Kunstmarkt: Gefahr einer Spekulationsblase wächst

An dieser Stelle finden Sie freitags im „Schlussgong“ stets meine Börsenmeldung der Woche. Heute geht es dabei ausnahmsweise nicht um Aktien, Anleihen, Währungen, Rohstoffe oder Edelmetalle. In einer anderen Anlageklasse wurde ein neuer Weltrekord erreicht.

In diesen Tagen findet in New York eine Auktionsserie statt, bei der Kunst im Gesamtwert von schätzungsweise 2,5 Mrd. US-Dollar angeboten wird. Im Rahmen dieser Auktionsserie wurden bereits erste Rekorde gebrochen. So wurde beispielsweise ein Bild des spanischen Malers Pablo Picasso für 179 Mio. US-Dollar versteigert.

Es handelt sich dabei um Picassos Version „O“ der Serie „Les Femmes d´Alger“. Dieses Bild ist das teuerste Kunstwerk, das jemals in einer Auktion verkauft wurde. Diese neuen Rekorde zeigen, wie rasant sich der Kunstmarkt preislich entwickelt.

Besonders deutlich wird diese Entwicklung, wenn wir die Preisentwicklung des angesprochenen Picasso-Kunstwerkes betrachten: Im Jahr 1997 soll ein Sammler dieses Werk über einen Agenten aus einer berühmten amerikanischen Sammlung gekauft haben – für 32 Mio. US-Dollar.

Das bedeutet, dass der Preis innerhalb von 18 Jahren um rund 460% gestiegen ist. Noch beeindruckender ist die Wertsteigerung der Bilder des amerikanischen Künstlers Andy Warhol. Seine Werke verteuerten sich seit 2004 um durchschnittlich 500%.

Ein Vergleich: Kunstmarkt versus Aktienmarkt

Derartige Wertsteigerungen am Kunstmarkt lassen den Aktienmarkt alt aussehen. Denn von Wertentwicklungen, wie der, der Warhol-Bilder, kann beispielsweise der DAX – trotz sehr positiver Entwicklung – nur träumen.

Doch auch Bilder anderer Nachkriegs- und Gegenwartskünstler haben ihren Wert seit der Jahrtausendwende enorm steigern können. So sehr, dass Experten bereits unruhig werden. Droht irgendwann das Platzen einer Blase oder – wenn Sie so wollen – ein Crash auf dem Kunstmarkt?

„Die Preise für Contemporary Art haben einen kritischen Wert überschritten. Es herrscht eine Spekulationsmanie, auf die in der Vergangenheit meist ein Crash folgte“, zitiert das „manager-magazin“ Roman Kräussl, Finanzmarktökonom an der Luxembourg School of Finance und Autor des manager-magazin-Kunstindex. Auf Grundlage dieses Index fürchtet Kräussl, dass ein solcher Crash schon bald kommen könne.

Anzeichen einer Blasenbildung

Anzeichen einer Blasenbildung am Kunstmarkt sind für mich deshalb zu beobachten, weil Preise immer häufiger nicht mehr hinterfragt werden. Wenn Preisniveau und Preisentwicklung den Käufern schlicht egal sind, ist aus meiner Sicht eine Blasenbildung zu erkennen.

 

Anders sieht es am Aktienmarkt aus: Hier war zum Beispiel in Deutschland in den vergangenen Tagen genau das Gegenteil zu beobachten. Viele Investoren und Anleger bewerten den 20%-Kurssprung aus dem 1. Quartal 2015 kritisch und trennen sich von Aktien, um Gewinne mitzunehmen oder halten sich mit Kaufentscheidungen zurück.

 

Am heimischen Aktienmarkt kann also keine Rede davon sein, dass Preisniveau und Preisentwicklung keine Rolle spielen. Daher gibt es hier auch keinerlei Anzeichen einer Blasenbildung – zumindest nicht, was den breiten Aktienmarkt angeht. In einigen Teilmärkten mag dies anders aussehen.

 

Fazit: Solange aus einem Ballon (Blase) immer wieder Luft abgelassen wird (durch Preiskorrekturen), ist ein Crash relativ unwahrscheinlich. Und diese Preiskorrekturen sind am Aktienmarkt regelmäßig zu beobachten (Oktober 2014, April/Mai 2015), nicht jedoch auf dem Kunstmarkt.

 

Daher mein Fazit: Wenn Sie Geld anlegen wollen, bietet Ihnen aktuell der Aktienmarkt ein besseres Chancen-Risiko-Verhältnis als der Kunstmarkt.

15. Mai 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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