Länderbericht Österreich: Der Aufschwung ist in Sicht

Es ist davon auszugehen, dass sich die Wachstumsrate von 0,7% im Jahr 2015 auf rund 1,5% in den Jahren 2016 und 2017 mehr als verdoppeln wird.

Die positiven Aussichten stützen sich auf eine prognostizierte Zunahme des privaten Verbrauchs nach der Steuerreform 2016, durch die das verfügbare Einkommen der Haushalte um bis zu 4% steigen wird. Die beiden größten Triebfedern dieser Beschleunigung dürften der private Verbrauch und die Investitionen in Wohnimmobilien sein.

In diesen Branchen sollten Agrana und UBM Realitätenentwicklung AG besonders profitieren. Die schleppende Investitionstätigkeit war einer der Hauptgründe für das langsame Wirtschaftswachstum in Österreich in den letzten Jahren. Das dürfte sich jedoch jetzt aufgrund des gestärkten Vertrauens, günstiger Finanzierungsbedingungen und des Investitionsstaus bei Ausrüstung deutlich verbessern.

Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern ist der Schuldenstand in Österreich nicht so schnell gewachsen. Sowohl die Haushalte als auch die Nichtfinanzunternehmen konnten ihren Schuldenstand weitgehend auf Vorkrisenniveau von 2008 halten; dabei ging der Schuldenstand der Haushalte sogar leicht zurück, während die Nichtfinanzunternehmen ihre Schulden leicht erhöhten.

Banken mit Gewinnen, aber weiteren Herausforderungen

Der österreichische Bankensektor ist zwar widerstandsfähiger geworden, hat allerdings eine Reihe von weiteren Herausforderungen zu bewältigen. Das gilt besonders für die unterdurchschnittliche Kapitalisierung, der geringen Rentabilität und der verminderten Qualität des Kreditportfolios der Tochtergesellschaften im Ausland.

Die Ausrichtung der österreichischen Banken auf Mittel-, Ost- und Südosteuropa trägt zur Erwirtschaftung von Gewinnen bei, bringt jedoch auch einige Risiken mit sich. Zwar ist es durchaus ein strategischer Verdienst der österreichischen Banken, dass sie sich in dynamischen Volkswirtschaften engagieren, doch bringt dies recht ausgeprägte Kreditrisiken, Währungsrisiken und politische Risiken mit sich.

Nicht alle Probleme sind gelöst

Österreich ist mit einer Reihe weiterer Herausforderungen konfrontiert; die Wachstums- und Investitionsdynamik muss weiter verbessert werden. Die Wirkkraft der öffentlichen Ausgaben muss optimiert und der öffentliche Schuldenstand reduziert werden. Insbesondere Pensionen, Gesundheitsversorgung und Langzeitpflege sind die großen Herausforderungen für die Zukunft.

In Österreich beträgt die Arbeitslosenquote immer noch über 6%. Dies wird sich auch in den kommenden beiden Jahren nicht ändern. Bei der besseren Nutzung des Arbeitsmarktpotenzials von älteren Arbeitskräften, Frauen und Personen mit Migrationshintergrund wurden nur begrenzte Fortschritte erzielt. Gleiches gilt für die Verbesserung der Bildungssituation benachteiligter junger Menschen.

Der beispiellose Zustrom von Flüchtlingen und Migranten bzw. deren Durchreise werden extreme Anstrengungen auf Seiten der Behörden und der Gesellschaft erfordern, um die Integration und soziale Inklusion dieser Menschen zu ermöglichen. Der erhebliche Anstieg der Nettozuwanderung könnte sich auf längere Sicht zwar positiv auf das Arbeitskräfteangebot auswirken, allerdings nur, soweit die Integration in den Arbeitsmarkt gelingt.

Durch die niedrigen Zinssätze und den günstigen Ölpreis ist vorübergehend zwar ein günstiges Investitionsklima entstanden. Investitionen werden jedoch nach wie vor durch strukturelle Hindernisse gebremst. Rechtliche Barrieren, z. B. restriktive Lizenz- und Genehmigungssysteme, sowie Marktzugangsbarrieren für Dienstleister verhindern neue Investitionen.

Österreich gehört zu den Empfängerländern der europäischen Struktur- und Investitionsfonds (ESIFonds)

Österreich kann bis 2020 bis zu 4,9 Mrd € vom ESI-Fonds erhalten. Dies entspricht 6,2% der erwarteten öffentlichen Investitionen Österreichs in den durch die ESI-Fonds unterstützten Bereichen.

Es wurden bereits alle erforderlichen Reformen und Strategien auf den Weg gebracht, um die Kriterien in diesen Bereichen zu erfüllen. Die Fondsprogramme decken folgende Bereiche ab: Beschäftigung, Forschung und Entwicklung, Klimawandel und Energie, Bildung sowie Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung.

Unsere Favoriten schlagen den Aktienmarkt

Vergleicht man die drei Hauptindizes der D-A-CH-Region, konnte auf Sicht von 6 Monaten nur der DAX seinen Wert halten. Der ATX verlor 4% und der SMI rund 8%. Unsere österreichischen Favoriten aus dieser Ausgabe legten hingegen +5% an Wert zu. In den kommenden 3 bis 5 Jahren haben die österreichischen Aktien aus dieser Ausgabe ein Kurspotenzial von gut 40%. Bei den 4- und 5 Sterne-Werten sind es sogar über +50%.

18. Mai 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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