Kupfer: Hohe Diebstahlrate belastet Bahn und Verbraucher

Wir beschäftigen uns heute mit den negativen Konsequenzen des hohen Kupferpreises: dem in ganz Europa stark steigenden Kupferdiebstählen.

Die dunkle Seite des Kupfers: Allein der Dieb profitiert, der Bahnkunde wartet und die Allgemeinheit zahlt drauf

Bahnkunden kennen diese Situation zur Genüge: Man hat es eilig, will zum Flughafen oder ganz einfach nur morgens zur Arbeit zu kommen oder ein wichtiges Geschäftstreffen nicht verpassen, aber der Zug steht mitten auf der Strecke plötzlich still und dann geht für lange Zeit gar nichts mehr.

Wenn dann vom Zugbegleiter eine Signalstörung als Ursache durchgesagt wird, dann muss nicht notwendigerweise der Einsatz einer veralteten Technik Schuld an der Verspätung sein. Immer öfter sind es Kupferdiebe, die den Bahnverkehr für Stunden lahmlegen und zu Zugausfällen und erheblichen Verspätungen führen.

Seit die Preise für Kupfer immer neue Hochs erreicht haben, gewinnt das Kupfer unter Dieben zunehmend an Popularität. Für Eisenbahngesellschaften in Europa entwickelt sich der Kupferklau immer mehr zu einem Alptraum erster Güte. Egal ob in Italien, Spanien, Frankreich, Belgien Großbritannien oder Deutschland: Die Zahl der Diebstähle steigt proportional zum Kupferpreis.

Kleiner Schaden – große Wirkung

In der Regel schlagen die Diebe des Nachts und an entlegenen Stellen zu. Begünstigt werden sie durch die Struktur des Netzes: Signale und andere Steuerungseinrichtungen befinden sich in einer exponierten, oft schwer zu schützenden Lage und die Kupferkabel, die sie untereinander verbinden, sind relativ leicht zugänglich.

Der Dieb durchschneidet das Kabel und entwendet unter Umständen mehrere hundert Meter Kupferkabel. Für die Bahnen entsteht der größte Schaden aber erst, wenn der Dieb den Tatort längst verlassen hat. Das gestohlen Kupferkabel zu ersetzen ist natürlich ärgerlich und wird bei den steigenden Kupferpreisen auch immer teurer, doch viel schwerer wiegen die Folgeschäden.

Ein Signal, das von seinem Kabel getrennt wurde, schaltet aus Sicherheitsgründen automatisch auf rot. Die Strecke ist somit für Stunden gesperrt. Zumindest solange bis der Kabelschaden wieder repariert werden kann. Nachfolgende Züge können den Gleisabschnitt nicht befahren, obwohl er eigentlich frei wäre.

Zahl der Verspätungen steigt proportional zum Kupferpreis

Das führt zu extremen Verzögerungen, die besonders oft Pendler betreffen, weil diese am Morgen nur verspätet zur Arbeit kommen, nachdem in der Nacht zuvor Kupferdiebe die von ihnen befahrene Strecke heimgesucht haben.

Im vergangenen Jahr waren Kupferdiebstähle an Europas Bahnanlagen die Ursache für mehr als 10.000 Stunden Verspätung und Gesamtschäden im zweistelligen Millionenbereich. Aufgrund der inzwischen höheren Kupferpreise wird für 2011 mit einem deutlich höheren Schaden gerechnet.

Die Diebstähle nehmen zu, obwohl die Bahngesellschaften verstärkt in Sicherheitstechnik sowie eine fortlaufende Überprüfung ihrer Anlagen investieren und der Raub selber auch für die Diebe nicht ganz ungefährlich ist. Schon so mancher Langfinger lag am Ende des Coups statt mit dem Kupfer auf der Flucht zu sein tot im Gleisbett.

Die Gegenmaßnahmen laufen an

Der Kampf gegen die Kupferdiebe ist längst zu einer Art Krieg geworden. Geführt wird er von den Bahngesellschaften mit trickreichen Innovationen und Hightech. Mit Wärmebildkameras ausgestattete Hubschrauber fliegen nachts entlang der gefährdeten Strecken und es sollen Kabel entwickelt werden, die beim Herausreißen schneller brechen. Ein Dieb könnte also bei einem seiner Raubzüge in Zukunft nicht mehr so viel Kupfer entwenden wie bisher, wodurch für ihn die Attraktivität des Diebstahls merklich sinkt.

Für die Bahnen bleibt aber auch in diesem Fall das Problem des Folgeschadens. Egal ob ein Dieb nur einen Meter Kupferkabel entwendet oder mehrere hundert Meter: Das nachfolgende Signal schaltet sofort auf Rot und der Zugverkehr wird empfindlich beeinflusst. Entdeckt wird der Schaden oft erst am nächsten Morgen, dann ist nicht nur der Dieb über alle Berge, sondern in der Regel auch wertvolle Zeit verloren um den Berufsverkehr dennoch störungsfrei abwickeln zu können.

Schäden in Millionenhöhe

Jede Bahngesellschaft beziffert die Kosten durch Kupferdiebstahl etwas anders. Allen gemeinsam ist jedoch, dass die Zahlen steigen und das Problem immer drängender wird. In Frankreich waren im vergangenen Jahr beispielsweise 132 Millionen Fahrgäste betroffen. Es gab 5.800 Stunden Verspätung, das dreifache dessen was noch im Jahr 2009  an Schäden zu registrieren war und die Gesamtkosten stiegen von 20 Mio. Euro in 2009 auf 30 Mio. Euro in 2010.

Dass die Diebe nicht nur an entlegenen Strecken fernab in der Provinz ihrem zweifelhaften Geschäft nachgehen, belegt ein Zwischenfall aus Italien. In Rom legten Kupferdiebe den Zubringerverkehr zum internationalen Flughafen Fiumicino lahm und verursachten bei einzelnen Zügen Verspätungen von bis zu 60 Minuten.

Insgesamt beklagte die italienische Eisenbahngesellschaft im vergangenen Jahr 45.000 Minuten Verspätungen, die auf das Konto von Kupferdieben gingen. Dass es in diesem Jahr trotz der eingeleiteten Schutzmaßnahmen besser wird, ist nicht anzunehmen. Obwohl das Jahr noch nicht einmal zu einem Drittel vergangen ist, wurden bereits 10.000 Minuten Verspätung registriert.

Helfen würde den Bahngesellschaften nur ein drastisch fallender Kupferpreis. Den sähen wohl auch andere Kupferverbraucher gerne, doch danach sieht es momentan nun wirklich nicht aus und die Geduld der Berufspendler und anderen Zugreisenden wird wohl noch auf so manche Probe gestellt werden.

Man kann allerdings auch ganz legal vom steigenden Kupferpreis profitieren. Wie das geht, das zeigt meine Kollegin Ingrid Heinritzi in ihrem Rohstoffdepot immer wieder. Kupfer ist eines ihrer zentralen Themen und es liegt bereits so manches „heiße Eisen“ im Depot. Mir gefällt besonders eine Aktie, deren Namen ich Ihnen hier an dieser Stelle mit Rücksicht auf die Leser dieses Informationsdienstes leider nicht nennen kann. Nähere Informationen zu diesem Wert und zum Rohstoff-Depot finden sie hier.

5. Mai 2011

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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