Langfristiges Investieren schlägt kurzfristiges Zocken

Kurzfristige Trader versuchen, Positionen glattzustellen und später günstiger wieder aufzubauen. Oder sie versuchen sogar, kurzfristige Wetten gegen den allgemeinen Markttrend aufzubauen.

Klar, theoretisch wäre noch mehr Geld zu verdienen, wenn es gelingen würde, jede noch so kleine Tagesbewegung des Marktes richtig vorherzusehen – ob das realistisch ist, steht auf einem anderen Blatt.

Dieses kurzfristige „Rein und Raus“ ist auch nicht ohne Risiko. In einen stabilen Aufwärtstrend Wetten auf fallende Kurse einzugehen, kann sehr schnell zu einem teuren Unterfangen werden. Auch der Versuch, zwischendurch Positionen zu verkaufen, um später günstiger wieder zu kaufen, kann leicht nach hinten losgehen. Häufig tut uns der Markt nicht den Gefallen, nochmal unter unser Verkaufsniveau zu fallen.

Warum versuchen sich so viele Marktteilnehmer trotzdem am kurzfristigen Timing?

Die Hirnforschung ist ein spannendes Feld. In den USA haben Wissenschaftler durch Messung von Hirnströmen gezeigt, dass Menschen langfristig eher rational denken. Je kurzfristiger Menschen jedoch entscheiden müssen, desto eher entscheiden sie impulsiv und emotional.

Und Emotionen sind bei der Geldanlage immer ein schlechter Ratgeber! Trotzdem geht aus Umfragen unter Anlegern hervor, dass sie sich kurzfristige Prognosen mindestens ebenso gut zutrauen wie langfristige.

Viele Privatanleger merken gar nicht, dass sie sich schon im Bereich der „Zockerei“ befinden. Das ist dann in der Regel hochgradig riskant für das Investment. Die versteckten Möglichkeiten, beim Handeln in die Glücksspielfalle zu tappen, sind vielfältig: Sich selbst beweisen, soziale Akzeptanz erreichen, einfach nur mitreden können. Auch das unbedingte Streben nach Gewinn ohne einen Verlust akzeptieren zu können, fällt schon in den Bereich der Zockerei und bleibt nicht wenigen Anlegern auf den ersten Blick verborgen.

Funktionieren mittel- bis langfristige Anlagestrategien wirklich besser als kurzfristige?

Lassen Sie mich von einer Konferenz unter Börsenbrief- und Newsletter-Verfassern in den USA vor einiger Zeit berichten. Die Autoren, die langfristig die besten Anlageergebnisse für ihre Abonnenten erzielt haben, wurden ausgezeichnet.

Die erfolgreichsten Autoren stellten sich während der anschließenden Podiumsdiskussion den Fragen der Zuhörer. Große Einigkeit herrschte bei der Frage, was der häufigste Fehler von Anlegern sei.

„Zu kurzfristiges Handeln!“, so lautete der Meinungs-Tenor der besten Börsenbrief- und Newsletter-Autoren.

Und tatsächlich: Die Musterportfolios dieser Autoren weisen eine sehr geringe Umschlagshäufigkeit auf. Dagegen werden viele Portfolios der Schreiber, die über die Jahre hinweg enttäuschten, ständig umgeschichtet.

Geduld ist die Grundlage des Anlageerfolgs

Die Natur hat unseren Denkapparat mit verschiedenen Stärken und Schwächen ausgestattet. Um im Leben erfolgreich zu sein sollte man sich auf seine Stärken fokussieren. Und die liegen im langfristigen Denken! Diesen Ratschlag sollten Sie bei der Geldanlage beherzigen. Geduld zahlt sich eben doch aus.

Und bislang sehe ich nach wie vor keinen Grund, Ihre Positionen in Aktien oder Aktien-ETFs zu verkaufen: Die Konjunkturerwartungen verhalten sich weiter stabil, der mittelfristige Aufwärtstrendtrend der Aktienindizes ist intakt und auch die Gewinnerwartungen der Analysten für die Unternehmen steigen weiter an.

Widerstehen Sie also der Verlockung, jede noch so kleine Schwankung der Märkte vorhersagen zu wollen.


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13. Februar 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.

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