Lahmende Automobilindustrie bremst den Metall- und Stahlbau aus

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Der weltweite Stahlverbrauch wird 2019 maximal 1,5% zulegen. Anders bei der Kupferproduktion, hier erwarte ich eine steigende Nachfrage. (Foto: nuttawutnuy/AdobeStock)

Der weltgrößte Stahlkonzern ArcelorMittal hat wegen der lahmenden Autoindustrie seine Prognose für die weltweite Stahl-Nachfrage zusammengestrichen.

Vor allem die Entwicklung in Europa bereitet Sorge. Aber auch die Nachfrage in den USA und in Brasilien schwächelt. Der weltweite Stahlverbrauch werde 2019 nur zwischen 0,5 und 1,5% zulegen, prognostiziert der Konzern. Zuvor hatte er noch ein Plus von 1 bis 1,5% erwartet. In Europa erwartet ArcelorMittal sogar ein Minus zwischen 1 und 2%. So haben sich die Geschäfte von ArcelorMittal im 2. Quartal weiter eingetrübt. Der Weltmarktführer litt weiterhin unter nachgebenden Stahlpreisen infolge einer schwächeren Konjunktur sowie steigendem Importdruck. Zudem belasten die gestiegenen Rohstoffkosten und höhere Abschreibungen.

Der Vorstand hat bereits mit der Stilllegung von Produktionskapazitäten in Europa reagiert. Dagegen konnte der Schuldenstand trotz der Übernahme des indischen Stahlherstellers Essar wieder leicht unter das Niveau vom 31.12.2018 gesenkt werden.

thyssenkrupp kommt nicht zur Ruhe

Die Aktie von thyssenkrupp ist seit Juli 2017 um über 60% eingebrochen. Ein nachhaltiger Befreiungsschlag ist nicht in Sicht. Die neuen Attacken von Trump gegen China heizen die Sorgen um die weltweite Wirtschaftsentwicklung wieder an. Für das zyklische Geschäft von thyssenkrupp wäre eine Eskalation des Handelsstreits der nächste Tiefschlag.

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Vor allem das Komponentengeschäft und die Stahlsparte aber auch der Werkstoffhandel sind stark von der Konjunktur abhängig. Vor allem die Krise der Autobranche drückt, wie bei ArcelorMittal, seit Monaten auf die Zahlen – und könnte sich noch einmal ausweiten. Da helfen auch die Gerüchte um den Werkstoffhandel nicht.

Immer wieder wird über eine mögliche Fusion mit dem Rivalen Klöckner & Co spekuliert. „Wir sind grundsätzlich bereit, bei der Konsolidierung der thyssenkrupp-Sparte Materials Services eine Rolle zu spielen“, so der KlöCo-CEO. Ob es zu einer Einigung kommt, bleibt weiterhin offen. Bei der Digitalisierung ist KlöCo zuletzt gut vorangekommen. Der Anteil des über digitale Kanäle erzielten Umsatzes hat sich von 20 auf 29% erhöht. Erweitert wurde auch das Geschäft mit höherwertigen Produkten und Dienstleistungen. Die von KlöCo initiierte unabhängige Industrieplattform XOM-Materials ist für thyssenkrupp hochinteressant.

Robuste Nachfrage nach Kupferprodukten

Aurubis geht für die nächsten Monate für Kupfergießwalzdraht von einer robusten Nachfrage auf hohem Niveau aus – vorausgesetzt die Konjunktur in den wichtigen Abnehmerindustrien bleibt weiter auf gutem Niveau. Von den Kabelproduzenten wird eine unverändert gute Nachfrage erwartet.

Dabei wird sich der Erwerb der Deutsche Gießdraht GmbH positiv auswirken. Bei Kupferstranggussformaten erwartet Aurubis ebenfalls eine robuste Nachfrage, gestützt durch eine höhere Nachfrage aus dem Bereich der Industrierohre. Bei Flachwalzprodukten hat sich die Nachfrage vermindert, insbesondere im europäischen Automobilsektor. Dies wird voraussichtlich auch im laufenden Geschäftsjahr so bleiben. Mit Wachstumsimpulsen rechnet Aurubis aus dem Markt für Steckverbinder sowie aus der Elektromobilität.


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.