Kursziel Ölpreis: Das wird die Europäer nicht freuen

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Der Ölpreis ist seit Februar kräftig gestiegen – für die Europäer noch stärker. Wie es jetzt weitergeht. (Foto: John Williams RUS / Shutterstock.com)

Dass der Ölpreis seit Mitte Februar kräftig zugelegt hat, dürfte Ihnen nicht verborgen geblieben sein. Hier in Chartanalyse-Trends hatte ich Sie am 17. April dieses Jahres auf die jüngste Beschleunigung der Notierung aufmerksam gemacht.

Der Anstieg von fast +27% in den vergangenen 3 Monaten rief nun die Commerzbank auf den Plan: Ihr führender Ökonom, Jörg Krämer, mahnte vor wenigen Tagen ein daraus resultierendes Risiko für Wirtschaftswachstum und Märkte an.

Wir wollen heute mal schauen, wohin die Reise beim „schwarzen Gold“ noch gehen kann. Außerdem werden Sie erfahren, warum Europa durch den Ölpreisanstieg besonders gefährdet ist.

Commerzbank sieht Risiken aufgrund des Ölpreisanstiegs

Laut Krämer würde den deutschen Haushalten bis zum Jahresende geschätzte -0,7% weniger Einkommen zur Verfügung stehen, wenn der Ölpreis das derzeit erreichte Niveau hält.

Die Wachstumsprognose von +2,0% für Deutschland für das laufende Jahr könne dadurch in Frage gestellt werden. Ohnehin hatten die Commerzbank-Experten ihre Einschätzung Ende 2017 schon um -0,5 Prozentpunkte herabgesetzt.

Europa besonders gefährdet

Diese Gefahr ist in der Tat nicht von der Hand zu weisen. Und nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa könnte von dem Ölpreisanstieg besonders hart getroffen werden.

Das macht Ihnen die folgende Grafik deutlich:

Ölpreis steigt in Euro schneller als in US-Dollar

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Der Ölpreis steigt für uns Europäer nämlich signifikant schneller, als beispielsweise für die US-Amerikaner: Vom Tief im Februar kletterte die Euro-Notierung des Rohstoffs um +33,3%, also mit einer satten Beschleunigung von +6,4 Prozentpunkten gegenüber dem USD-Preis.

Den Grund dafür können Sie der Grafik ebenfalls entnehmen: Der Euro sinkt gegenüber dem US-Dollar seit April 2018 kräftig. Übrigens fand auch hier im Februar ein Trendwechsel statt.

Derzeit ist – außer einer vorübergehenden kurzen Erholung – keine Tendenzumkehr für das Währungspaar absehbar: Die Trendbeschleunigung für den Ölpreis in Euro dürfte mithin noch einige Zeit andauern.

Kursziel Ölpreis: Das wird die Europäer nicht freuen

Doch wohin kann der Ölpreis selbst noch gehen? Dazu habe ich für Sie eine zweite Grafik vorbereitet:

Ölpreis: Mittelfristiger Anstieg auf bis zu 110 USD realistisch

Der Preis für Brent Crude Oil hat mittlerweile fast die 80 USD-Marke erreicht. Doch das muss noch lange nicht das Ende Fahnenstange bedeuten:

Seit dem im Januar 2016 erreichten Mehrjahrestief hat der Ölpreis einen Aufwärtstrendkanal ausgebildet, in dem noch viel Platz ober der Oberseite ist: Notierungen von bis zu 110,00 USD sind keineswegs eine Utopie.

Dann dürfte Commerzbank-Chefökonom Krämer mit seiner Einschätzung bezüglich des Drucks auf die Einkommen der deutschen Haushalte noch deutlich zu niedrig liegen.


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.