Kupferbergbau als Chance für die Lausitz

Wäre die DDR vor zwanzig Jahren nicht untergegangen, in der Lausitz würde vermutlich bereits seit den 90er Jahren Kupfer gewonnen. Rohstoffe, die aus dem Ausland eingeführt werden mussten, kosteten Devisen und weil die in der DDR immer Mangelware waren, wurden auch die Alternativen im eigenen Land einer kritischen Prüfung unterzogen. Am Ende stand der Plan die Kupferschiefervorkommen der Lausitz ausbeuten zu wollen. Empfindlich gestört wurde er durch die Wende. Nach dem Fall der Mauer waren Devisen nicht mehr das große Problem und zudem waren die Rohstoffpreise zu dieser Zeit noch vergleichsweise niedrig. Das Projekt Kupferbergbau in der Lausitz verschwand schnell wieder in den Schubladen.

Inzwischen sind gut 20 Jahre ins Land gegangen und vieles hat sich verändert. Chinas Aufstieg steht exemplarisch für das Bemühen der asiatischen Staaten wirtschaftlich und technologisch aufzuschließen und den westlichen Lebensstandard zu erreichen. Da der westliche Lebensstil sehr rohstoffintensiv ist, steigen in allen Bereichen die Preise seit die chinesische Wirtschaft wie ein übergroßer Staubsauger Rohstoffe für die laufende Produktion und zum Aufbau eines strategischen Lagers aufzukaufen beginnt.

Höhere Kupferpreise ermöglichen rentablen Abbau

Die gestiegenen Kupferpreise machen nun auch kleinere Projekte, für die sich Anfang der 90er Jahre niemand so recht interessierte, wieder interessant. Neben den gestiegenen Preisen, die einen wirtschaftlichen Abbau des Kupferschiefers in der Lausitz erst ermöglichen, kommt mit dem Stichwort „Versorgungssicherheit“ ein weiterer Aspekt hinzu, den zu Wendezeiten noch niemand auf seinen Radarschirmen hatte. Überall in der Welt sichern sich insbesondere chinesische Einkäufer den Zugriff auf wichtige Rohstofflagerstätten. Lange Zeit sah der Westen tatenlos zu. Die eigene Versorgung schien gesichert, doch inzwischen ist man aufgewacht und auch die deutsche Industrie sieht Handlungsbedarf. Schließlich will man nicht in einigen Jahren die eigenen Werkstore schließen müssen, weil nicht mehr genügend Rohstoffe ins Land kommen, während gleichzeitig in China und Indien fleißig weiterproduziert wird.

Wie stark die Preise für Industriemetalle in den vergangenen Jahren gestiegen sind, das geht zuweilen sogar aus den hiesigen Polizeiberichten hervor. Immer wieder werden Baustellen geplündert oder Bahnkabel entwendet. Vor 20 Jahren hätte sich kein Dieb die Mühe gemacht 1.500 Meter Oberleitungskabel zu stehlen. Heute stehen nach derartigen Aktionen die Züge der Deutschen Bahn am nächsten Morgen zeitweise still. Auf mindestens 50.000 Euro bezifferte die Polizei den unmittelbaren Schaden allein für das entwendete Kabel. Hinzu kommen die Verluste der Bahn und der Wirtschaft durch die Verspätungen am nächsten Morgen.

Vor allem in der zweiten Hälfte dieser Dekade haben die Preise für Industriemetalle stark angezogen. Eine Tonne Kupfer kostete beispielsweise 2004 noch weniger als 4.000 US Dollar, Experten rechnen damit, dass die Preise allein bis Jahresende auf 6.800 US Dollar steigen werden. Hält die positive wirtschaftliche Entwicklung in 2011 an, könnten wir in gut 15 Monaten Preise sehen, die nochmals 1.000 US Dollar höher liegen. Vor diesem Hintergrund werden auch die Kupfervorkommen der Lausitz schnell wieder interessant.

Auch Nebenprodukte sind interessant

Ausbeuten möchte die Lagerstätten das in Panama ansässige Unternehmen Minera S.A. Es hat dazu bereits ein deutsches Tochterunternehmen die „Kupferschiefer Lausitz GmbH“ (KSL) mit Sitz in Spremberg gegründet. Geplant ist ab etwa 2012 in rund 1.400 Metern Tiefe mit dem Abbau von Kupfer zu beginnen. Das zuständige brandenburgische Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe hat die Genehmigung für einen Abbau im Mai diesen Jahres erteilt.

Vorrangiges Ziel des Bergbaus wird das im Boden lagernde Kupfer sein. Probebohrungen der KSL konnten eine Ressource von 215 Mio. Tonnen Kupfererz nachweisen. Als Nebenprodukte beim Abbau werden 89.000 Tonnen Blei, 36.000 Tonnen Zink und etwa 4.500 Tonnen Silber erwartet. Hinzu kommen kleinere Mengen Nickel, Platin, Palladium und Gold sowie die Metalle Germanium, Indium und Gallium. Auch die seltene Erde Neodymium findet sich tief im Boden der Lausitz.

Auf die Alarmrufe der deutschen Industrie hat inzwischen auch die Politik reagiert. Mit dem raschen Aufbau einer deutschen Rohstoffagentur versucht das Bundeswirtschaftsministerium der deutschen Industrie auch in Zukunft den Zugriff auf wichtige Schlüsselrohstoffe zu erhalten. Derweil sieht man in Spremberg den Bergbau als Chance die Region wirtschaftlich zu stärken. Rund 1.000 Arbeitsplätze würde das Bergbauprojekt unmittelbar schaffen, weitere 2.000 werden im Umfeld des Abbaus vermutlich noch einmal hinzukommen. Das sind wichtige Argumente für eine wirtschaftlich eher schwache Region, die gegen Überalterung und die Abwanderung der Jugend kämpft.

10. September 2010

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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