Invest Messe Stuttgart, von 05. bis 06. April 2019

Kuka-Aktie: Roboterhersteller senkt erneut die Prognose

KUKA Roboter Fabrik RED – shutterstock_350379461 Andrei Kholmov

Der Roboterhersteller Kuka kappt erneut die Prognose und enttäuscht Anleger. Starker Gegenwind in China und der Automobilbranche sind die Gründe. (Foto: Andrei Kholmov / Shutterstock.com)

Vor gut zwei Wochen hatte ich Ihnen schon einmal über Kuka berichtet und erklärt, warum die Squeeze Out-Wette einiger Investoren kräftig in die Hose ging. Immerhin krachte der Kurs der Papiere von 250 Euro bis zwischenzeitlich 46 Euro in den Keller, wohlgemerkt in nicht einmal eineinhalb Jahren. Darauf folgte zwar eine Gegenbewegung von der in der Spitze 30%, die aber Ende vergangener Woche abrupt gestoppt wurde. Denn Kuka-Interimschef Peter Mohnen musste die Prognose zum zweiten Mal die Prognose für 2018 zurechtstutzen.

Jahresziele nochmals gekappt

Ganz ursprünglich war der Augsburger Roboterhersteller, der sich jetzt zur großen Mehrheit (94,6%) in den Händen des chinesischen Eigentümers Midea befindet, noch von einem Jahresumsatz von 3,5 Milliarden Euro ausgegangen. Dabei sollte die Vorsteuergewinnmarge (EBIT) bei rund 5,5% liegen.

Dann sollte es bei Erlösen von rund 3,3 Milliarden Euro nur noch eine EBIT-Marge von rund 4,5% rausspringen. Doch auch das war offenbar zu hoch gegriffen. Jetzt peilt Firmenboss Mohnen nur noch einen Umsatz von 3,2 Milliarden Euro an. Auch das Margenziel wird nochmals deutlich um 1,5 Prozentpunkte auf nunmehr 3% zurückgeschraubt. Für Sie zum Vergleich: Im vergangenen Jahr lag die Vorsteuermarge noch bei 4,3% und der Umsatz bei 3,5 Milliarden Euro.

Mittelfristplanung ebenfalls passe

Was die Anleger aber besonders enttäuscht hat: Es handelt sich offenbar nicht nur um ein temporäres Problem. Denn auch die Planungen für 2020, die aus dem Jahr 2015 stammen, sind jetzt Makulatur und laut der Konzernführung nicht mehr erreichbar. Weder der avisierte Umsatz von 4 bis 4,5 Milliarden Euro noch die operative Gewinnmarge von 7,5% sind mehr realistisch, so der Konzern in der Pressemeldung.

Einbruch in China ist schuld

Als Grund für die Anpassung der Prognose verweist Kuka auf den Nachfrageeinbruch in China. Dort seien die Wachstumsraten so gering wie seit der Finanzkrise vor zehn Jahren nicht mehr. Zugleich sorgt die Entwicklung in der Automobil- und Elektronikindustrie für spürbaren Gegenwind.

Sie müssen wissen: Mit diesen Sektoren fährt Kuka rund die Hälfte der gesamten Erlöse ein. Jede Abkühlung in diesem Bereich hat daher deutliche Auswirkungen. Aber damit nicht genug. Denn offenbar kam es auch zu Fehlschlägen im Projektgeschäft, die sich jetzt negativ auswirken.

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Kuka greift zum Rotstift

Deshalb setzt der Roboterspezialist jetzt den Rotstift an und peilt umfangreiche Effizienzmaßnahmen an. Vor allem in Zentralbereichen wie der Verwaltung, dem Einkauf, dem Vertrieb und dem Projektmanagement . So sollen bis 2021 rund 300 Millionen Euro eingespart werden. Dabei machte der Interims-Chef Petre Mohnen klar, dass hierfür auch Personalmaßnahmen notwendig sein werden.

Wie stark diese Personalkürzungen ausfallen, wird sich erst noch zeigen müssen. Denn bei der Übernahme vor 2 Jahren hat der chinesische Hausgerätehersteller noch Beschäftigungsgarantien bis 2023 für 14.000 Mitarbeiter gegeben.

Zusammenarbeit mit Midea ausbaufähig

Seit der Übernahme des deutschen Aushängeschilds der Roboterbranche läuft es nicht wirklich rund. Weder der Geschäftsausbau in China noch die Entwicklung von Robotern für Midea läuft offenbar wie geplant. Langsam scheint daher auch die Midea-Führung zu realisieren, dass sie für die Übernahme einen stolzen Preis gezahlt hat.

Immerhin liegt der aktuelle Börsenkurs rund 50% unter dem gezahlten Übernahmepreis. Sie können daher wohl davon ausgehen, dass der Mehrheitseigner jetzt deutlich die Daumenschrauben anzieht. Dafür spricht auch der massive Aderlass im Management. Zuletzt hatten zahlreiche Führungskräfte das Handtuch geschmissen und den Konzern verlassen.

Fazit: Es kriselt weiter bei Kuka. Ob daran das geplante Sparprogramm und die Ausweitung der Produktpalette auf kleinere Roboter für den chinesischen Markt etwas ändert, wird sich erst noch zeigen müssen. Vor dem Hintergrund der Personalrotation, der rückläufigen Ergebnisse und der weiterhin nicht ausgesprochen günstigen Bewertung eignen sich die Papiere daher nur für hochspekulative Anleger.


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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.