Kurstreiber: Jubiläum der berühmten Draghi-Rede

Erinnern Sie sich? – Heute ist es auf den Tag genau 5 Jahre her, dass Mario Draghi 3 Worte sprach, die in die Geschichtsbücher eingingen:

Jubiläum von Mario Draghis Euro-Rede

„Whatever it takes“ sagte EZB-Präsident Draghi am 26. Juli 2012 in London.

„Innerhalb unseres Mandats ist die EZB bereit alles Erforderliche zu tun, um den Euro zu erhalten“, sagte Draghi an jenem Donnerstag auf einer Investoren-Konferenz in London.

„Und glauben Sie mir, das wird ausreichen“, fügte er hinzu.

Mit diesen Worten hat Draghi faktisch eine „Nibelungentreue“ zum Euro und schwächelnden Euro-Ländern ausgerufen und damit den Märkten in dem Moment eine große Last von den Schultern genommen.

Angesichts dieses Jubiläums möchte ich jetzt mit Ihnen einen Blick in den Rückspiegel werfen.

D. h., ich werde Ihnen einen kurzen Überblick über das verschaffen, was im Vorfeld der legendären Draghi-Rede und im Anschluss daran passierte:

Ein Blick in den Rückspiegel

Als Draghi im Juli 2012 in London die berühmten 3 Worte „Whatever it takes“ aussprach, dauerte die Euro-Krise schon fast 3 Jahre an.

Sie begann im Oktober 2009, als der frisch gewählte griechische Premierminister Giorgios Papandreou gestand, dass das Staatsdefizit Griechenlands viel höher sei als von der vorherigen Regierung angegeben.

Daraufhin reagierten die Gläubiger (diejenigen, denen Griechenland Geld schuldete) sehr nervös – und das war nachvollziehbar.

Schließlich lag die Schuldenquote Griechenlands zu diesem Zeitpunkt bereits bei über 100% der Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt = BIP) des Landes.

Die Folge war, dass die Kurse griechischer Staatsanleihen abgestürzt und die Anleihe-Renditen nach oben geschossen sind.

Damit musste zum 1. Mal in der Geschichte der Euro-Zone ein Land deutlich höhere Zinsen zahlen als die anderen Mitglieds-Staaten.

Für ein solches Szenario gab es bei der Europäischen Zentralbank (EZB) keine Musterlösung in der Schublade. Der Grund: Ein solches Szenario war schlichtweg nicht vorgesehen.

Niemand war ernsthaft darauf vorbereitet, dass ein Mitglied der Währungs-Union sich übermäßig verschulden würde und eventuell Insolvenz-Gefahr bestünde.

Es folgten Sparprogramme seitens der Griechen und ein Rettungsschirm seitens der anderen Mitglieder der Euro-Zone.

Doch nichts von alledem konnte die Märkte nachhaltig beruhigen. Somit drohte eine weitere Eskalation der Euro-Krise.

Für den Wendepunkt sorgte dann aber EZB-Chef Draghi mit seiner Rede, die sich heute zum 5. Mal jährt und über die ich eingangs bereits berichtet habe.

Und was folgte dann?

Anleihekäufe und Null-Zins-Politik

Was dann folgt sind die Null-Zins-Politik und die Anleihekäufe, die bis heute anhalten und auch noch eine Weile anhalten werden.

Zunächst wurden die Zinsen Schritt für Schritt gesenkt.

Und dann, Anfang 2015, begann die EZB damit, Staatsanleihen aller Mitgliedsstaaten der Währungs-Union sowie andere Wertpapiere aufzukaufen.

Aktuell liegt der Umfang der Wertpapier-Käufe durch die EZB monatlich bei 60 Mrd. €.

Damit hat es die EZB geschafft den Kapital-Abfluss zu stoppen, die Wirtschaft in der Euro-Zone anzukurbeln und gleichzeitig die Inflation anzutreiben.

Keiner kann sagen, wie es uns heute ergehen würde, wenn Draghi diese berühmten Worten an jenem heißen Sommertag in London im Jahr 2012 nicht ausgesprochen hätte.

Was sich aber mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen lässt, ist, dass er damit den Euro (zumindest für eine gewisse Zeit) gerettet hat.

Auch auf den Aktienmarkt hatte die Draghi-Rede großen Einfluss: Der DAX legte in den Wochen nach der Rede um rund 1.000 Punkte zu.

Und der übergeordnete Aufwärtstrend hält noch bis heute an.

26. Juli 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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