Land unter bei der Südzucker AG

Steigende Rohstoffpreise und bedrohliche Ernteausfälle lassen den Gewinn drastisch schmelzen (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Nicht nur die Bahnfahrer sind mit Fahrtzeitenverlängerungen noch immer Betroffene der Hochwasserkatastrophe von Juni diesen Jahres, nein, auch die Felder in der Landwirtschaft leidet weiterhin erheblich unter den Folgen der Überschwemmungen.

Totale Ernteausfälle oder, wenn man Glück hatte, geringe Ernteerträge schlagen den Bauern aufs Gemüt und reißen tiefe Löcher ins Portemonnaie.

Und nun ist die Krise in der Landwirtschaft auch an der Börse angekommen. Die Südzucker AG aus Mannheim (WKN 729700, Ticker SZU) berichtet heute Morgen, von schlechten Geschäften.

Zwar konnte der 6-Monats-Umsatz im Vergleich zum Vorjahr noch um +3% gesteigert werden, doch brach das operative Ergebnis um satte -24% ein.

Statt des erhofften Ergebnisses auf Vorjahreshöhe (974 Mio. Euro Gewinn) rechnet das Unternehmen für dieses Jahr nur noch mit +825 Mio. Euro, immerhin ein Rückgang von -16,3%.

Woher der verringerte Gewinn kommt, ist leicht erklärt, der Südzucker AG laufen die Preise für die Rohstoffe davon.

Denn der Preis für Zuckerrüben, dem Grundstoff für die Produktion des traditionellen Zuckers haben angezogen, gleichzeitig haben die Vertragsbauern, von denen zu vorher festvereinbarten Preisen der Rohstoff Rübe bezogen wird, erheblich Ernteausfälle zu verzeichnen und könne nicht liefern.

Südzucker fehlt damit die Produktionsbasis, gleichzeitig bestehen feste Lieferverträge mit den Endkunden, die erfüllt werden müssen.

Kurzfristig Rohstoff-Ersatz zu beschaffen ist schwierig, auch osteuropäische Nachbarländer wie Polen, Tschechien und die Slowakei, in denen auch Zuckerrüben angebaut werden, sind ebenfalls hochwassergeschädigt.

Und beim Zukauf auf dem Weltmarkt entstehen hohe Transportkosten, die die Warenkosten nach oben treiben.

Dazu kommt, dass die Südzucker AG ihr Geschäftsmodell zu 80% rund um die Zuckerrübe aufgebaut hat.

Sie betreibt 29 Zuckerfabriken und 3 Zuckerraffinerien, produziert zuckerhaltige Inhaltsstoffe für die Lebensmittel- und Tiernahrungsindustrie und stellt Pizza und Tiefkühlware her. In Österreich betreibt Südzucker unter dem Namen Agrana eine Stärkefabrik.

Unter dem Namen CropEnergies AG wird seit 2006 an der Börse die Bioethanol-Tochter des Unternehmens (Produktion von Biokraftstoffen, Lebensmitteln, Tierfutter) notiert.

Alle Geschäftssparten eint die Abhängigkeit von der Zuckerrübe, betriebswirtschaftlich gesehen hat die Konzernleitung hier ein beträchtliches Klumpen-Risiko gebildet.

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Steigt der Absatz der Endprodukte und liegen die Preise in Zeiten hoher Erntemengen niedrig, geht es dem Unternehmen blendend, die Margen und damit die Gewinne stimmen.

Doch in Situationen wie diesen, dreht sich der Spieß schnell um. Steigende Rohstoffpreise, sinkende Weltmarktpreise für Zucker und sinkende Nachfrage nach Biokraftstoffen (Stichwort E10) schmelzen die Marge ab, Gewinnwarnungen in sämtlichen Geschäftssparten sind die Folge.

Klar, das neben dem Rückgang bei Südzucker selbst (siehe oben) die Konzerntöchter Agrana (Gewinnrückgang um -24%) und CropEnergies (-30%) bereits in den Vortagen entsprechend schlechte Zahlen vorgelegt haben.

Auch kein Wunder ist es, dass der Aktienkurs des Konzerns weiterhin Schwäche zeigt, denn bereits für das erste Quartal 2013 hatte man über gestiegene Rohstoffkosten bei sinkenden Weltmarktpreisen für Zucker geklagt und die Jahresprognosen im Konzern revidiert.

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Sie sehen es selbst, der Point&Figure-Chart zeigt seit dem ersten Verkaufssignal (fetter roter Kreis) Mitte April diesen Jahres eine klare, saubere Abwärtstendenz.

Das aktuelle Kursziel für die Aktie mit dem jüngsten Verkaufssigna (dünner roter Kreis) und dem Unterschreiten des 3-fach-Bodens (rote waagerechte Linie) lautet jetzt auf 12,50 €, was selbst unter Berücksichtigung des heutigen Kursrückgangs (aktuell -4,8%) nochmals ein Minus von 40% bedeuten würde.

Keine guten Aussichten also für die Aktionäre des Unternehmens. Und auch potentiellen Neuein-steigern sei zur Vorsicht geraten.

Denn die Abwärtstendenz ist unumstößlich. Erst Kurse über 23,00 € in Verbindung mit einer neuen X.-Säule könnten ein Zeichen sein, dass die Talfahrt vorerst gestoppt sein könnte.

Doch selbst dann notiert die Aktie noch immer unterhalb der beiden Abwärtstrendlinien (2 rote diagonale Linien), die es in jedem Fall nachhaltig zu überwinden gilt, bevor man aus Sicht des Point&Figure-Trading wieder von einer Aufwärtsbewegung sprechen könnte.

Ob und vor allem wann dies der Fall sein wird, ist unklar, aber ohne bessere Geschäftsaussichten und wieder steigende Gewinne kann das durchaus noch etwas dauern.

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Von: René Neukirch. Über den Autor

René Neukirch, Jahrgang 1963, ist Händler. Parketthändler. Zumindest nannte man es damals, vor über 26 Jahre so. Mit nur 22 Jahren hatte er sich schon vom einfachen Bankkaufmann hochgearbeitet zum Parketthändler und ist seitdem der Leidenschaft Börse verfallen.

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