Kurse der WGF-Anleihe weiterhin deutlich unterhalb von 100 %

Vor rund zwei Monaten, hatte ich im Rahmen dieser Publikation über einen Aufsehen erregenden Fall von Kursverlusten bei Unternehmensanleihen berichtet.

Es handelt sich um die Anleihen des Düsseldorfer Immobilienunternehmens WGF AG, welche im Zuge einer negativen Berichterstattung deutlich nachgegeben hatten.

So hatte eine Düsseldorfer Kanzlei die schweren Vorwürfe erhoben, WGF hätte die veralteten Ratings ihrer ausstehenden Anleihen nicht erneuert worden seine. Gleichzeitig war die Rede von einem Versuch des Unternehmens, einen „beschönigenden Eindruck“ ihrer Anleihen zu vermitteln.

Kursrückgänge von 30 Prozent nach Kommentar eines Anwalts

Relativ schnell nach dem Kommentar des auf Kapitalanlagerechts spezialisierten Anwalts, hatten die Kurse der WGF-Anleihen deutlich nachgegeben. Dabei waren Volatilitäten zu beobachten, welche in der Regel eigentlich nur bei risikoreichen Aktienanlagen vorherrschen. Mit Kursrückgängen von 30 Prozent an nur einem Tag, hatten die Märkte eine deutliche Reaktion gezeigt.

Laut einer Pressemitteilung des Unternehmens wurde dieser Vorgang an die BaFin weitergeleitet, denn es wird befürchtet, dass die Kurse auch ein Ergebnis von Marktmanipulationen gewesen sein könnten.

So wären die drastischen Kursrückgänge keineswegs durch die Fundamentaldaten der Gesellschaft begründbar. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die WGF allen bisher anfallenden Zins- und Tilgungsverpflichtungen nachgekommen war, sind die Marktbewegungen aus Sicht der Gesellschaft nicht nachvollziehbar.

Veraltete Ratings sollen erneuert werden

Gleichzeitig wurde auf den Kommentar des Anwalts reagiert und man teilte mit, dass die ausstehenden, veralteten Ratings derzeit überarbeitet werden und bald veröffentlicht werden könnten. Betroffen sind die Anleihen mit den Wertpapierkennnummern A0LDUL, WGFH04 und WGFH05. Das Besondere an diesen Anleihen ist dabei die gerichtliche Bestätigung, wonach Mündelgelder hier angelegt werden können. Mündelsichere Anlagen, gelten dabei als besonders sicher.

Obwohl sich die Situation mittlerweile beruhigt hat, konnten sich Anleihekurse noch nicht so recht erholen. Denn die Kurse, insbesondere der oben erwähnten drei Anleihen haben sich bei etwa 80 Prozent eingependelt und sind immer noch weiter entfernt von den ursprünglichen 100 Prozent.

Dies zeigt, dass bei den Anlegern immer noch ein gewisses Maß an Skepsis vorherrscht. Gleichzeitig steht die Veröffentlichung der neuen, aktualisierten Ratings noch aus. Diese dürften zum ende des dritten Quartals 2011 veröffentlicht werden.

Gesellschaft sieht Planungen nicht in Gefahr

Laut Angaben der Gesellschaft gibt es keinen Grund zur Sorge. So seien die strategischen Vorhaben für das laufende Geschäftsjahr vollständig in der Umsetzung und damit dürften die vorher kommunizierten Planzahlen gut zu erreichen sein. Viele Investoren werden daher die für Ende des laufenden Monats geplante Veröffentlichung des Halbjahresberichtes 2011 erwarten.

Effektivzins von etwa 20 Prozent

Gesetzt den Fall, dass er der Gesellschaft gelingen wird das Investorenvertrauen wieder zu gewinnen, ist dies ein Paradebeispiel für Effektivzinsen, die über den Nominalzins liegen. Für Käufer der Anleihen mit einem Kaufkurs von 80 % ergäbe sich unter Hinzurechnung der Restlaufzeit ein Effktivzinsniveau von etwa 20 % jährlich.

19. September 2011

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Von: Cosmin Filker. Über den Autor

Der Chefredakteur des Newsletters "Nebenwerte aktuell" kann auf eine jahrelange Börsenerfahrung besonders im Nebenwerte-Bereich zurückblicken und durch seine berufliche Erfahrung beim Researchhaus GBC AG von der täglichen Präsenz am Markt profitieren.

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