mit gut 5% der drittgrößte Aktionär des Konzerns.

Herzliche Grüße

Ihr Rene König

1. Februar 2016

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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